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Erneuerbare Energien:Norwegischer Wind für München

Die Stadtwerke München treiben ihre Energiewende voran - mit diesen Windrändern, die in Norwegen stehen.

(Foto: Stadtwerke München)

Um mehr Ökostrom zu produzieren, kaufen die Stadtwerke einen 70-Prozent-Anteil an Windparks bei Trondheim

Die Stadtwerke München (SWM) schlagen auf dem Energiemarkt weiter im großen Stil zu. Auf der jüngsten Einkaufstour haben sie sich 70 Prozent Eigentum an 80 Windrädern in Norwegen gesichert. Einige von diesen stehen schon, die meisten sollen bis zum Jahr 2021 errichtet werden. Diese werden dann insgesamt eine Leistung von 450 Megawatt erzielen. Mit ihrem Anteil daran würden die SWM mehr als 70 Prozent des gesamten Münchner Strombedarfs aus erneuerbaren Energien produzieren. "Wir machen in unserer Ausbau-Offensive einen großen, sehr erfreulichen Schritt", sagt SWM-Chef Florian Bieberbach.

Über den Preis spricht man nicht, doch ist von einer Investition von mehr als 300 Millionen Euro auszugehen. Als Partner in Norwegen fungiert das ebenfalls kommunale Unternehmen TronderEnergi. Mit diesem zusammen gründen die Stadtwerke zwei Firmen: eine Holding, der die 80 Windräder gehören sollen. Und eine Betriebsgesellschaft, die die Parks betreut und den Strom vermarktet. Diese befinden sich im Großraum der Stadt Trondheim, alle nötigen Baugenehmigungen liegen laut SWM bereits vor. Die Region sei ideal für eine solch hohe Investition, findet Stadtwerke-Geschäftsführer Bieberbach. Der Grund in der kargen, nahezu menschenleeren Landschaft sei günstiger als in Deutschland und der Wind in den Bergen nahe der Atlantikküste besser.

Insgesamt könnte das Projekt etwa 450 Millionen Euro kosten. In der Branche gilt die Faustregel, dass ein Megawatt Strom in diesem Bereich Norwegens etwa eine Million Euro kostet. Die 70 Prozent der Stadtwerke würden demnach 315 Millionen Euro ausmachen. Erst im Dezember hatten die Stadtwerke ihr Engagement in Raskfitet im Landesinneren bekannt gegeben, wo sie sich in einen Windpark mit 31 Turbinen und 112 Megawatt Leistung eingekauft haben. Dazu sind die SWM auch an Windrädern in Schweden und Finnland beteiligt. Skandinavien sei nicht nur wegen des günstigen Windes attraktiv, sagt Bieberbach, sondern auch wegen der hohen Rechtssicherheit.

Seit einigen Jahren schon konzentrieren sich die Stadtwerke auf Windparks, die sie selbst mit Partnern entwickeln, errichten und anschließend auch betreiben. "Da haben wir die Strategie geändert", sagt Bieberbach. So könnten sich die SWM von reinen Investoren abheben, die sich lediglich einkaufen und Gewinn abschöpfen wollen. Derzeit böten etwa gerade bei Windparks im Meer viele Fonds mit, die mit ihren Preisen den Markt überhitzten.

Besonders gerne kooperieren die Stadtwerke mit kommunalen Partnern in Skandinavien. Dass diese sich auch gerne von den SWM als Investor das nötige Geld holten, um ihre Projekte verwirklichen zu können, sei das Ergebnis einer jahrelangen Aufbauarbeit, sagt der zuständige SWM-Manager Christian Vogt. "Der erste Einstieg war der schwierigste." Nun könnten die Stadtwerke auf ihre Erfahrung in Nordeuropa verweisen und hätten wegen bereits nachgewiesener Zuverlässigkeit gute Karten im Wettstreit mit anderen Investoren. Es könne leicht passieren, dass dort noch das eine oder andere Windkraftprojekt dazukommt. "Wir sind im Gespräch", sagt Bieberbach. Bis zum Jahr 2025 wollen die Stadtwerke so viel Ökostrom erzeugen, wie ganz München benötigt.

Mit den Windparks in Skandinavien können die Stadtwerke zudem ein neues Geschäftsmodell etablieren. Anders als in Deutschland ist es dort erlaubt, den Ökostrom direkt an Großkunden zu verkaufen. "Wir sehen, dass dieses Modell auch hier zunehmend auf Interesse stößt", sagte Bieberbach.