bedeckt München 11°

Eulenspiegel Flying Circus im Theater Leo 17:Ein Platz in der Wonne

Leo 17

Prüfen ihre neue Spielstätte "Leo 17": Max Uthoff, Maxi Schafroth, Luise Kinseher und Herbert & Schnipsi, flankiert von Hausherr Marc Linsenmeier (von links).

(Foto: Lustspielhaus)

Kleinkunst-Veranstalter Till Hofmann bezieht mit seinem "Eulenspiegel Flying Circus" das bisher vom Publikum kaum beachtete "Theater Leo 17" der Rudolf-Steiner-Schule als Winterquartier

Von Oliver Hochkeppel

In diesen Zeiten der Seuche sind die Kulturstätten Münchens nur noch eingeschränkt und manche wirtschaftlich gar nicht mehr bespielbar. Da wird dem geschichtsbewussten Beobachter erst so richtig klar, wie viele Nischen abseits der großen staatstragenden (und -getragenen) Häuser in der Stadt der Rekordmieten nach und nach verschwunden sind. Von den vielen Dutzend privat betriebener Jazz-Clubs, Rockkneipen und freien Bühnen, die es von den Sechziger- bis in die Achtzigerjahre gab, sind nur eine Handvoll übrig geblieben. Umso verwunderlicher, dass kaum einer das "Theater Leo 17" auf der Rechnung hat, mit seinem 500-Plätze-Saal samt üppiger Bühne und stilechtem Fünfzigerjahre-Foyer, das alles in feinster Lage direkt an der U-Bahnstation Giselastraße. Was wohl daran liegt, dass das Theater seit jeher zur benachbarten Rudolf-Steiner-Schule gehört und von dessen Schulverein betrieben wird. Der bietet es zwar auch für Fremdvermietungen an, nutzt es aber vorwiegend für die eigenen Schulaufführungen - Theater ist ein integraler Teil des Waldorf-Schulkonzepts. So ist das Haus den Ruch des "Kindertheaters" nie losgeworden, zumal es in den Siebzigerjahren einige Zeit Ausweichquartier des "Theaters der Jugend" war. Dabei gab es schon in den Sechzigerjahren eine Kooperation mit der Lach- und Schießgesellschaft, und Kabarettgrößen wie Ursula Herking, Werner Finck oder Dieter Hildebrandt gastierten dort.

Nicht nur deshalb weiß Till Hofmann schon länger um diese Spielstätte. Er ist nicht nur Chef der Lach- und Schießgesellschaft, des Lustspielhauses und des Vereinsheims, sondern auch ewiger Location-Scout und unermüdlicher Ermöglicher. "Ich hab schon vor ein paar Jahren mal gefragt, ob wir da etwas machen könnten. Das hat nur mit den Terminen nicht zusammengepasst." Zumal seinerzeit keine große Not bestand, Hofmann hatte ja Zugriff auf Spielstätten aller möglichen Größen. Aktuell freilich dürfen in den 250er-Saal des Lustspielhauses maximal 80 Besucher, in die Lach- und Schieß und ins Vereinsheim jeweils um die 30 - da wird der Reiz eines 500er-Raumes klar, in den nach Corona-Regeln immerhin 160 Leute rein dürfen. Und da die weiterhin stattfindenden Schulvorstellungen - gerade hatte die Achtklässler-Inszenierung von "Herr der Diebe" nach dem Roman von Cornelia Funke Premiere - vorwiegend tagsüber stattfinden, bleiben für Hofmann genügend Abende frei.

So wird das "Leo 17" nun zum Winterquartier des "Eulenspiegel Flying Circus", mit dem Hofmann während der Sommermonate schon den Innenhof des Deutschen Museums bespielte. Los geht es am 3. November mit dem "Tresenleser" Horst Evers, vom 8. November an folgen Robert Palfrader, Axel Hacke, Alfred Dorfer sowie, mit Premieren, Jan Philipp Zymny und Abdelkarim. Am 21. November feiert dann das neue Ensemble der Lach & Schieß hier die offizielle Premiere seines ersten, bereits in der Open-Air-Reihe im Innenhof der Seidlvilla angeprobten Programms "Aufgestaut", noch später spielen unter anderem Herbert & Schnipsi, Maxi Schafroth, Max Uthoff, Luise Kinseher.

Letztere waren vor ein paar Tagen auch allesamt bei der Pressekonferenz versammelt, bei der Hofmann die neue Kooperation vorstellte, die mehr als nur eine Notlösung sein soll: "Wir planen, ein paar Jahre hier zu sein." Wovon auch Marc Linsenmeier, als Vorsitzender des Schulvereins sozusagen der Hausherr, beglückt war: "Das ist für uns die Chance, endlich bekannter zu werden und uns als Theater in der Stadt zu etablieren." Ein Glücksfall, der nicht nur Hofmann über die Möglichkeiten einer "Kultur-Genossenschaft" sinnieren ließ, sondern natürlich auch von den Künstlern freudig begrüßt wurde, die auf die existenzbedrohende Lage vieler im Kulturbetrieb hinwiesen und die "Unantastbarkeit" der Mieten geißelten. Für die anderen eine Neuentdeckung, war das Leo 17 für Max Uthoff eine Reise in die Vergangenheit: "Vor 46 Jahren habe ich hier das 'Gespenst von Canterville' gesehen".

Eulenspiegel Flying Circus, ab 3. November, Theater Leo 17, Leopoldstraße 17

© SZ vom 19.10.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite