Erster griechischer Lieferservice Souvlaki frei Haus

Griechische Küche ist gesund und kalorienarm - das findet zumindest Ioannis Zafeiris. Er hat den ersten griechischen Lieferservice in München eröffnet und sich damit schon viele Freunde in der Stadt gemacht.

Interview: Astrid Becker

Seine Heimat ist ein kleines Tal in der Nähe der Stadt Trikala im griechische Thessalien: Doch nach nur einem Jahr in München scheint es fast so, als habe Ioannis Zafeiris die Stadt bereits ganz besonders ins Herz geschlossen. Vor genau einem Monat hat der 36-Jährige in der Rosenheimer Straße den ersten griechischen Lieferservice der Stadt, das Souvlaki-Haus eröffnet und sich damit schon viele Freunde in München gemacht.

"Griechische Küche ist gesund und kalorienarm", findet zumindest Ioannis Zafeiris. Jetzt hofft er, dass sein Souvlaki auch häufig bestellt wird.

(Foto: Stephan Rumpf)

SZ: Herr Zafeiris, warum haben Sie denn ausgerechnet in München einen griechischen Lieferservice aufgezogen?

Ioannis Zafeiris: Mein bester Freund wohnt hier in dieser Stadt und betreibt ein griechisches Lokal. Ich habe ihn mehrere Male besucht und mir hat München sehr gut gefallen. Hier kann man sich wohlfühlen, auch wenn die Stadt teuer ist - die Menschen haben hier Arbeit, und sie mögen die Griechen. Aber weil sie so viel arbeiten, haben sie auch wenig Zeit selbst zu kochen. Und deshalb habe ich mir gedacht, probiere ich es einfach mal aus, ob hier ein griechischer Liefer- und Partyservice funktionieren kann.

Und: Funktioniert es?

Bis jetzt schon, ich bin zufrieden. Rein theoretisch kann man sich bei uns ja auch die Speisen selbst abholen, aber die meisten wollen ihr Essen lieber geliefert haben. Wobei ich glaube, dass das Geschäft erst von September an so richtig anlaufen wird, denn jetzt ist Urlaubszeit.

Kommen Sie denn aus der Gastronomie?

Früher habe ich in Athen als Makler für Versicherungen und Immobilien gearbeitet. Aber wissen Sie: Die wirtschaftliche Krise in Griechenland hat bereits vor zehn Jahren begonnen, die Geschäfte liefen immer schlechter. Da bin ich in die Gastronomie gegangen und vor sieben Jahren dann ins Ausland: zuerst für drei Jahre nach Amerika, wo ich auch in Restaurants gearbeitet habe. Fasziniert hat mich die hohe Qualität, die dort geboten wird - und dort habe ich auch bereits griechische Lieferservice gesehen. Aber ich war einer von 30 Millionen Immigranten - und hatte wie sie alle seit dem 11. September 2001 enorme Probleme, die Green Card zu bekommen. Seit damals haben die Amerikaner die Gesetze für Immigranten verschärft. Ich habe also, wenn Sie so wollen, illegal in Amerika gearbeitet, und musste auch immer wieder, wenn mein Visum abgelaufen war, ausreisen.

Wie ging es dann weiter?

Irgendwann wurde mir das zu schwierig, zu blöd, und ich habe beschlossen, wieder nach Europa zu gehen. Denn hier ist es nun mal nicht illegal, in einem anderen Land zu arbeiten. Ich bin dann nach Holland, wo auch die Idee mit dem griechischen Lieferservice endgültig entstanden ist. Aber Holland hat keinen Markt dafür, dieses Land hat nicht so viele große Städte wie Deutschland. Die Holländer selbst sind auch nicht so große Fleischfreunde wie die Deutschen. Und vielleicht ist auch die Freundschaft zwischen den Deutschen und den Griechen tiefer.

Beruht diese Freundschaft denn wirklich so sehr auf Gegenseitigkeit?

Die Deutschen sind jedenfalls lieber zu uns nach Griechenland gereist als die Holländer. Vor allem die Münchner. Und dort haben sie schöne Zeiten verbracht, an die sie sich gern hier in dieser Stadt in unseren Lokalen erinnern. Und glauben Sie mir: Auch in meiner Heimat gibt es keinen Groll auf die Deutschen, er ist auch auf Angela Merkel nicht so groß, wie gern geschrieben wird. Sie trifft die Entscheidungen doch gar nicht allein - das ist zumindest meine Meinung. Aber natürlich brauchen wir ein starkes Deutschland, ganz Europa braucht das. Und das Problem in Spanien ist weitaus größer als bei uns, Griechenland ist ja viel kleiner und unbedeutender als Spanien. Wenn Deutschland zusammenbricht, dann kollabiert Europa. Aber Deutschland ist stark, und München erst recht. Für mich ist diese Stadt das Silicon Valley Europas.

Und deshalb sind Sie hier?

Na ja, vielleicht auch. Aber in erster Linie bin ich hier, weil die Stadt schön ist, weil das Klima passt und weil ich die Mentalität der Menschen schätze. Die Leute hier haben einen hohen Anspruch an Qualität, und den habe ich auch. Deshalb werden bei mir auch alle Speisen frisch zubereitet, es kommt nur beste Ware aus Bayern, wie zum Beispiel das Fleisch, das nur von besten bayerischen Schweinen stammt, und aus Griechenland auf den Tisch- wie zum Beispiel die besten Kalamata-Oliven. Das wissen die Kunden zu schätzen. Außerdem ist die griechische Küche gesund und kalorienarm. Auch das liegt im Trend.

Warum haben Sie Ihren Betrieb nicht Gyros-Haus genannt?

Gyros wird gern mit Döner verwechselt, auch wenn es aus Schweinefleisch gemacht wird. Und Souvlaki ist die weitaus typischere griechische Spezialität. Wir vermarkten unsere Küche nur zu wenig. Deshalb glauben die Leute auch, dass es bei uns nur Retsina gibt. Für mich ist das kein Wein, ich mag ihn nicht. Wir haben so tolle Weine, Xinomavro, ein Rotwein, und der Weißwein Malagouzia sind wahre Delikatessen. Nur, das weiß bis jetzt auch niemand hier. Vielleicht kann ich das ja ändern. Und wenn dann alles gut läuft, werde ich genau auf der anderen Seite der Stadt noch einen Lieferservice eröffnen.