Ermittlungen im Mordfall Moshammer:Die Spur verliert sich am Hauptbahnhof

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Der bekannte Münchner Modemacher ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Die Leiche Moshammers wurde am Freitagmorgen in seinem Anwesen in Grünwald entdeckt. Eine 20-köpfige Sonderkommission soll den Fall aufklären.

Nach dem gewaltsamen Tod des Münchner Modemachers Rudolph Moshammer hat es bis zum Freitagnachmittag noch keine heiße Spur zu dem Täter gegeben. Die Polizei betonte auf einer Pressekonferenz in München, man stehe "völlig am Anfang der Ermittlungen". Die Spurensicherung laufe noch.

Ermittlungen im Mordfall Moshammer: Absperrung vor der Boutique Moshammers in der Münchner Maximilianstraße.

Absperrung vor der Boutique Moshammers in der Münchner Maximilianstraße.

(Foto: Foto: dpa)

Außerdem vernehme man Bekannte und Freunde des Toten. Es wurde eine Sonderkommission Moshammer gebildet, der 20 Kriminalbeamte angehören.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft deutet "alles auf einen Mord hin". Die Möglichkeit eines Selbstmordes könne ausgeschlossen werden. Den Angaben zufolge wurde in der Nacht zum Freitag Gewalt "gegen den Hals" von Moshammer ausgeübt. Das Ergebnis der Obduktion liege jedoch noch nicht vor.

Moshammer war nach Polizeiangaben zuletzt am Donnerstagabend gegen 22 Uhr gesehen worden, als er allein mit seinem schwarzen Rolls Royce in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofes unterwegs war.

Seine Leiche war im Flur des ersten Stocks seines Hauses gefunden worden, bekleidet mit Sakko, Hemd und Hose, um den Hals ein Telefonkabel, wie Ermittlungsleiter Harald Pickert sagte. Kampfspuren gebe es nicht.

Auch das Motiv für die Gewalttat war den Angaben zufolge zunächst unklar. So gebe es keine Erkenntnisse, dass "Vermögenswerte" des Modemachers fehlten.

Moshammer sei am Freitagmorgen um neun Uhr tot in seiner Villa im vornehmen Münchner Vorort Grünwald aufgefunden worden. Sein Fahrer, der Moshammer abholen wollte, habe die Leiche entdeckt, sagte Polizeisprecher Andreas Ruch zu sueddeutsche.de.

Moshammers Arzt habe ihm am Freitagmorgen eine Vitaminspritze geben wollen. Als er die Villa betrat, sei ihm Moshammers langjähriger Chauffeur bereits entgegen gekommen mit den Worten: "Ich glaube, er ist tot."

Bei dem Kabel handelte es sich um ein schwarzes Telefonkabel, das aus der Buchse herausgerissen worden sei. Moshammer habe einen schwarzen Anzug angehabt und sei auf dem Rücken vor der geöffneten Schlafzimmertür im ersten Stock der Villa gelegen.

Nach Ansicht des Arztes habe der Tod bereits mehrere Stunden zurück gelegen. Daisy, der Hund des Modeschöpfers, sei im Haus gewesen. Der Arzt habe die Hundedame ins Schlafzimmer gesperrt, weil sie so aufgeregt war. Inzwischen hat sich der Chauffeur bereit erklärt, Daisy für einige Wochen zu sich nehmen.

Noch am vergangenen Samstagabend hatte Moshammer in einem vornehmen Schwabinger Restaurant mit Sänger Roberto Blanco und dessen Ehefrau Mireille öffentlich deren Versöhnung gefeiert.

Der Fall erinnert an den Mord an dem Schauspieler Walter Sedlmayr, der am 14. Juli 1990 in seiner Wohnung von zwei Brüdern, die Vertraute von Sedlmayr waren, umgebracht worden war.

High Society-Figur ohne Alter

Moshammer wurde nach eigenen Angaben am 27. September 1945 in München geboren. Über sein tatsächliches Alter wurde jedoch immer wieder spekuliert. Inoffiziellen Angaben zufolge war Moshammer 64 Jahre alt.

In den sechziger Jahren begann er, extravagante Mode für die Münchner Schickeria zu entwerfen. Seine Boutique "Carneval de Venise" in der noblen Maximiliansstraße mit Herrenmode der Luxusklasse aus Pelzen, Kaschmir oder Seide entwickelte sich im Lauf der Jahre zu einer der ersten Adressen in der deutschen High Society.

Moshammer, der stets mit seinem Hündchen Daisy auftrat, kleidete Hollywoodgrößen wie Arnold Schwarzenegger, Adlige wie König Carl Gustaf von Schweden und viele weitere internationale Berühmtheiten wie den Tenor José Carreras ein.

Der Millionär setzte sich auch stark für soziale Belange ein. Vor allem für Obdachlose gab er großzügige Spenden und kümmerte sich um bessere Lebensverhältnisse. Beim deutschen Vorentscheid zum Schlager-Grand-Prix 2001 erregte er mit einem Gesangsauftritt Aufsehen.

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