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Zuzug in den Landkreis Erding:Spitze bei Bevölkerungsentwicklung

Logistiker sind in Schwaig heimisch geworden. Auch sie sind dafür verantwortlich, dass es in Oberding jetzt mehr Arbeitsplätze als Einwohner gibt.

(Foto: Renate Schmidt)

Planungsverband wertet Ergebnisse aus den Jahren 1980 bis 2017 aus: Prozentualer Zuwachs bei den Einwohnerzahlen und bei den Beschäftigten ist im Landkreis Erding am größten

Kein Landkreis im Großraum München ist in den vergangenen 35 Jahren für Zuzügler beliebter gewesen als Erding. Dies zeigt eine Untersuchung des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München (PV) zur "Demografischen Entwicklung und Flächennutzung im Großraum München" von 1980 bis 2017. Zwar hat im gesamten Raum die Bevölkerung zugenommen, ebenso die Zahl der Beschäftigten. Spitzenreiter bei der Einwohnerentwicklung ist aber der Landkreis Erding mit einem Plus von 58 Prozent. Im Landkreis selber ist die Gemeinde Berglern mit 160 Prozent gegenüber 1987 am stärksten gewachsen. Zum Vergleich: Die Landeshauptstadt München wuchs nur um zwölf Prozent.

Obwohl der Wert bei der Bevölkerungsentwicklung für Erding den Spitzenreiter in der Region darstellt, ist der Landkreis bei vielen anderen Indikatoren eher im oberen Mittelfeld. So gab es die meisten Geburten je Frau im Landkreis Aichach-Friedberg 2017 mit 1,85 Kindern. In Erding lag der Wert bei 1,67, was unter den Landkreisen um die Landeshauptstadt Platz drei nach Fürstenfeldbruck (1,72) und Bad Tölz/Wolfratshausen (1,70) bedeutet. Und auch bei den Prognosen, was die weitere Bevölkerungsentwicklung bis 2037 betrifft, ist Erding nicht mit vorne dabei. Am stärksten sollen die Landkreise Dachau und Ebersberg wachsen - jeweils plus 13 Prozent.

Mit der Bevölkerungsentwicklung war auch ein Anstieg der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verbunden, laut der Untersuchung. Von 1980 bis 2017 sind im Großraum knapp 800 000 Arbeitsplätze dazu gekommen. Vor allem entlang der Achse München-Flughafen, aber auch die Anbindung einer Kommune an eine Autobahn, S-Bahn oder die Flughafennähe im Allgemeinen wirkte sich positiv aus. Am meisten neue Jobs gab es auf Landkreisebene nach München in Freising mit einem Plus von 152 Prozent. Laut Statistik gefolgt von Erding mit 142 Prozent. Doch der Wert ist dadurch entstanden, dass von 2008 an die Beschäftigten am Flughafen nicht mehr nur dem Landkreis Freising zugeordnet wurden, sondern zur Hälfte auch Erding.

Unter den Spitzenreitern auf Gemeindeebene bei der Entwicklung der Beschäftigten ist dafür wieder eine Kommune aus dem Landkreis Erding: Oberding mit einem Zuwachs seit 1980 um 3200 Prozent. Hallbergmoos im Landkreis Freising folgt mit 2100 Prozent. Auf Platz drei dann schon mit Eitting (1800 Prozent) eine Gemeinde aus Erding. Die Zahlen spiegeln aber einen rein statistischen Wert wieder, da das Wachstum sehr stark ausfallen kann, wenn der Ausgangswert 1980 sehr gering war. Statistisch gesichert ist allerdings, dass es in der Gemeinde Oberding mehr Jobs als Einwohner gibt.

Parallel zur Einwohnerentwicklung ist auch die Flächenversiegelung durch Siedlungen und Verkehrsflächen gestiegen - im gesamten Großraum München von 1980 bis 2017 um ein Drittel. Im Landkreis Erding betrug 1980 der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen am gesamten Gebiet erst 5,8 Prozent, 37 Jahre später sind es schon 12,3. Eine Verdoppelung zeigt sich auch bei der Entwicklung des Wohnungsbestandes, der im selben Zeitraum im Landkreis von 29 396 auf 59 261 anstieg. Zur Flächenversiegelung haben in Erding aber neben dem Bevölkerungszuwachs zwei andere Faktoren beigetragen: Lebten 1980 in Erding noch drei Personen in einer Wohnung, waren es 2017 nur noch 2,3. Dementsprechend hatte jeder Einwohner damals 36 Quadratmeter Wohnfläche für sich, jetzt sind es 47,2 Quadratmeter.

Der Planungsverband rät anhand der statistischen Daten, dass sich jede Kommune nach "Raumtypus, Siedlungsgeschichte und spezifischen Bedarfen" entscheiden soll, wie sie die künftige Ortsentwicklung "effizienter und flächensparend" gestalten will. Im Hinblick auf ein zukünftig wärmeres Klima müsse aber ein Kompromiss gefunden werden zwischen den immer dichteren und lockeren Baustrukturen mit hohen Grünanteilen. Wachsende Kommunen sollten zudem die Innenentwicklung priorisieren und sich auf ein "organisches Wachstum gut angebundener kompakter Siedlungseinheiten auf bisher nicht für Siedlungszwecke gewidmeten Flächen konzentrieren". Zudem rät der Planungsverband "zu experimentieren". Zum Beispiel durch das Überbauen von ebenerdigen Einzelhandelsgebäuden mit Wohn- oder Büronutzung, ebenso wie das Überbauen von Parkplätzen, Park and Ride-Anlagen oder auch Gebäuden der sozialen Infrastrukturen, wie Kindergärten.