Bilanz der European Championships:"Es war großartig, es war wunderbar"

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Bilanz der European Championships: Spaß im Olympiastadion: Fans feiern die Athletin Lea Meyer nach deren Silber im 3000-Meter-Hindernis-Lauf.

Spaß im Olympiastadion: Fans feiern die Athletin Lea Meyer nach deren Silber im 3000-Meter-Hindernis-Lauf.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Die Veranstalter ziehen eine geradezu überschwängliche Bilanz und sehen die 100 Millionen Euro gut investiert. Nun hofft München auf weitere Großereignisse und die DOSB-Spitze nimmt eine deutsche Olympia-Bewerbung ins Visier.

Von Joachim Mölter

In gewisser Hinsicht waren die European Championships auch für Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) einmalig. "Das ist die einzige Veranstaltung in meinen acht Jahren als Oberbürgermeister, bei der es keine Kritik gab", resümierte der 64-Jährige am Sonntag bei der Abschluss-Pressekonferenz des Multisportevents mit neun Europameisterschaften. Nicht nur, dass es keine Kritik gab - für die elftägige Veranstaltung gab es durchweg überschwängliches Lob, und das von allen Seiten. Reiter selbst fand sie zum Beispiel "grandios".

"Es war großartig, es war wunderbar", resümierte auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Die Turnerin Kim Bui aus Stuttgart schwärmte: "Das war sensationell, was hier auf die Beine gestellt worden ist." Die 33-Jährige hatte in München ihre Abschiedsvorstellung gegeben als Leistungssportlerin: "Ich hab's mir nicht schöner vorstellen können", sagte sie angesichts der Atmosphäre in der vollen Olympiahalle: "Man wird mitgerissen von der Euphoriewelle. Wir sind getragen worden." Die Leichtathletin Konstanze Klosterhalfen aus Bonn, Europameisterin über 5000 Meter, sagte: "Ich bin noch ein paar Tage am Schweben." Auch sie habe sich keine schönere Situation vorstellen können, bei ihr ging es allerdings um ihren ersten internationalen Titelgewinn: "Man hat die Begeisterung gespürt, im Stadion, im Park, in der ganzen Stadt."

Die Polizei habe kaum etwas zu tun gehabt, teilte deren oberster Chef Herrmann mit. In erster Linie waren die Beamten damit beschäftigt, die Straßen abzusperren bei den Rad- und Lauf-Wettbewerben in der Innenstadt. Ansonsten sei alles weitgehend friedlich gewesen. "Das lag auch an den Fans", sagte Herrmann. Die Beachvolleyballerin Karla Borger dankte ausdrücklich den vielen freundlichen Helfern, den Volunteers: "Sie haben viel zum Charme der Veranstaltung beigetragen."

Marion Schöne, Chefin der Olympiapark GmbH sowie des Organisationskomitees der Championships, bilanzierte: "Unsere Vision ist absolut übertroffen worden. Wir haben wieder ein Sommermärchen geschafft nach 2006." Damals hatte die Fußball-WM die Sportfans im Land begeistert. Bei den an verschiedenen Orten in der Stadt ausgerichteten und teils frei zugänglichen Sport- und Kulturangeboten war die erhoffte Besucherzahl von einer Million bereits am Donnerstagabend erreicht; vor den abschließenden Wettkämpfen am Sonntagabend lag die Zählung bei 1,2 Millionen, berichtete Schöne. Auch die TV-Quoten seien höher gewesen als bei der Championships-Premiere vor vier Jahren - in Deutschland wie auch in Europa. "Vielleicht haben wir es sogar geschafft, so etwas wie einen europäischen Geist zu wecken", sagte Schöne.

Dass am Ende nicht ganz so viele Eintrittskarten verkauft wurden, wie angepeilt, nämlich knapp 400 000 statt 450 000, trübe den Gesamteindruck nicht. Bayerns Innenminister Herrmann bilanzierte jedenfalls: "Die Entscheidung der drei Fördermittelgeber, 100 Millionen Euro auf den Tisch zu legen, hat sich als absolut richtig erwiesen." Bund, Land und Stadt hatten sich das Gros der Veranstaltungskosten in Höhe von 130 Millionen Euro ja geteilt; den Rest mussten die Organisatoren durch Sponsoren und Ticketverkäufe erwirtschaften.

DOSB-Spitze: "Wir wollen Olympia angehen"

Mahmut Özdemir (SPD), Staatssekretär im Bundesinnenministerium, hob den ideellen Mehrwert der Veranstaltung hervor. "Wir haben eine Benchmark gesetzt, was Nachhaltigkeit angeht", sagte er angesichts des Umstands, dass viele Sportstätten wiederverwendet wurden, die für Olympia 1972 gebaut wurden. Die Organisation der Championships bezeichnete er zudem als "Steinbruch für Inspiration, Motivation und politischen Willen" für künftige Sport-Großveranstaltungen in Deutschland. Olympiapark-Chefin Schöne versprach: "Es wird sehr viel bleiben, nicht nur die Erinnerung an schöne Sommerabende. Wir haben etwas angestoßen, und ich bin sicher, dass das weiterleben wird."

Die Spitze des Deutschen Olympischen Sportbunds jedenfalls hat große Pläne: Präsident Thomas Weikert sprach sich in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung so eindeutig wie noch nie für eine neue deutsche Olympia-Bewerbung aus: "Wir wollen Olympia angehen." Bei der Mitgliederversammlung im Dezember in Baden-Baden werde er den Verbänden den Prozess vorstellen und um Zustimmung bitten.

Die Bevölkerung solle künftig noch stärker in die Entscheidung eingebunden werden, ob und wo Sommer- oder Winterspiele stattfinden sollten", sagte Weikert. "Das Warum steht vor dem Wann, Wo und Wie." Die nächsten Möglichkeiten sind die Winterspiele 2034 und die Sommerspiele 2036. Der Bewerbungsprozess für die noch nicht vergebenen Winterspiele 2030 ist bereits weit fortgeschritten.

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