Das Requiem für den Chef von Erdinger Weißbräu findet, wie kann es anders sein, auf dem Gelände der Privatbrauerei statt. Bei der Malzannahme zwischen riesigen Rohren und Zweckbauten ist eine Bühne aufgebaut. Dort steht der mit Rosen geschmückte Sarg des mit 86 Jahren verstorbenen Unternehmers zwischen Kränzen und dem blumengeschmückten Logo von Erdinger Weißbräu. Auf einem großen Bild prostet Werner Brombach den Trauergästen zu – so wie man ihn kennt: mit einem freundlichen Lächeln und seiner markanten Hornbrille.
„Brauer mit Leib und Seele“, dieser Satz ist am Mittwoch beim Requiem für Werner Brombach immer wieder zu hören. Dieser Satz steht auch auf dem Sterbebildchen. Das Foto dort zeigt den gebürtigen Erdinger nicht im Trachtenlook oder Anzug und Krawatte, sondern im farbenfrohen Hawaii-Hemd. Ein Verweis auf Hawaii, seinen Sehnsuchtsort und zweite Heimat, aber auch auf die internationale Ausrichtung der erfolgreichen Brauerei, deren Bier in mehr als 100 Ländern zu bekommen ist.


Werner Brombach, 1939 in Erding geboren, machte die Erdinger Brauerei zur größten privaten Weißbierbrauerei der Welt. 1965 war er in das 1886 gegründete Familienunternehmen eingestiegen. Nach dem Tod des Vaters 1975 übernahm er die Leitung. Er war der letzte „Bierpionier“, sagt Stefan Kreisz, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Erdinger Weißbräu und zugleich Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds.
Kreisz erinnert sich an das „Privileg und Vergnügen“ der Bierverkostungen mit Werner Brombach. Dieser habe den verschiedenen Bieren immer Schulnoten vergeben und ihn durch seine besondere Energie und sein Wissen immer wieder beeindruckt. Nach jeder Verkostung habe Brombach ihn mit den Worten verabschiedet: „Wir kämpfen.“ Denn ein Kämpfer sei er gewesen, aber jemand, der die Konkurrenz immer höflich und respektvoll behandelt habe. Ein Chef der alten Schule sei er gewesen. Und er habe alle Mitarbeiter vom Staplerfahrer bis Brauer gleich behandelt. „Alle gehörten zur Familie“, sagt Kreisz mit brechender Stimme.


Dies bestätigt auch Wolfgang Kuffner, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb Deutschland und Österreich, in seiner Rede. Im vergangenen Jahr habe Brombach anlässlich seines 85. Geburtstag alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Europapark Rust eingeladen, mit Übernachtung. „Ein unvergesslicher Ausflug.“ Kuffner verweist darauf, dass die Erdinger Brauerei als eine der ersten auf alkoholfreies Bier gesetzt habe und Markenbotschafter gewinnen konnte wie Ironman Patrick Lange oder Biathletin Magdalena Neuner, die beide zur Trauerfeier angereist sind.
Sichtlich berührt nimmt auch Ulrike Scharf, stellvertretende bayerische Ministerpräsidentin, Staatsministerin und Erdinger Kreisrätin, Abschied. Sie wendet sich an Brombachs Tochter Claudia. Ihr Vater, den der Tod von Frau Christine 2022 sehr getroffen habe, sei stolz auf sie gewesen und glücklich über ihre Hochzeit mit Ehemann Alexander im vergangenen Jahr.
Werner Brombach sei in Erding tief verwurzelt, aber zugleich weltoffen gewesen, so Scharf. Er habe es verstanden, über persönliche Bindungen, über „sein menschliches Netzwerk“ sein Unternehmen erfolgreich zu machen – und das in aller Welt. Er habe es geschafft, die Unabhängigkeit der Brauerei zu erhalten. Er hinterlasse ein gesundes Unternehmen. Er sei immer echt und verlässlich gewesen, so Scharf. „Manager haben eine Karriere, Werner Brombach hat eine Identität.“
Der Erdinger Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) erinnert an den Satz, mit dem der Vater von Werner Brombach einst die Brauerei übergeben habe: Er habe den Zug auf die Gleise gesetzt, sein Sohn müsse ihn nun selbständig fahren. Und tatsächlich sei der Diplom-Kaufmann und Diplom-Braumeister ein „Botschafter bayerischer Lebensart in aller Welt“ gewesen, der sich für viele Vereine, Institutionen und Organisationen einsetzte, von Fischers Wohltätigkeitsstiftung bis zur Lebenshilfe.


Erdings Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) verweist darauf, wie überragend Brombach Menschen „versammeln, motivieren und begeistern“ konnte. Und wie er auch Vertrauen weitergeben konnte, zum Beispiel an die Geschäftsführung. Mit seinem „wohltuend angenehmen Stolz“ habe er viele Türen öffnen können. Gotz: „In der Geschichte Erdings hat kaum ein Mensch so prägend gewirkt.“
Günther Beckstein, ehemaliger Ministerpräsident Bayerns und Mitglied im Stiftungsrat von Fischers Wohltätigkeitsstiftung, sagt in seiner Rede, Brombach habe es geschafft, aus einer kleinen Brauerei auch mithilfe innovativen Marketings und genialer Werbespots zur Weltmarke zu werden. Nie werde er zudem einen Gasthausbesuch mit Werner Brombach vergessen. Nach einem Schluck habe der Erdinger Brauereichef das Bier zurückgehen lassen. Es habe das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten und sei zudem nicht gut gelagert worden, habe er die Bedienung wissen lassen. „Er hatte recht.“
Wichtig sei Brombach gewesen, der Geschäftsleitung Verantwortung zu übertragen, „aber alle Entscheidungen mussten letztendlich von ihm akzeptiert werden“. 2025 überführte der Alleingesellschafter der Brauerei seine Anteile in eine Stiftung, deren alleiniger Vorstand er blieb. „Er wusste seine Brauerei in guten Händen“, so Beckstein.
Erdings Stadtpfarrer Martin Garmaier, der die Messe zuvor mit zelebriert, sagt, Brombach sei nicht nur ein Brauer mit Leib und Seele gewesen, sondern auch ein Mensch und ein Christ mit Leib und Seele. Auch er verweist auf das große soziale Engagement des gläubigen Christen.
Im Anschluss an das Requiem führt ein Trauerzug mit Werner Brombachs Sarg durch die Erdinger Altstadt, vorbei am Stammhaus der Brauerei an der Langen Zeile 1. Und am Nachmittag gibt es zum Abschied des Unternehmers auf dem Schrannenplatz Freibier für alle.

