Ermittlungen Unbekannter bedroht Kindergartenkinder

  • Elf Kitas im Landkreis München haben Briefe erhalten, deren Absender das Auslegen von Giftködern und schlimme Gewalttaten gegen Kinder ankündigt.
  • Die Polizei glaubt zwar, dass die Drohungen nicht ernst zu nehmen seien, sucht aber mit Hochdruck nach dem Unbekannten.
Von Martin Bernstein

Ein Neonazi versetzt derzeit Eltern im Landkreis München in Angst und Schrecken. In Drohbriefen an mehrere Kindergärten im Raum Unterhaching, Taufkirchen und Höhenkirchen lässt der Unbekannte seinen Vernichtungsfantasien gegen Juden und Muslime freien Lauf. In den mit einem Hakenkreuz gekennzeichneten Briefen werden Kindern schlimme Gewalttaten angedroht. Die Münchner Polizei ermittelt mit Hochdruck. Die Drohungen seien "nach derzeitiger Einschätzung nicht ernst zu nehmen", teilte das Präsidium am Montagnachmittag mit. "Dennoch wurde bereits mit den einzelnen betroffenen Institutionen Kontakt aufgenommen und entsprechende Überwachungsmaßnahmen umgesetzt."

Inzwischen sollen schon mehr als ein Dutzend Kindertagesstätten derartige Briefe erhalten haben, deren Verfasser gegen "biologischen Müll" und "Dreck aus dem Nahen Osten" geifert. Er werde Giftköder auslegen, kündigt der antisemitische und rassistische Täter an. Auch von brutaler physischer Gewalt gegen Kinder soll die Rede sein. Die Ermittler sind sich sicher, dass der Absender Deutsch als Muttersprache hat. Und dass die Drohbriefe gegen die Kindergärten nicht die ersten Hetzschriften des Täters sind. Denn bereits seit Anfang Juli haben Behörden und Institutionen in der Stadt München und im Landkreis ähnlich lautende Briefe bekommen. Auch religiöse Einrichtungen und Gemeindeverwaltungen sollen unter den Empfängern sein, außerdem eine Zeitungsredaktion.

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"Aufgrund des Duktus kann davon ausgegangen werden, dass es sich jeweils um denselben Urheber handelt", sagt ein Polizeisprecher. Es könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Pamphlete im Umlauf seien. Die Staatsschützer vom Kommissariat 44 haben die Ermittlungen gegen den noch anonymen Verfasser aufgenommen. Die Briefe werden, wie in solchen Fällen üblich, auf DNA-Spuren und Fingerabdrücke untersucht. Damit könnte der Täter zu identifizieren sein. Er wird sich wegen Volksverhetzung, Bedrohung und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verantworten müssen. Drei bis fünf Jahre Haft sieht das Strafgesetzbuch dafür vor. Am Montag fuhr die Polizei verstärkt Streife, Beamte sprachen mit Erzieherinnen und Eltern.

Auch wenn die Polizei betont, dass es keine Anhaltspunkte für eine tatsächliche Gefährdungslage gibt: Den Kindergarteneltern aus Unterhaching und Taufkirchen wird vor allem wichtig sein, dass die Neonazi-Hetze schnellstmöglich gestoppt wird. Zumal sie kein Einzelfall ist. Einen vergleichbaren Vorfall gab es Mitte Juni bereits in München. In der Nacht zum 15. Juni hatten Unbekannte im Garten einer Kindertagesstätte im Münchner Süden Hakenkreuze und verbotene Sigrunen auf ein Plastikhüpftier gesprüht. Darüber hinaus wurde ein Seil der im Garten angebrachten Schaukel abgeschnitten. Einen Zusammenhang dieser Tat mit den aktuellen Drohbriefen, der näheren Aufschluss über den oder die Täter geben könnte, sehen die Ermittler derzeit jedoch nicht.

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