Erholung Viel mehr Grün

München braucht künftig zusätzliche Parks und Freizeitflächen

Von Thomas Anlauf

Wie soll das denn funktionieren? Die Stadt wächst in den kommenden knapp 20 Jahren um die Einwohnerzahl von Augsburg, obwohl sie bereits jetzt weit mehr als doppelt so dicht besiedelt ist wie die Stadt am Lech. In München gibt es längst Widerstand in der Bevölkerung, wenn es darum geht, weitere Wiesen mit Wohnhäusern zu bebauen. Erst vor einem Monat hat Oberbürgermeister Dieter Reiter nach massiven Protesten Pläne gestoppt, auf einer Grünanlage in Trudering Wohnungen für 48 Menschen zu schaffen. Mit einem Bürgerbegehren will eine Initiative erreichen, dass alle bestehenden Grünanlagen in München, es sollen 650 sein, vor Bebauung geschützt werden. Aber wo sollen dann die 300 000 zusätzlichen Menschen wohnen, die voraussichtlich im Jahr 2030 in der Stadt leben werden?

Die Antwort klingt zunächst absurd: möglichst auf dem gleichen Raum wie die 1,5 Millionen Münchner auch, die bereits die Stadt bevölkern. Denn noch weniger Grün kann sich das ohnehin schon dicht besiedelte München nicht mehr leisten. Darin sind sich Umweltreferentin Stephanie Jacobs und Stadtbaurätin Elisabeth Merk weitgehend einig. Jacobs will "vor allem bestehende Grünräume erhalten, weitere schaffen und wenn möglich Flächen entsiegeln". Der Maßnahmenkatalog, den sie im vergangenen November dem Stadtrat präsentierte, beinhaltet auch den Ankauf von Grundstücken, um weitere zusammenhängende Grünflächen zu schaffen. Für Jacobs ist natürlich vor allem der Umweltaspekt wichtig, auch im Hinblick auf die sommerlichen Hitzeperioden, die sich durch den Klimawandel verstärken werden. Die oberste Stadtplanerin Merk dagegen will zahlreiche "Orte der Entschleunigung" schaffen. Je dichter München besiedelt ist, desto mehr Freiräume brauchen die Menschen, ist sich Merk sicher.

Sichtbar ist das Phänomen längst. Fünf Millionen Menschen entspannen jährlich vor allem in den Sommermonaten im Englischen Garten. Die Isar ist an warmen Wochenenden für Zehntausende zum Gartenersatz geworden. In Zukunft müssen deshalb Neubauten mit großen Dachterrassen gebaut werden, um den Münchnern grüne Rückzugsräume zu geben. Doch damit ist es nicht getan. Die Stadt wird nicht daran vorbeikommen, auch Straßen in Grünanlagen umzuwandeln. Sonst erstickt die Stadt an sich selbst.