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Erfolg für die Ermittler:"Rockerkrieg" ist vorerst abgesagt

Ein Fund der Polizei aus dem Arsenal der "Black Jackets".

(Foto: Polizei)
  • Die rockerähnliche Bande "Black Jackets" ist in München offenbar zerschlagen worden.
  • Die etwa 50 Mitglieder der Bande war durch Schlägereien, Drogengeschäfte und illegalen Waffenbesitz aufgefallen.
  • Ganz vorbei sind die Probleme mit den Gangs aber wohl noch nicht: Sorgen bereiten der Polizei weniger die klassischen Rockerclubs wie die Bandidos oder Hells Angels - denn diese haben feste Strukturen - sondern kleine unstete Gruppierungen.

Von Martin Bernstein

Polizei und Justiz ist es offenbar gelungen, die rockerähnliche Bande "Black Jackets" in München zu zerschlagen. Mit gewalttätigen Auseinandersetzungen vor Diskotheken hatten die etwa 50 Mitglieder des Münchner Chapters (so werden die regionalen Einheiten genannt) der in ganz Süddeutschland operierenden Vereinigung ihre Schlagkraft beweisen wollen - dazu kamen Drogengeschäfte und illegaler Waffenbesitz.

Im Februar 2014 machte das Polizeipräsidium in einer Großrazzia dem Treiben ein Ende. Mittlerweile läuft die Aufarbeitung: Die Führungsriege der Black Jackets wurde vom Landgericht München I in mehreren Prozessen zu Haftstrafen verurteilt. Eine Nachfolge-Gruppierung ist für die Experten nicht in Sicht - und damit auch nicht der immer wieder befürchtete "Rockerkrieg" in München.

Heftige Schlägerei am Ostbahnhof

Bei einer Auseinandersetzung im und vor dem Crowns Club am Ostbahnhof waren Anfang Mai zwei 36 und 37 Jahre alte Männer durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt worden. Rund 30 Personen waren an der Auseinandersetzung beteiligt, rund 100 Polizeibeamte waren im Einsatz. Den Tatverdächtigen, den 35-jährigen Deutsch-Libanesen Khaled B. aus Karlsfeld, der sich danach ins Ausland absetzte, rechnet die Polizei dem Umfeld der Rockergruppe Hells Angels zu.

Andere Beteiligte der Schlägerei gehören dem "ehemaligen Umfeld" der Black Jackets an, sagt Erster Kriminalhauptkommissar Uwe Dörnhöfer, stellvertretender Leiter des für Bandenkriminalität zuständigen Kommissariats 33 im Polizeipräsidium. An einen drohenden Rockerkrieg zu denken, wäre "alles andere als richtig", betont Dörnhöfer.

Denn das Problem mit den Black Jackets hat sich mit den Durchsuchungen und Festnahmen im vergangenen Jahr und den Haftstrafen für die Führungsriege aus seiner Sicht erledigt. Was die Anhänger und Familienangehörigen so noch nicht wahrhaben wollten: Bei der Urteilsverkündung gegen vier ihrer Chefs am 22. Mai konnten nur starke Polizei- und Justizkräfte im Gerichtssaal Ausschreitungen verhindern.

Mit Gewalt in die Clubszene

Die ursprünglich in Heidenheim als Reaktion auf Neonazi-Überfälle von jungen Männern türkischer Herkunft gegründeten Black Jackets mutierten bald zur Streetgang, die im Sommer 2013 auch in München aktiv wurde. Die Black Jackets versuchten mit Gewalt, einen Fuß in die Tür der Clubszene zu bekommen und ihre Mitglieder als Türsteher platzieren zu können. Im November 2013 gab es die erste Warnung der Polizei: 50 Beamte stürmten das Clublokal der Black Jackets in der Lindwurmstraße.

Als das nicht fruchtete, durchsuchten am 27. Februar vergangenen Jahres rund 160 Polizeibeamte das Clublokal und zwölf Wohnungen. Die Beamten stellten unter anderem 1,5 Kilo Marihuana, 135 Gramm Kokain, 7000 Euro Bargeld, Kutten und Waffen sicher. Bereits im Januar 2014 hatten Beamte bei einer Frau aus dem Umfeld der Gang eine Maschinenpistole samt Munition gefunden.

Anonymität gibt es für Mitglieder klassischer Clubs nicht

"Man muss schauen, was jetzt passiert", sagt Dörnhöfer. Denn die Szene ist in Bewegung gekommen. Sorgen bereiteten der Polizei weniger die klassischen Rockerclubs wie die Bandidos oder Hells Angels. Mit ihnen gebe es in München einen "Minimaldialog". "Die haben feste Strukturen", sagt Dörnhöfer, "und die wissen, dass wir wissen, wer sie sind."

Auch für Polizeihauptkommissar Matthias Wehner ist das der springende Punkt: Anonymität sei für die führenden Mitglieder dieser Gruppen nicht möglich. Das schaffe Respekt gegenüber der Polizei: "Wir fahren die repressive Linie, sobald jemand sich nicht an die Spielregeln hält - auch das ist den Rockerclubs bewusst." Die Münchner Polizei interveniere sehr schnell, deshalb stehe man im Vergleich zu anderen Großstädten noch gut da. Von den etablierten Clubs gehe derzeit in München keine Aggression aus, so die Einschätzung der Experten.

Der Minimaldialog gelingt dagegen bei den schnelllebigen rockerähnlichen Gruppierungen kaum bis gar nicht, räumen die Experten für Bandenkriminalität ein. Die Szene sei zu unstet, die Gruppierungen seien Straßengangs, deren Mitglieder sich eine Kutte zulegen und als Rocker auftreten - oft ohne Motorrad. Und schon gleich ohne feste Struktur. "Die geben sich einen Namen und fertig", sagt Dörnhöfer. Viele dieser Gruppen seien ethnisch geprägt.

So gab es im Herbst eine Demonstration von 200 Mitgliedern und Sympathisanten des MC Turkos gegen Waffenlieferungen an Kurden. Der MC Turkos wird von Kennern der rechten Szene mit den ultranationalistischen türkischen "Grauen Wölfen" in Verbindung gebracht. Mit der Zugehörigkeit zu ethnisch geprägten Gangs wollten die Mitglieder Stärke und Abgrenzung demonstrieren, sagt Dörnhöfer. Der Effekt: "Die fallen auf, sind aber unbedeutend." Dass eine dieser Gruppierungen die Nachfolge der Black Jackets antreten könnten, ist für Dörnhöfer derzeit nicht erkennbar.

© SZ vom 08.06.2015/infu
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