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Essen & Trinken:Oper geht durch den Magen

Piazza-Flair mit ikonischem Blick: Auch die Stufen unter dem Portikus des Nationaltheaters bieten eine gute Einkehr.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wo man vor und nach den Vorstellungen der Festspiele auf seine kulinarischen Kosten kommt.

Von Sarah Maderer

Stufenbar und Pusser's gibt es dieses Jahr nicht - der Lockdown dauerte zu lang, die Aufhebung war zu kurzfristig. Kulinarisch und gastronomisch wollen die Festspiele dennoch begleitet werden. Wer sich beispielsweise mit einem Aperitif auf den Opernabend einstimmen möchte, kann das auf der Terrasse der Goldenen Bar im Haus der Kunst. Etwas erdiger geht es nebenan am Kioskhäuschen Fräulein Grüneis zu: Hier gibt es "bis kurz nach Dunkelheit" kühle Drinks und deftige Brotzeit auf die Hand. Wem der Weg von der Eisbachwelle zur Oper in feinem Zwirn und parkuntauglichen Absätzen noch zu weit ist, sei zum Anstoßen der Weingarten von Lump, Stein & Küchenmeister im Alten Hof ans Herz gelegt.

Für die mehrstündige Aufführung von "Tristan und Isolde" unter der Leitung von Kirill Petrenko - neben Mozarts "Idomeneo" eine von zwei Festspiel-Premieren - liefert das Kismet in der Löwengrube mit seiner orientalisch-vegetarischen Speisekarte eine sommerlich-leichte Grundlage, während Dolce-Vita-Fans in den kultigen roten Plastikstühlen der am St.-Jakobs-Platz versteckten Pizzeria Grano auf ihre Kosten kommen, samt anschließendem Verdauungsspaziergang zur Oper über Viktualienmarkt und Marienplatz.

"Tristan und Isolde" erweitert seine Tradition im Nationaltheater, wo das Werk 1865 uraufgeführt wurde, in dieser Saison um eine Open Air Live-Übertragung als Oper für alle. Beinahe feierlich-zeremoniell packen Münchens Opernbegeisterte für die beiden Open-Air-Konzerte (neben "Tristan" wird am 17. Juli auf dem Max-Joseph-Platz eine konzertante Version von Verdis "Aida" unter der Leitung des ehemaligen Generalmusikdirektors Zubin Mehta erklingen) ihren Picknickkorb: In der unmittelbaren Nachbarschaft kann man sich bei Dallmayr mit Wein, Käse und Antipasti eindecken, während Manufactum neben handgemachtem Krustenbrot auch außergewöhnliche alkoholfreie Getränke bietet (Tipp: Fentimans Rosenlimonade). Dank hygienebedingter Abstandsregelungen bleibt in diesem Jahr wohl etwas mehr Platz, für die Sitzfleisch-Entlastung während einer Wagner-Oper sollte trotzdem an ausreichend Polsterung gedacht werden.

Selbst wenn es sich angesichts aktueller Hygienebestimmungen nach Aufführungsende zeitlich nicht mehr ausgehen sollte, den Abend in der umliegenden Gastronomie ausklingen zu lassen, bietet das Residenzareal genug Verweilmöglichkeiten für laue Sommernächte: Dank der Stufen um die Residenzmauern und insbesondere der vor dem Nationaltheater muss auch ohne Stufenbar nicht auf das Piazza-Flair mit ikonischem Blick auf den nächtlichen Max-Joseph-Platz verzichtet werden.

Wer es etwas ruhiger mag, kann sich auch fernab dieser Publikumsmagneten ein geeignetes Plätzchen zum Abspannen suchen, zum Beispiel im Hofgarten, auf den Stufen vor dem Kronprinz-Rupprecht-Brunnen mit Blick auf den Marstallplatz, oder vorbei am Brunnen im noch abgelegeneren Kabinettsgarten, wo der berühmte Tristan-Akkord ganz wunderbar nebst plätscherndem Wasser gedanklich verklingen kann.

© SZ vom 24.06.2021
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