European Championships:Eine besondere Veranstaltung zum goldenen Olympiajubiläum

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European Championships: Am Donnerstag beginnen die Wettkämpfe: Mit den European Championships kehrt der große Sport zurück in die Olympiakulisse des Jahres 1972.

Am Donnerstag beginnen die Wettkämpfe: Mit den European Championships kehrt der große Sport zurück in die Olympiakulisse des Jahres 1972.

(Foto: Tom Kirkpatrick/imago)

177 Titel, 4700 Teilnehmer und eine Million erhoffte Besucher: Zum goldenen Olympia-Jubiläum richtet München die größte Sportveranstaltung seit den Spielen von 1972 aus.

Von Joachim Mölter

Die Brücke, die vom Olympiadorf über den Mittleren Ring zum Olympiastadion führt, ist bereits komplett beflaggt mit den Fahnen der teilnehmenden Länder. Im Olympiapark stehen auch schon die meisten Absperrgitter, Banden und Pavillons, nur an einigen Stellen wurde in diesen Tagen noch gesägt, geschraubt, gehämmert und gebohrt, teilweise bis es dunkel war. Es musste ja alles fertig werden bis zu den European Championships, die am Mittwochabend mit einer Feier eröffnet und am Donnerstagmorgen mit den ersten Wettkämpfen gestartet werden. Rund 4700 Athleten und Sportlerinnen werden dann bis zum 21. August in neun Sportarten um insgesamt 177 Europameistertitel kämpfen. Gemessen an der Zahl der Teilnehmer und der zu vergebenden Medaillen ist es die größte Sportveranstaltung in München seit den Olympischen Spielen 1972.

Das will was heißen angesichts von mehr als 14500 Veranstaltungen, die in den vergangenen 50 Jahren über die verschiedenen Bühnen des Olympiaparks gegangen sind. Höhepunkte waren sicher Fußball-WM 1974 und -EM 1988 sowie die Leichtathletik-EM 2002; außerdem gab es dreißig weitere Welt- und ein Dutzend Europameisterschaften sowie legendäre Konzerte von den Rolling Stones, Bruce Springsteen, AC/DC, Ed Sheeran oder Rihanna. Alles gut und schön, aber eben nicht so groß wie nun die European Championships.

Zum goldenen Olympia-Jubiläum "musste einfach was Besonderes in den Park", sagt Marion Schöne, die Chefin der Olympiapark GmbH. Ihr Reich ist zwar das Zentrum der Veranstaltung, aber wettgekämpft wird auch noch anderswo in der Stadt, bei den Straßenradrennen sogar im Umland. Die Veranstaltung sei ein "Wahnsinnsevent", formulierte es Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Dabei wird der Sport wie anno 1972 umrahmt von einem Kultur-Festival. "Das wird bestimmt eine Top-Veranstaltung", glaubt Reiter.

Ausgedacht haben sich das Format der "European Championships" zwei Sportvermarkter, der Brite Paul Bristow und der Schweizer Marc Joerg. Ihre Idee war, in den geraden Jahren zwischen Olympischen Sommerspielen die kontinentalen Titelkämpfe einzelner Sportarten zu bündeln und ihnen dadurch mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, vor allem durch koordinierte TV-Übertragungen. Bei der Premiere 2018, die in zwei Städten stattfand (Glasgow und Berlin), ging der Plan gut genug auf, um das Projekt fortzusetzen. Am Montag verkündete das Championships-Management, dass mindestens 40 Sender der europäischen Rundfunk-Union EBU insgesamt mehr als 3500 Stunden übertragen von den Multi-Meisterschaften aus München.

Dem örtlichen Organisationskomitee geht es freilich nicht nur darum, ein tolles Fernsehereignis zu bieten und schöne Bilder zu liefern zum Beispiel vom Beachvolleyball vor der malerischen Kulisse des Königsplatzes. Ihnen geht es auch um ein mitreißendes Live-Erlebnis. Und das hatte lange Sorgen bereitet.

European Championships: Ein echter Hingucker: der Sandplatz für die Beachvolleyballspielerinnen und -spieler auf dem Königsplatz.

Ein echter Hingucker: der Sandplatz für die Beachvolleyballspielerinnen und -spieler auf dem Königsplatz.

(Foto: Marc Müller/Munich2022)
European Championships: Mitten durch die Innenstadt führen die Strecken, die beim Gehen und beim Marathon zu bewältigen sind.

Mitten durch die Innenstadt führen die Strecken, die beim Gehen und beim Marathon zu bewältigen sind.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Als München im November 2019 den Zuschlag für die Ausrichtung bekam, war die Welt noch in Ordnung, aber drei Monate später geriet sie aus den Fugen. "Wir haben zu 80 Prozent in der Corona-Zeit gearbeitet", erinnerte Marion Schöne. Erst am 20. März war wirklich sicher, dass die Titelkämpfe stattfinden können.

Unter dieser Unsicherheit litt der Kartenvorverkauf, und die Einnahmen aus Eintrittsgeldern spielen ja eine wesentliche Rolle bei der Finanzierung des Spektakels. Dessen Gesamtkosten sind mit 130 Millionen Euro veranschlagt, wobei 100 Millionen von Stadt, Land und Bund gemeinsam getragen werden. Die restlichen 30 Millionen müssen durch Vermarktung und Ticketverkauf erwirtschaftet werden.

Auf rund 450000 zahlende Zuschauer hoffen die Organisatoren, wie ihr Sprecher Manuel Deutschmeyer sagt. Insgesamt träumen sie sogar von einer Million Besucher, weil viele Angebote kostenlos sind: das Kultur-Festival zum Beispiel, aber auch einige Wettkämpfe im Triathlon oder Radsport.

Bislang haben es die Ausrichter erstaunlicherweise geschafft, die European Championships rauszuhalten aus den aktuellen Debatten um Corona-Gefahren bei Massenevents wie es sie vor allem ums Oktoberfest gibt. Sie sind zuversichtlich, dass die Menschen in den Olympiapark strömen gemäß dem Motto, das sie sich ausgedacht haben: Back to the roofs - zurück zu den Dächern. Gemeint ist damit natürlich die berühmte Zeltkonstruktion, die sich über die Sportstätten spannt und mittlerweile ein weltweit bekanntes Wahrzeichen Münchens ist. Aber der Slogan lässt sich mehrdeutig interpretieren, er ist ja abgeleitet vom englischen Begriff back to the roots - zurück zu den Wurzeln. Also zu den Spielen von 1972.

European Championships: Turnen in der Olympiahalle - da werden Erinnerungen wach an die Sommerspiele vor 50 Jahren am gleichen Ort.

Turnen in der Olympiahalle - da werden Erinnerungen wach an die Sommerspiele vor 50 Jahren am gleichen Ort.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)
European Championships: Spannungsbogen: Unter dem weltberühmten Zeltdach geht es mal wieder richtig rund.

Spannungsbogen: Unter dem weltberühmten Zeltdach geht es mal wieder richtig rund.

(Foto: Fabian Stoffers/EC2022)

Bei der Bewerbung um die Multi-Meisterschaften punktete München ja auch damit, auf die seit 50 Jahren bestehenden Sportstätten zurückgreifen zu können. Nicht nur Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hob immer wieder das Thema Nachhaltigkeit hervor, "gerade nach den Debatten über Winter-Olympia in Peking oder die Fußball-WM in Katar". Auch OB Reiter sagte: "Wir wollen zeigen, dass Nachhaltigkeit mehr sein kann als ein Schlagwort." In München musste jedenfalls nichts neu gebaut werden, was künftig dann nutzlos in der Gegend rumstehen würde.

Der Olympiapark hingegen wird seit einem halben Jahrhundert rege genutzt, und er kann immer noch sein Flair entwickeln. Darauf setzen nun auch die Organisatoren. "Wir hoffen auf ein Momentum wie bei der Leichtathletik-EM 2002, wo eine Euphorie entstanden ist, die das Stadion voll gemacht hat", sagt Tobias Kohler, der Sprecher der Olympiapark GmbH. Bei der Veranstaltung zum 30-Jahr-Jubiläum der Spiele war es grauslich kühl und regnerisch, trotzdem kamen an den sechs Wettkampftagen im August insgesamt 300 000 Zuschauer - nur zur Leichtathletik!

Für die bevorstehenden europäischen Multi-Meisterschaften ist die Wetterprognose deutlich besser, auch deshalb ist Marion Schöne optimistisch gestimmt: "Das werden ganz tolle elf Tage."

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