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Erlebnis-Baustelle:Gut geschmiert

Die Bauma bringt mit PS-Giganten Männeraugen zum Leuchten - und mit einer Maschine, die per Fernsteuerung die Brotzeit richtet

München ist halt nicht Las Vegas! Ein findiger US-Unternehmer hat dort längst eine Spielhölle der besonderen Art eingerichtet: eine riesige Pseudo-Baustelle, auf der sich Fans von Baumaschinen als Baggerführer oder Planierraupenfahrer austoben können. Hier aber, auf der Bauma in München, müssen sie sich mit andächtigem Staunen begnügen, wo es doch so viel zum Ausprobieren gäbe. Immerhin: In der Schaufel des PC 7000, einem zwei mal 1700 PS starken Großhydraulikbagger, den die Firma Komatsu speziell für den Tagebau entwickelt hat, gibt es Erinnerungsfotos unter dem Motto "Mensch und Maschine". Um ehrlich zu sein: Mann und Maschine, denn die wenigen Frauen, die sich da auf der weltgrößten Fachmesse für Baumaschinen umsehen, sind offenbar nicht besonders erpicht auf ein solches Porträt fürs Familienalbum.

Das männliche Dokumentationsbedürfnis ist angesichts solcher Giganten offensichtlich umso ausgeprägter. Die Besucher stehen Schlange, um in der Baggerschaufel, die 65 Tonnen heben kann, posieren zu können. Dieses Maschinenmonster, das selbst fast 700 Tonnen wiegt, konnte nicht einfach so über die Autobahn vom Produktionsstandort Düsseldorf nach München düsen. Es musste für den Transport in Einzelteile zerlegt und hier wieder zusammengebaut werden. Deutschland ist zu klein für den Bagger, der gerade mal acht Millionen Euro kostet, er ist hier nur Ausstellungsstück. Das größte und dazu ein besonders attraktives, so wie all die anderen Dumper, Radlader und Raupen, welche die gewohnten Dimensionen sprengen.

Die Unternehmen, die auf der Bauma vertreten sind, haben sich schwer ins Zeug gelegt, um ihren Maschinenpark zu präsentieren. Eine Männergruppe aus Berlin, alle "vom Fach", wie sie sagen, lässt sich gerade vor dem T 264 ablichten. Das ist ein 2700-PS-Muldenkipper von Liebherr, mit Reifen sind so hoch wie ein Reisebus und so breit wie ein Kleinwagen. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 64 km/h angegeben, das heißt man könnte mit dem Gefährt theoretisch sogar auf die Autobahn. "So was sieht man sonst nicht!", staunt einer der Berliner, die auf der Bauma ihre Überstunden abfeiern. Für viele Besucher ist die Messe eine Fortbildung mit Erlebnisfaktor. Sie lassen sich im Aufzug auf die ABP 320 HRT fahren, eine 42 Meter hohe Asphaltmischanlage der Firma Ammann. Da oben bestaunen sie aber nicht etwa andächtig das Gewusel unten auf der Messe, nein, sie stellen sachkundige Fragen über Asphalt-, Kies- und Bitumenmischungen. Die Kletterwand, die an einer Seite der Anlage installiert ist, animiert eher die Laien.

Doch nicht nur mit Größe und Stärke lässt es sich punkten: Caterpillar stellt den Prototypen seines neue Cat 340 vor, einen Abbruchbagger, der Gebäude von oben nach unten demontiert, wenn nicht gesprengt werden kann. Auf der Bauma ist, wie ein Mitarbeiter sagt, die "Erlkönigversion" zu sehen. Der Gabelstaplerspezialist Jungheinrich hat den Europameister im Eissägen engagiert, und der sägt in Rekordzeit aus einem Eisblock einen formvollendeten Gabelstapler.

Hoch die Kräne: das Messegelände als Erlebnis-Baustelle.

(Foto: Claus Schunk)

Ein schwedisches Unternehmen demonstriert seine einzigartige Hydrauliktechnologie, indem es die großen Arme und Greifer Butterbrote schmieren, Wurst schneiden und Bier einschenken lässt. Wahrscheinlich wäre die Maschine kein schlechtes Argument für Frauen, die sich eine größere Küche wünschen. Eine Nachteil hat diese ferngesteuerte Brotzeit - ihre Zubereitung dauert ziemlich lange. Doch auch da ist die Bauma präpariert: Überall gibt es Biergärten, Kioske, Imbissstände. Alles was mit Bauen zu tun hat, macht offenbar besonders hungrig und durstig.