Zusätzliche Stelle abgeschmettert Mehrheit stimmt gegen Seniorenbüro

Ein Seniorenbüro ist nach Ansicht der SPD unter anderem notwendig, um ältere Menschen zu unterstützen, denen bei Formularen der richtige Durchblick fehlt.

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SPD scheitert im Stadtrat mit einem Antrag auf einen kommunalen Berater für ältere Menschen. OB Gotz siehtfür die Stelle keine Notwendigkeit. In Taufkirchen dagegen wird gerade überlegt, die Stunden der Lotsin aufzustocken

Im Rathaus Erding wird es so schnell keine Extra-Anlaufstelle für ältere Menschen geben. Der SPD-Antrag für ein Seniorenbüro mit einer Amtskraft in Teilzeit wurde in der Stadtratssitzung am Dienstag mit 30 zu zehn Stimmen abgeschmettert. Damit schaffte es der Antrag auch nicht in den Stellplan der Verwaltung für das kommende Jahr, den die Räte an dem Abend einstimmig beschlossen. Dieser sieht bei den Beamten eine zusätzliche halbe Stelle vor, bei den Angestellten erhöht sich diese Zahl um knapp fünf.

Vergebens hatte SPD- Stadträtin und Seniorenreferentin Jutta Harrer für den Antrag geworben. Ein Seniorenbüro bei der Großen Kreisstadt sei zum einen gedacht als hauptamtliche Unterstützung für die Arbeit von Wohlfahrtsverbänden, Initiativen oder Pfarreien und zum anderen als neutrale Stelle, "die von möglichst allen Akteuren der Seniorenarbeit akzeptiert wird, die wertneutral berät und vermittelt", so Harrer, und die deshalb von möglichst vielen Menschen in Anspruch genommen werde. Dafür sollte im Stellenplan 2018 eine Teilzeitstelle eingeplant werden, besetzt mit einem Mitarbeiter aus der Verwaltung oder der Altenpflege.

Als Aufgaben des künftigen Seniorenbüros nannte Harrer unter anderem die Beratung älterer Menschen. Das reiche von der Vermittlung zu weiteren Beratungseinrichtungen, Ämtern oder Wohlfahrtsverbänden bis zur Beratung bei Treppenliften, von der Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen, über Wohnberatung bis zur Information über Veranstaltungen, Sportprogramme oder auch ehrenamtliches Engagement. Einen Raum hatte die SPD auch schon im Auge. "Vorstellbar wäre" laut Harrer das Haus Nummer 12 am Rätschenbach, das von der Stadt gerade aufwendig saniert wird. Als Mieter stehen der Kunstverein und das Rote Kreuz (BRK )fest, letzteres hat bereits angekündigt, das Gebäude zu einem Ort der Begegnung zwischen den Generationen zu machen.

Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) erteile dem Antrag in der Sitzung eine klare Absage: Ihm fehle die "konkrete Argumentation" für die Einrichtung einer solchen Stelle, "da bräuchten wir schon eine genauere Beschreibung". Außerdem sehe er "weder Bedarf noch Notwendigkeit", denn Erding besitze im Bereich Seniorenarbeit bereits "hervorragend funktionierende Strukturen".

Burkhard Köppen (CSU) warnte davor, den Verbänden ins "Handwerk zu pfuschen". Dagegen verwahrte sich Jutta Harrer: Der Antrag bedeute keine Kritik an Verbänden oder der Verwaltung. Aber der demografische Wandel erfordere "eine weitergehende Gestaltung der Seniorenarbeit", vor allem eine bessere Vernetzung. Petra Bauernfeind (Freie Wähler) wiederum betonte, dass bei Gesprächen am runden Tisch mit Verantwortlichen in der Seniorenarbeit durchaus der Wunsch nach einer Koordinationsstelle geäußert worden sei. Sie sehe nicht ein, dass im Stellenplan 2018 "zum Teil eine Gehaltstufe nach oben übersprungen wird" und hier über eine Teilzeitstelle diskutiert werde. "Es geht hier nicht um Kosten", erwiderte OB Gotz, "sondern darum, ob die Stelle überhaupt notwendig ist". CSU-Fraktionschef Jakob Mittermeier betonte, dass im Rathaus innerhalb der Abteilung Kultur und Familie bereits eine Seniorenberatung angesiedelt sei: "Wir müssten diese Stelle nur bekannter machen."

Zwischendurch fiel auch der Hinweis auf die Gemeinde Taufkirchen. Dort gibt es seit 2014 eine Seniorenlotsin mit einer Einsatzzeit von acht Stunden pro Woche. Daniela Hampel ist ausgebildete Krankenschwester und im Mehrgenerationenhaus bei der Caritas angestellt. Neben zwei festen Sprechstunden kommt die Seniorenlotsin nach Absprache zur Beratung auch ins Haus. Das Defizit dieser Stelle übernimmt die Gemeinde Taufkirchen, ist bei Geschäftsstellenleiter Marin Bauer zu erfahren. Die Seniorenlotsin werde sehr gut angenommen. Die Nachfrage sei mittlerweile so groß, dass sogar überlegt werde, die Stundenanzahl zu erhöhen, sagt Bauer.

In der Großen Kreisstadt fiel die Entscheidung deutlich aus: 30 zu zehn gegen das Seniorenbüro. Mit der SPD-Fraktion stimmten die Grünen, Petra Bauernfeind und Stefan Lorenz (Die Linke).