Eschensterben Bäume im tödlichen Stress

Hiobsbotschaft für Förster und Waldbesitzer: Eine bislang unbekannte Pilzart hat den Eschenbestand im Umland befallen - vor allem für die Isarauen ist der nun bedrohte Baumbestand wichtig.

Von Armin Greune

Nach einer Reihe neuartigen Baumkrankheiten gibt es schon wieder eine Hiobsbotschaft für Förster und Waldbesitzer. Eine bislang unbekannte Schlauchpilzart namens Chalara fraxinea lässt die Triebe der Eschen absterben und bedroht so flächendeckend die jungen Bestände dieser Baumart in Bayern. "Es sieht gar nicht gut aus, zumal auch ältere Bestände zunehmend betroffen sind", sagt Wilhelm Seerieder. Er ist Leiter des Forstbetriebs München, der den Staatswald südlich der Landeshauptstadt vom Landkreis Fürstenfeldbruck bis in den Landkreis Ebersberg betreut und bewirtschaftet.

Seerieders Mitarbeiter haben jüngst Proben von zwei offensichtlich erkrankten Eschen zur Diagnose eingeschickt: Sie stammten aus dem Würmtal und dem Isartal bei Geretsried. In beiden Fällen konnte der aggressive Erreger des Eschentriebsterbens nachgewiesen werden.

Auch im nördlichen Münchner Umland setzt der erstmals 2008 beobachtete Schlauchpilz den Eschen zu: Im Landkreis Freising bangen Förster um 800 Hektar Isarauwald. Die Bayerische Mykologische Gesellschaft (BMG) berichtet, das Eschensterben habe ein dramatisches Ausmaß erreicht: "Bei Jungpflanzen ist je nach Standort ein Totalverlust zu verzeichnen.

Ältere Eschen sind bis zu 90 Prozent ihrer Laubtriebe beraubt, auch hier muss mit dem Absterben gerechnet werden", sagt Peter Karasch, Beauftragter der BMG für die Kartierung der Pilze Bayerns.

Die Krankheit der Eschen fürchten die Forstwissenschaftler in der Region mehr aus ökologischen als ökonomischen Gründen in Schrecken. Der Anteil der Eschen an der gesamten Waldfläche ist gering, die wirtschaftliche Bedeutung des früher etwa für Werkzeugstiele sehr begehrten Holzes geht zurück. "Aber für uns ist sie eine ganz wichtige Baumart in Schluchtwäldern", sagt Seerieder.

Eschen wurzeln vor allem auf von Wasser durchzogenen Böden wie etwa an den Jungmoränenhängen entlang der Isar und Würm oder an den Ufern der Voralpenseen. In sogenannten Hartholzauen sind sie oft noch vor Eichen, Ahornen, Erlen und Ulmen die häufigste Baumart und nehmen mit ihren bis zur 40 Meter hohen Kronen buchstäblich eine überragende Rolle ein. In Auwäldern verbreiten sie sich meist problemlos von selbst: "Gepflanzt werden Eschen nur selten", sagt Seerieder. Doch auf feuchten Böden werden häufig Mischbestände mit ihnen angelegt. "Bei der Pflanzung werden wir uns mit Esche jetzt eher zurückhalten", sagt Seerieder.

Doch Alternativen seien rar: Ulmen werden seit Jahrzehnten vom Ulmensterben dezimiert, Roterlen fallen einer von Phytophtora-Erregern verursachten Wurzelfäule zum Opfer, eine weitere Phytophthora-Art bedroht nun auch Eichen und Buchen: "Das Baumarten-Spektrum wird immer enger", sorgt sich Seerieder. Einzige Hoffnung für die Esche sei bislang, dass einzelne Exemplare den Befall überleben, aus denen sich resistente Exemplare züchten lassen.