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Europawahl:Diese Münchner wollen ins EU-Parlament

Themenpaket zur Europawahl

Auch Münchner Politiker kandidieren für das EU-Parlament.

(Foto: dpa)

Nicht jeder der Kandidaten hat bei der Europawahl am 26. Mai gute Chancen. Aber fast jeder von ihnen hat eine Leidenschaft für Europa.

Durchstreichen und häufeln verboten: Anders als bei der Kommunalwahl ist der Stimmzettel fürs Europaparlament starr - die Wähler haben keinen Einfluss auf die Reihung der Listen und damit die Chancen der Kandidaten. Aus München treten am 26. Mai mehrere Bewerber an, manche auf aussichtsreichen, andere auf eher hinteren Plätzen. Ein Überblick über Kandidaten der Parteien, die bereits im Europaparlament vertreten sind.

Eric Bourguignon, Linke

Eric Bourguignon (Linke) ist im Wahlkampf der engagierte Gewerkschafter.

(Foto: privat)

Kürzlich hat Eric Bourguignon in Bordeaux französische Gewerkschafter getroffen. Die Freundschaft zwischen Deutschland und dem westlichen Nachbarstaat ist dem gebürtigen Franzosen, der in Straßburg studiert hat, ganz wichtig. "Mein Thema ist der Frieden in Europa", sagt der 45-Jährige, dessen Urgroßväter im Ersten Weltkrieg noch gegen Deutschland kämpften. "Ich bin professionell französisch seit über 15 Jahren", Bourguignon ist Förderberater für zivile EU-Forschungsprojekte. Im Wahlkampf ist der engagierte Gewerkschafter nach eigener Auskunft europaweit unterwegs, er nimmt oft an Podiumsdiskussionen teil. Als für München bedeutsame Europathemen sieht er das Thema Wohnungsnot, das durchaus eine europäische Dimension habe, Soziales und Umweltschutz. Bourguignon, der auf Platz 22 der Linken-Liste auftaucht, kämpft zudem gegen Rassismus und Nationalismus.

Klaus Buchner, ÖDP

Klaus Buchner (ÖDP) war früher Mathematik-Professor an der Technischen Universität München.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Mann hat eine Mission zu vollenden, deshalb will er auch mit 78 Jahren unbedingt noch einmal ins europäische Parlament. "Ich habe mich mit großem Erfolg für Exportbeschränkungen für Überwachungstechnik eingesetzt", sagt Klaus Buchner von der ÖDP. "Im Parlament sind sie schon durch, jetzt müssen sie noch durch den Ministerrat." Diese Mammutaufgabe wolle er unbedingt in seiner zweiten Amtszeit schaffen, erklärt der frühere Mathematik-Professor der Technischen Universität München. Gebe es weniger Überwachung, nütze das den Menschen überall. Auch in München sollte diese auf ein Minimum beschränkt werden. Daneben wolle er sich für den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft einsetzen und die auf Europa ausgeweitete Bürger-Initiative für Artenschutz unterstützen. Der Job im Parlament sei vielfältig und fordernd, sagt Buchner. Zwölf bis 14 Stunden müsse er in der Regel am Tag arbeiten, Wochenende gebe es oft nicht. Viel zu tun hat er nun auch im Wahlkampf. "Ich bin in ganz Deutschland unterwegs, jede Woche in einem anderen Bundesland." Buchner tritt als bundesweiter Spitzenkandidat der ÖDP an, als solcher kam er 2014 erstmals ins Parlament.

Phil Hackemann, FDP

Phil Hackemanns (FDP) Wahlkampf findet in ganz Bayern statt.

(Foto: privat)

Für Phil Hackemann, der derzeit in London Europäische Politik studiert, steht am 26. Mai eine Schicksalswahl an - nicht nur für ihn, sondern für Europa. Die EU sei von Nationalisten bedroht und zudem seit Längerem durch eine großkoalitionäre Lähmung handlungsunfähig, sagt der gebürtige Münchner, der auf Platz 11 der FDP-Liste steht. Er will daher das bei vielen Themengebieten gültige Einstimmigkeitsprinzip abschaffen. Besonders wichtig ist dem 23-Jährigen, die innereuropäischen Grenzkontrollen an der bayerisch-österreichischen Grenze abzuschaffen, die ein Bruch des eigentlich geltenden Freizügigkeitsprinzips im Schengen-Raum seien. "Das haben wir Horst Seehofer zu verdanken." Hackemanns Wahlkampf findet in ganz Bayern statt. Die frühere Münchner FDP-Europaabgeordnete (und Ex-Stadträtin) Nadja Hirsch hat nach innerparteilichen Streitereien ihre ursprünglich geplante Kandidatur zurückgezogen.

Henrike Hahn, Grüne

Henrike Hahn (links) von den Grünen möchte sich in Straßburg bald für ein ökologischeres Europa einsetzen.

(Foto: Catherina Hess)

Wenn man sie mitten in der Nacht aufwecke, könne sie spontan eine flammende Rede auf Europa halten, sagt Henrike Hahn von den Grünen. Das mag zum einen daran liegen, dass sie auch deren bayerische Spitzenkandidatin ist und deshalb Tag und Nacht nichts anderes macht, als an Europa zu denken. Sie selbst sieht diese Fähigkeit aber auch in ihrer persönlichen Leidenschaft für Europa begründet: "Mit Leib und Seele, beruflich wie privat" sei sie Europäerin. Deshalb kandidiert die 48 Jahre alte Politikwissenschaftlerin, die unter anderem in Paris an der Sorbonne studiert hat, nun zum zweiten Mal für das Parlament. Auf Platz 13 der Grünen-Liste hat sie gute Chancen, dass es diesmal klappt. Europa sei ein großes Friedensprojekt, das Stabilität, Freiheit und Wohlstand garantiere; das wolle sie bewahren und verbessern. Ökologischer und sozial gerechter soll die EU werden, wenn es nach Hahn geht. Wie München konkret davon profitieren könne, zeige sich an der EU-Richtlinie zur sauberen Luft. Da sei die Europäische Union dem Freistaat und der Stadt ordentlich "auf die Füße getreten". Hahn könnte sich aber auch vorstellen, dass die Heimatstadt von der aus ihrer Sicht nötigen europäischen Verkehrswende profitieren könnte. Die Grünen wollten neue Mobilitätskonzepte in Modellregionen voranbringen; es wäre doch "fantastisch", wenn München Teil dieses Projekts werden könnte.

Bernd Posselt, CSU

Bernd Posselt (CSU) hat seit der ersten Direktwahl kein Plenum verpasst.

(Foto: Catherina Hess)

Vermutlich könnte Bernd Posselt mit Hotelrechnungen die Wand tapezieren. Denn der 62-Jährige ist zwar 2014 nach 20 Abgeordnetenjahren aus dem EU-Parlament ausgeschieden, er hat aber trotzdem keine Plenarsitzung verpasst, wie übrigens seit 1979 nicht. Posselt nimmt für sich in Anspruch, seit der ersten Direktwahl kein Plenum verpasst zu haben, seit 2014 nimmt er privat und ohne Stimmrecht teil. Der gebürtige Pforzheimer, der auf Platz 7 der CSU-Liste steht, sieht sich selbst als Anti-Nationalisten und "sein" Europa in höchster Gefahr. "Der Nationalismus erhebt wieder sein hässliches Haupt", warnt der Münchner Kandidat in seinem Wahlkampf, der nicht nur in München, sondern auch in anderen europäischen Städten und mit Rednern aus ganz Europa stattfindet.

Korbinian Rüger, SPD

Korbinian Rüger (SPD) hat viel Lust auf Wahlkampf und Europa.

(Foto: Claus Schunk)

Als Planegger könne er schon auch für München einstehen, sagt Korbinian Rüger. Und in der Stadt geboren ist er immerhin auch. Einen solchen Kandidaten aus dem Landkreis braucht die SPD, wenn sie einen Bewerber für das EU-Parlament aus München präsentieren will. Sie hat es nämlich geschafft, keinen einzigen Kandidaten aus ihrer Hochburg auf der Bundesliste unterzubringen. Einziehen ins Parlament wird Rüger auf Platz 66 nicht, das weiß er, dennoch versprüht der 30 Jahre alte Doktorand viel Lust auf Wahlkampf und Europa. Gerade weil er spürt, "dass im letzten Dreivierteljahr etwas ins Rutschen gekommen ist". Die Selbstverständlichkeit von Europa, die seine Generation schon immer kenne, sei verloren gegangen. "Hoppla", habe er sich gesagt, "wir müssen etwas unternehmen, dass die Freiheit erhalten und noch verbessert wird". Also bewarb er sich für die Kandidatur, obwohl er wusste, dass sie aussichtslos sein würde. "Ich will meine Generation aufrütteln", das hat Rüger sich als persönliches Ziel gesetzt. Dafür klopft er im Straßenwahlkampf an den Türen, steht er mit dem Infostand vor der Ludwig-Maximilians-Universität oder sitzt auf dem Podium. Europa solle den Rahmen schaffen, in dem sich die nächsten Generationen so frei darin bewegen könnten wie die seine, sagt Rüger.

Bernhard Zimniok, AfD

Bernhard Zimniok (AfD) fordert eine "Gerechtigkeitsdebatte".

(Foto: Catherina Hess)

Aus Sicht von Bernhard Zimniok weist die EU "massive Konstruktionsfehler" auf, es könne kein Weiter-so geben. Der frühere Oberstleutnant der Bundeswehr, der auf Platz 5 der AfD-Liste steht, will daher die Entscheidungskompetenz an die Nationalstaaten zurückdelegieren und die europäische Zusammenarbeit durch einzelne Staatsverträge regeln. Aus Münchner Sicht sei es wichtig, Wohnraum bevorzugt für Einheimische zu schaffen, so Zimniok. Aktuell kämen zu oft Migranten zum Zuge. Der AfD-Politiker fordert eine "Gerechtigkeitsdebatte" und will zudem gegen "überzogene Umweltvorschriften" und den "übertriebenen Kampf gegen Flächenfraß" vorgehen, der den sozialen Wohnungsbau nicht verhindern dürfe. Zimnioks Wahlkampf findet bayernweit statt.

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