Erfolglose Bankräuber vor Gericht Blamierte Banditen

Zwei Bankräuber stehen wegen neun Überfällen vor Gericht - allerdings waren sie dabei wenig erfolgreich. Meist traten sie ohne Beute die Flucht an, da sie an den Zeitschlössern der Safes scheiterten. Trotzdem müssen sie wohl für viele Jahre hinter Gitter.

Von Andreas Salch

Es ging schief, was nur schief gehen konnte: zumindest aus der Sicht von Radomir C. und seinem Komplizen Zdenek V.. Die beiden überfielen innerhalb von knapp zwei Monaten neun Banken. Doch meist traten sie ohne Beute die Flucht an. Einmal standen sie am helllichten Tag verdutzt vor den verschlossenen Türen eines Geldinstituts und mussten schließlich feststellen, dass die Bank zur Mittagszeit nicht geöffnet hat. Zdenek V., ein 25-jähriger gelernter Glasbläser, und sein Komplize Radomir C., 27, müssen sich seit Donnerstag vor dem Landgericht München I für die Überfälle verantworten, die sie in München, Stuttgart, Linz, Berlin und Hamburg verübten.

Beide legten über ihre Verteidiger Jean-Pierre El Sayed und Matthias Domsch Geständnisse ab. Als die Angeklagten verhaftet wurden, hatten sie 62.000 Euro erbeutet. Ein Betrag, den ein Manager, wie der frühere Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer vermutlich unter Peanuts verbuchen würde. Gegen Breuer wurde am Donnerstag im Gerichtssaal nebenan verhandelt. Der Banker soll im Zusammenhang mit der Pleite des Medienmoguls Leo Kirch gelogen haben.

Doch Radomir C. und Zdenek V. wissen, dass sie trotz der relativ geringen Beute, die sie machten, nicht nur für viele Jahre hinter Gitter kommen werden. Da sie einschlägig vorbestraft sind, droht ihnen bei einer Verurteilung neben der Haft sogar noch die Sicherungsverwahrung.

Zdenek V. ist mittelgroß, blass und muskulös. Zuletzt habe er in einem Schlachthaus als "Knochenbrecher" gearbeitet, heißt es in der zwölfseitigen Erklärung, die sein Verteidiger verliest. Eine Arbeit in seinem erlernten Beruf habe er in seiner Heimat Tschechien nicht gefunden. Im Juli vergangenen Jahres habe er einen Anruf von seinem Freund Radomir C. erhalten. Zdenek V. hatte den 27-Jährigen in der Haft kennengelernt. Auch er glaubte, keine Zukunft zu haben, war ohne Hoffnung und hatte kein Geld. Für V. und C. stand schon nach dem ersten Treffen fest: Sie wollten ein besseres Leben führen. Und das dafür nötige Geld würden sie sich durch Überfälle auf Banken beschaffen.

Am 17. August vergangenen Jahres wollten sie den ersten Coup landen. Dafür hatten sie sich eine Filiale in der HypoVereinsbank in der Rosenheimer Straße in München ausgesucht. Maskiert und bewaffnet mit halbautomatischen Selbstladewaffen, die allerdings nur mit Knallpatronen geladen waren, betraten sie die Schalterräume. Doch gleich das erste Unternehmen schlug fehl. Weil im Schloss des Safes eine Zeitverzögerung installiert war und zehn Minuten verstrichen wären, bis sich die Tür des Geldschranks geöffnet hätte, flüchteten die Angeklagten unverrichteter Dinge. Nur drei Tage später versuchten sie es erneut.

Diesmal in einer Filiale der Deutschen Bank in der Schwanthalerstraße. Die Beute betrug knapp 18.000 Euro. Nach einem erfolglosen Abstecher nach Stuttgart versuchten es Radomir C. und sein Komplize wieder in München. An der Arnulfstraße überfielen sie am 10. September eine Niederlassung der Stadtsparkasse. Doch wieder machte ihnen die Sicherheitstechnik des Geldinstituts einen Strich durch die Rechnung. Denn auch der Safe dieser Bank war mit einem sogenannten Zeitschloss versehen. Entnervt und mit gerade einmal 500 Euro Beute traten sie wieder die Flucht an.

Auch wenn die Überfälle aus Sicht der Angeklagten eher eine Serie von Pleiten Pech und Pannen waren. Die Angestellten der Banken standen Todesängste aus, wie es in der Anklage der Staatsanwaltschaft heißt. In Linz erbeuteten die beiden 30.000 Euro. Bei einem Überfall in Berlin kam ihnen wieder ein Zeitschloss in die Quere. In einer anderen Bank in der Hauptstadt raubten sie jedoch 6000 Euro. Am 7. Oktober wurden Radomir C. und Zdenek V. nach einem Überfall auf eine Sparkasse in Hamburg verhaftet.