Erotik-Shop im Tal:Ein Produkt für jede Zielgruppe

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Hinter dem roten Samtvorhang, durch den man das Geschäft in der schmalen Passage betritt. Da läuft dudelig harmlose Musik. Und auf Regalen sind die Produkte der Branche drapiert. Am hinteren Ende des Raumes ist eine Tür, die zu den beiden Kinosälen führt. Für 9,50 Euro Eintritt kann man den ganzen Tag Pornos anschauen. An diesem Aprilvormittag sitzt ein älterer Mann in einem der Kinos, "Stammkunde", ein Mann Mitte 40 gesellt sich dazu, ein Mann im Rentenalter steht vor dem DVD-Regal.

Aus dem Freundeskreis fragte bald keiner mehr, wie Binder denn so etwas nur machen könne, da hieß die Frage eher: Kann ich nach Ladenschluss mal vorbeikommen? Die ersten 15 Jahre kamen nur Männer, heute ist die Verteilung der Kunden "ein Viertel Paare, ein Viertel Frauen und die Hälfte Männer". Am häufigsten kommen Männer, die Vibratoren für ihre Frauen kaufen. Binder packt eine Packung aus, "ich hatte hundert verschiedene", die Regale sind zum Teil jetzt schon leer.

Der "Womanizer" sei das Top-Produkt, für 90 Euro, die Version mit Strasssteinchen für 230 Euro. Binder sagt: "Das ist der Wahnsinn." Dann schaut sie hoch an die Decke. Der Wahnsinn stimuliert die Klitoris mit Luftdruck. Das sei heute etwas ganz anderes als am Anfang, als es nur weiße Vibratoren aus Plastik gab. "Das ist mittlerweile ein fantastisches Material, flexibel, dehnfähig." Die Sexspielzeuge hätten sich unglaublich weiterentwickelt, heute müsse auch niemand mehr eine Batterie wechseln, alles geht mit USB.

Und es gibt heute einen Vibrator für jede Gelegenheit. Ovo S1 zum Beispiel, ein Gerät zum Auflegen und nicht zum Einführen, für 45 Euro, nur so groß wie eine kleine Computermaus und schön anzusehen in schwarz und metallic. "Den wollen die Kundinnen, weil er in die Handtasche passt." Frauen hätten heute mehrere Modelle. "Und ich sage: Jedes Spielzeug ist gut für eine Beziehung." Viele Paare würden nach 30 Jahren Partnerschaft einfach gerne mal zusammen spielen, etwas ausprobieren.

Auf der Packung des Handtaschenvibrators steht "Lifestyle Toys", auf der des neuen Womanizers "Your New Comer". Die Branche ist heute ein fester Bestandteil der Gesellschaft, aber schlechte Witze gibt es noch immer, und nicht nur in Filmtiteln hier im Geschäft, wobei Binder von manchen Filmen geradezu schwärmt: "wunderbar, hochwertig, sehr schöne und ästhetische Darsteller und gute Storys". Darunter versteht Binder, dass es in so einem Zweistundenfilm nicht nach zwei Minuten gleich zur Sache geht. "Erst einmal etwas Schmusi-Time und Angrabschen, es muss immer noch eine Art Spannung entstehen." 15 Minuten bis zur ersten Aktion dürfen da schon vergehen.

Der Sexfilm von früher sei ohnehin ein ganz anderer als der von heute. "Mittlerweile sind sehr viele Protagonisten dabei, nicht mehr nur ein Pärchen wie damals." Sie hat alles, zeigt im Kino auch einmal pro Woche einen lesbischen Film, einmal einen Gay-Film, "die Leute wollen etwas Ausgefallenes". Nur japanische Pornos führt sie nicht, "die sind so brutal, da sind oft Schläge zu sehen, ich fürchte, oft auch echte, das geht nicht."

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