Ernährung:Wichtig ist eine Beteiligung durch alle gesellschaftlichen Gruppierungen

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Tatsächlich ist das Interesse groß daran, die Grundlagen der Ernährung in der Stadt zu überdenken. Das wurde schon bei verschiedenen Auftaktveranstaltungen und Workshops zum Münchner Ernährungsrat deutlich. Fragen der Nachhaltigkeit und der alternativen Landwirtschaft rechnet man normalerweise eher den Grünen zu. Es zeigte sich aber: Das Spektrum der gesellschaftlichen Gruppen, die sich für einen Ernährungsrat interessieren, reicht weit über die üblichen Verdächtigen der Öko-Gemeinde hinaus. Der harte Kern, der auf den Ernährungsrat hingearbeitet hat, besteht aus gut 20 Gruppierungen, interessiert sind aber weitaus mehr.

Die Münchner Slowfood-Ortsgruppe ist ebenso vertreten wie das "Kartoffelkombinat", ein Verein, der in Eigenregie Gemüse anbaut und heute bereits 1600 Haushalte versorgt. Die "Genussgemeinschaft Städter und Bauern", ist dabei, der Biobauern-Verband Naturland, und auch die Schauspielerin Uschi Glas kam zu einem Treffen. Glas hat den Verein "brotZeit" ins Leben gerufen, der Schulkinder aus Problemfamilien mit einem Frühstück in der Schule versorgt. Die Schauspielerin sagt auch: "Wenn jeder nur auf die Stadt wartet, passiert ja nix!"

Der Erfolg des künftigen Ernährungsrats wird ganz entscheidend davon abhängen, wie groß sein Einfluss auf die Kommunalpolitik sein kann. Die Stadtverwaltung hat bereits ihre Mitarbeit im Gremium zugesagt. Stephanie Jacobs, Referentin für Gesundheit und Umwelt, hat die Initiative "grundsätzlich begrüßt": "Gerade bei eineinem so persönlichen Thema wie Ernährung ist es wichtig, dass wir Leute haben, die ihr Wissen in die Stadtgesellschaft miteinbringen und anderen die Bedeutung eines gesunden Ernährungsstils bewusst machen." Wie der Ernährungsrat in der Praxis mitwirken könne, das müsse aber "noch diskutiert und besprochen werden".

Bislang haben die Parteien im Rathaus das Thema nicht groß beachtet - wohl deshalb, weil es dort noch immer als grünes Thema gilt. Die Grünen-Fraktion hat in Gestalt von Stadträtin Katrin Habenschaden auch als erste beantragt, einen Ernährungsrat städtisch zu unterstützen. "Es kommt ja immer darauf an", sagt sie, "wie so ein Rat ausgestattet ist und wie er von der Politik unterstützt wird." Wichtig sei eine Beteiligung quer durch alle gesellschaftlichen Gruppierungen: "Es geht auch nicht ohne Verwaltung, Politik und Produzenten." Trotzdem müsse der Rat eigenständig bleiben, er dürfe nicht von Interessengruppen vereinnahmt werden.

Das sehen die wichtigsten Protagonisten ähnlich. Deshalb, heißt es, habe die Vorarbeit auch sehr viel Zeit gekostet - immerhin werkelt man schon seit eineinhalb Jahren auf die Gründung hin. Am 18. Juni, 17 Uhr, ist es nun soweit. Dann trifft man sich in der Niederlassung der gemeinnützigen GLS-Bank in der Bruderstraße 5 a (Interessierte sind willkommen, müssen sich aber unter ernaehrungswende@institut-fuer-welternaehrung.org anmelden).

Um die rechtlichen Fragen hat sich Jürgen Müller vom Kartoffelkombinat gekümmert. Der Mann hat einen schön trockenen Humor: "Ich will's mal nicht als schlechtes Omen werten, dass ich im Hauptberuf Insolvenzverwalter bin." Dann gibt es da auch noch Agnes Streber. Sie ist nicht nur studierte Ökotrophologin, sondern auch Familientherapeutin, was vielleicht bei der Gruppendynamik im Verein hilft. Und falls alle Stricke reißen: Die Frau hat auch noch eine Zusatzausbildung im "therapeutischen Zaubern". Wer weiß, wie man's in einem Ernährungsrat brauchen kann.

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