Daiserstraße 45: Ludwig Holleis

Ludwig Holleis sei ein freundlicher und lebenslustiger Mann gewesen, so hat es seine Nichte dem Münchner Stadtarchiv erzählt. Viel mehr ist über den gebürtigen Rosenheimer persönlich nicht bekannt. 1897 als siebtes Kind in eine Bäckerfamilie geboren, lernte Holleis den Beruf des Ankerwicklers und Elektromaschinenbauers. Später wohnte er mit seiner verwitweten Mutter und der Familie seines Bruders Andreas in Sendling an der Daiserstraße 45. Dort wurde er am 7. Januar 1944 verhaftet.

Dabei ging es der Gestapo eigentlich um seine Schwester. Diese, Emma Hutzelmann, hatte mit ihrem Mann Hans und Gleichgesinnten die "Antinazistische Deutsche Volksfront" gegründet und sowjetische Kriegsgefangene unterstützt. Im Frühjahr 1944 hob die Gestapo die Gruppe aus. Was Ludwig Holleis vom Widerstand seiner Schwester wusste, ist unklar. Doch Emma hatte in der Küche an der Daiserstraße eine Blechkassette versteckt, deren Inhalt Ludwig nach Emmas Verhaftung mit einer anderen Schwester vernichtete. Die Gestapo folterte Holleis, um Informationen aus ihm herauszupressen. Am 29. März 1944 starb er an den Folgen.

Die Stele für Holleis wird am Freitag, 27. Juli, um 15 Uhr enthüllt.

26. Juli 2018, 19:412018-07-26 19:41:25 © SZ vom 25.07.2018/vewo