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Erinnerung an Olympia-Attentat:"Games must go on: An diesen Satz wird sich die Welt in ewiger Schande erinnern"

"Einschnitt" heißt die neue Gedenkstätte für die Opfer des Olympia-Attentats. Ein Einschnitt war auch das Attentat selbst - nicht nur für die Spiele selbst, sondern in der gesamten Geschichte.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Israels Staatspräsident Reuven Rivlin und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier haben im Beisein von Hinterbliebenen ein Denkmal für die Opfer des Olympia-Attentats von 1972 in München eröffnet.
  • Eine palästinensische Terrororganisation hatte im Olympischen Dorf Sportler als Geiseln genommen. Elf israelische Sportler und ein Polizist wurden dabei getötet.
  • "Einschnitt" heißt der nun eröffnete Erinnerungsort. Er hat 2,35 Millionen Euro gekostet und wurde unter anderem vom Freistaat, dem Bund, der Stadt München und dem Internationalen Olympischen Komitee finanziert.

45 Jahre nach dem Attentat bei den Olympischen Spielen von 1972 haben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Israels Staatspräsident Reuven Rivlin das Denkmal für die Opfer eingeweiht. Als längst überfällig bezeichnete Rivlin die Errichtung des Gedenkortes. "Fast ein halbes Jahrhundert haben die Familien der Opfer und der Staat Israel auf diesen Moment gewartet". Einige der Überlebenden des Angriffs seien mittlerweile gestorben.

Beim Olympia-Attentat hatte die palästinensische Terrororganisation "Schwarzer September" 1972 im Olympischen Dorf in München Sportler als Geiseln genommen, um Gefangene in Israel freizupressen. In einem Appartement und bei einer anschließenden Befreiungsaktion auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck starben elf israelische Sportler und ein Polizist. Auch fünf Terroristen kamen ums Leben.

Rivlin nannte die Erinnerungsstätte ein Mahnmal für die ganze Welt. Bis heute gebe es Leute, die in diesem Massaker von München einen heroischen Akt sehen. Das dürfe nicht sein. "Wir dürfen dem Terror gegenüber nicht nachgeben. Terror muss angeprangert werden, an jedem Ort und unter jeder Bedingung", erklärte Rivlin. Darauf ging auch Steinmeier in seiner Rede ein: "Wir sind entschlossen, Demokratie und Offenheit unserer Gesellschaft, unsere Lebensart zu verteidigen." Außerdem bekannte der Bundespräsident: "Das hätte niemals passieren dürfen - an dieser Katastrophe tragen auch wir bis heute schwer."

Die Dimension der Tat wurde damals nicht auf Anhieb erkannt, die Olympischen Spiele wurden nach einem Trauertag fortgesetzt. "Games must go on: An diesen Satz wird sich die Welt in ewiger Schande erinnern", kommentiert der israelische Staatspräsident die Entscheidung. Bis heute werde ein Herzenswunsch der Angehörigen von sportlicher Seite nicht erfüllt: Sie warteten darauf, dass zu Beginn der Olympischen Spiele eine Schweigeminute stattfinden wird. Schon 2012, zum 40. Jahrestag des Attentats, war heftig darüber debattiert worden.

Auch Ankie Spitzer, Witwe des ermordeten Fechtmeisters André Spitzer und Sprecherin der Hinterbliebenen, kritisierte in der Feierstunde, dass von deutscher Seite "jahrzehntelang" der Wunsch nach einer würdigen Gedenkstätte überhört worden sei: "Wenn man die Geschichte vergisst, ist man dazu verdammt, sie zu wiederholen." Ein Punkt, den auch Ilana Romano, Witwe des Ermordeten Gewichthebers Yossef Romano, erwähnte: "Wir stießen auf Antisemitismus und Mangel an minimaler Sensibilität." Nach diesem tiefen Schmerz empfänden die Angehörigen heute Befriedigung und Dankbarkeit über ein Gedenken "an solch würdigem Ort", sagt Romano. "Heute auf dem Hügel zu stehen ist ein höchst bewegendes historisches Ereignis." Die Angehörigen seien darüber "dankbar und voller Stolz".

Die Gedenkstätte wurde vom Architekturbüro Brückner & Brückner entworfen und trägt den Titel "Einschnitt". An den Kosten von gut 2,35 Millionen Euro beteiligen sich neben dem Internationalen Olympischen Komitee der Freistaat Bayern, die Bundesrepublik Deutschland, die Landeshauptstadt München, der Deutsche Sportbund und die Foundation for Global Sports Development.

© SZ.de/dpa/infu

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