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Zwangsversteigerung entfällt:Kastanienhof wechselt den Besitzer

Bisheriger Mieter und ein chinesischer Investor kaufen das Hotel, den ehemaligen Supermarkt sowie 106 Tiefgaragenplätze

Die Zwangsversteigerung des Hotels Kastanienhof ist abgeblasen. Hotelier Wilhelm Dirk Kampe - bislang mit seiner Vier-Sterne-Herberge nur Mieter im Gebäudekomplex am Erdinger Bahnhof - und ein chinesischer Privatinvestor haben sich mit den Hauptgläubigern des bisherigen Eigentümers wenige Tage vor dem Versteigerungstermin geeinigt. Kampe sagte, er und sein Geschäftspartner zahlten für das Hotel sowie den ehemaligen Plus-Supermarkt und 106 Tiefgaragenplätze einen Millionenbetrag, der allerdings deutlich unter dem gutachterlich bestimmten Verkehrswert von 6,2 Millionen Euro liege.

Bisheriger Eigentümer war ein Architekt und Immobilienunternehmer aus Glonn im Landkreis Ebersberg. Dieser hatte 1983 das Grundstück am Bahnhof in Erbpacht von der Fischers Wohltätigkeits-Stiftung erworben und mit Darlehen der Kreissparkasse Ebersberg den Kastanienhofkomplex mit Hotel, Supermarkt und weiteren Läden sowie zahlreichen Wohnungen errichtet.

Die Appartements sind längst Eigentumswohnungen, die gewerblichen Teile des Immobilienkomplexes blieben hingegen im Besitz des Glonner Unternehmers. Hotelfachmann Kampe war bis 1998 dessen Geschäftspartner, nicht nur in Erding. Er baute mit ihm auch noch ein Hotel in Unterhaching auf und nach der Wende ein DDR-Hotel in Oberwiesenthal um.

Kampes früherer Geschäftspartner verspekulierte sich offenbar mit weiteren Unternehmungen, die ebenfalls von der Kreissparkasse Ebersberg mitfinanziert wurden und für die der Kastanienhofkomplex in Erding als Sicherheit belastet wurde. Die Millionendarlehen wurden zu faulen Krediten. Um sie loszuwerden, verkaufte sie die Kreissparkasse Ebersberg vor der Fusion mit der Kreissparkasse München-Starnberg an ein Tochterunternehmen der amerikanischen Großbank JP Morgan, die Whiteshire Debt Solutions.

Diese gab die Darlehen wiederum an die auf die Verwertung überschuldeter Immobilien spezialisierte Firma Atrion Collateral No. 2 GmbH weiter. Ebenfalls eine JP-Morgan-Tochter, die schließlich die Zwangsversteigerung am Amtsgericht Landshut beantragte. Die Hypotheken, die auf den Kastanienhofkomplex eingetragen waren, seien "unheimlich hoch" gewesen, sagte Kampe, "viel, viel mehr, als was wir nun gezahlt haben". Neben der Atrion Collateral No. 2 bekommt auch die Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg Geld. Allerdings nur einen Bruchteil der ursprünglichen Darlehenssumme.

Für den millionenschweren Immobilienkauf hat der 73-jährige Kampe eigens eine GmbH gegründet. Dass er einen chinesischen Geschäftspartner mit ins Boot holte, kam durch quasi familiäre Beziehungen zustande: Der Unternehmer Niu Zhengping, der in Zhengzhou, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Henan, zwei Tiefkühlkost-Fabriken besitze, sei der Schwager seiner Lebensgefährtin, sagte Kampe.

Dass der Erwerb des Hotels ein gutes Geschäft sein dürfte, erklärte Kampe indirekt: Er habe in den vergangenen zehn Jahren sieben Millionen Euro Miete gezahlt. Was er mit dem ehemaligen Supermarkt machen werde, sei noch nicht klar. Möglicherweise werde er dort Tagungsräume fürs Hotel und vorne raus einen asiatischen Lebensmittelladen mit Imbiss einrichten.

Eine Option wäre auch ein Weiterverkauf. Womöglich an die Fachhochschule für angewandtes Management Erding, die bereits Interesse bekundet habe. Die gut hundert Tiefgaragenplätze will Kampe für 40 bis 50 Euro im Monat an S-Bahn-Pendler vermieten.