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Europameisterschaft 2020:München hofft auf ein neues Sommermärchen

EM-Botschafter Philipp Lahm macht Werbung für München als Austragungsort der Europameisterschaft.

(Foto: Robert Haas)

Die Stadt richtet drei Vorrundenspiele, allesamt mit deutscher Beteiligung, sowie ein Viertelfinale aus. Auch außerhalb des Stadions sollen die Fans bespaßt werden.

Fußball-Arena München, 9. Juni 2006: Im WM-Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Costa Rica läuft die sechste Minute. Linksverteidiger Philipp Lahm führt den Ball. Auf Höhe des gegnerischen Strafraums zieht er plötzlich nach innen. Lahm schießt. Mit viel Schnitt fliegt der Ball ins Tor. Der erste Treffer des Turniers. Der Beginn des "Sommermärchens". Am Ende wird Deutschland Dritter - ein durchaus überraschender Erfolg.

14 Jahre später ist aus dem Verteidiger Lahm der EM-Botschafter Lahm geworden. Als solcher soll er dazu beitragen, die Europameisterschaft 2020, die erstmals in zwölf Ländern ausgetragen wird, zu vermarkten. Ganz besonders soll er natürlich den Austragungsort München marketingtechnisch voranbringen. Drei Vorrundenspiele, allesamt mit deutscher Beteiligung, sowie ein Viertelfinale finden hier statt.

Bei ihm selbst sei die Vorfreude - und ja, auch ein bisschen Anspannung - bereits vorhanden, lässt Lahm am Dienstag wissen. 100 Tage sind es nun noch bis zum Eröffnungsspiel der EM zwischen Italien und der Türkei in Rom. Ein guter Zeitpunkt also für Lahm und die anderen Mitglieder des Marketing- und Organisationskomitees, das Programm in München rund um die EM-Spiele vorzustellen. Während des 31 Tage dauernden Turniers haben die Verantwortlichen ein umfangreiches Rahmenprogramm auf die Beine gestellt, dessen "Hotspot" der Olympiapark werden soll, wie es die Geschäftsführerin der parkeigenen GmbH, Marion Schöne, ausdrückt: Neben der "Fan Zone", in der alle 51 EM-Spiele gezeigt werden und in der bis zu 25 000 Menschen Platz zum Public Viewing finden, gibt es im Park ein "Football Village", das laut Klaus Cyron, dem Geschäftsführer der zuständigen Marketingfirma, das "Aktivierungsprogramm" beherbergen soll: Das Referat für Bildung und Sport (RBS) bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich selbst sportlich zu betätigen, auf einer großen Bühne auf dem Coubertinplatz treten zudem zahlreiche Bands und Musiker auf.

Mittelpunkt der Public-Viewing-Area wird erneut ein riesiger Bildschirm auf dem Olympiasee. Je nach Bedarf und Abschneiden der deutschen Mannschaft können zudem weitere Leinwände im Park oder im Olympiastadion aufgestellt werden. "Wir sind auf alles vorbereitet", sagt Cyron. Das Programm im Olympiapark geht täglich von 13 bis 22 Uhr, bei Partien, die erst um 21 Uhr angepfiffen werden, sogar bis Mitternacht.

Auch außerhalb des Olympiaparks gibt sich die Stadt Mühe, ihre Besucher während der EM ausreichend zu bespaßen: Über die ganze Stadt verteilt werde es zahlreiche Kulturveranstaltungen geben, sagte Sportreferentin Beatrix Zurek (SPD). Der Gedanke dahinter sei, "die Sportbegeisterten mit Kultur abzuholen". Dies soll unter anderem mit Streetart, Konzerten und Lichtshows gelingen. Höhepunkt des Kulturprogramms ist die Konzertreihe mit dem geistreichen Titel "Klassik meets Fanzone", bei dem ein BR-Orchester Stücke aus Ungarn, Rumänien, Aserbaidschan und den anderen Austragungsländern aufführt. Wie alle anderen Veranstaltungen des Rahmenprogramms rund um die EM ist auch dieses Konzert kostenlos.

Knapp drei Monate vor Turnierbeginn sei man mit den Vorbereitungen gut in der Zeit, sagt Olympiapark-Geschäftsführerin Schöne, auch wenn noch einiges zu tun sei. "Aber wenn uns nichts dazwischenkommt, werden wir am 12. Juni starten." Von Zwischenfällen gehen die Veranstalter selbstredend nicht aus, auch das Coronavirus bereitet den Verantwortlichen bisher keine allzu großen Sorgen. Man beobachte die Lage, sagte Zurek, von Auswirkungen auf die EM gehe man jedoch nicht aus. Vielmehr freue man sich darauf, mit den vielen Besuchern aus dem Ausland ein friedliches Fest zu feiern, ergänzte Schöne.

Der Weltmeister Philipp Lahm und die zweifache Europameisterin Celia Šašić freuen sich zudem auf die Spiele der deutschen Nationalmannschaft. Mit Frankreich und Portugal habe man bereits in der Gruppenphase zwei Endspiele, erklärte Lahm, "so eine Auslosung wünscht man sich". Wirklicher Top-Favorit auf den Titel sei das deutsche Team jedoch nicht. "Trotzdem glaube ich aber, dass wir weit kommen", meint Lahm. Immerhin habe man 2014 in Brasilien 1:0 gegen Frankreich gewonnen, und auch gegen Portugal seien in der Vergangenheit immer wieder Siege gelungen.

Auch Šašić scheint nicht wirklich mit einem deutschen Turniersieg zu rechnen. Ob man die zusätzlichen Leinwände für das Public Viewing denn brauchen werde, wird sie gefragt. Šašić drückt sich ein wenig und sagt: Zunächst müsse man sich auf die schweren Aufgaben in der Vorrunde konzentrieren.

© SZ vom 04.03.2020/fema
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