GartenbauEine Weltkarte aus Steinen

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Die Baustelle des Zen-Gartens am Isenauenpark in Dorfen: Zentimetergenau werden die Steine verlegt, welche am Ende die fünf Kontinente darstellen sollen.
Die Baustelle des Zen-Gartens am Isenauenpark in Dorfen: Zentimetergenau werden die Steine verlegt, welche am Ende die fünf Kontinente darstellen sollen.
Thomas Daller/oh

Der renommierte Gartenbauarchitekt Kanji Nomura gestaltet in Dorfen einen Zen-Garten, der die fünf Kontinente darstellen soll. Das Projekt ist ein Geschenk der japanischen Stadt Shishui, die eine Städtepartnerschaft anstrebt.

Von Thomas Daller, Dorfen

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Auf 400 Quadratmetern Fläche im Isenauenpark in Dorfen gestaltet Kanji Nomura zusammen mit neun der besten Gartenbauer Japans einen Zen-Garten. Hügel, Senken, tonnenschwere Findlinge und Kies bilden dessen Profil. Nomura leitet die Kollegen an, sie messen mit dem Maßband penibel die Abstände zwischen den Steinen aus, korrigieren wieder und wieder die Winkel, wie sie zueinander gedreht sind. Jede Platzierung wird mit roter Sprühfarbe als Fadenkreuz im Boden markiert. Der 75-jährige Stararchitekt, der 2005 den japanischen Garten für die Expo in Aichi gestaltet hat, nimmt sich Zeit für jeden Stein: „Sie müssen miteinander sprechen können.“

Zwischen Dorfen und Shishui besteht eine Städtefreundschaft, welche die Japaner gerne in eine Partnerschaft ausbauen möchte. Der Beginn war zufällig: 2015 kam eine Gruppe japanischer Bürgermeister während einer Deutschlandreise auch nach Dorfen. Sie erkundigten sich im Bürgerbüro des Rathauses nach Infomaterial über die Stadt an der Isen, und dann kümmerte sich Verwaltungschef Heinz Grundner persönlich um sie.  Seither hat Yasuhisa Kosaka, Bürgermeister von Shishui, Dorfen ins Herz geschlossen.

Seither hat sich eine Städtefreundschaft entwickelt, die bislang vor allem durch Schülerreisen getragen wird. Mehrere Male flogen Delegationen des Dorfener Gymnasiums nach Shishui, japanische Schüler kamen nach Dorfen. Für eine offizielle Städtepartnerschaft zeichnet sich noch keine Mehrheit im Stadtrat ab, es herrscht Skepsis darüber, ob man eine solche über eine Distanz von 20 000 Kilometern mit Leben erfüllen kann. Doch Shishui, 50 Kilometer östlich von Tokyo gelegen, lässt nicht locker.

Der Zen-Garten soll als Gastgeschenk allerhöchste Wertschätzung ausdrücken. Hauptsponsor ist Masayuki Ichikawa, Manager einer großen Gartenbaufirma, der ebenfalls nach Dorfen gekommen ist. Zudem stiftet Bürgermeister Kosaka eine Steinlaterne, die ein traditionelles Element dieser Anlagen ist. Nomura war bereits mehrmals hier, hat den Isenauenpark unter mehreren möglichen Standorten ausgewählt und jeden einzelnen Findling und Gartenbaustein in einem Fachbetrieb bei Haag in Oberbayern ausgesucht und nummeriert.

Der Japaner hat bereits sieben Zen-Gärten in fünf europäischen Ländern angelegt, etwa den Hana-Bälz-Zen-Garten in Karlsbad oder den Richard-Coudenhove-Kalergie Zen-Garten des Friedens im tschechischen Probezovice. Auch die Außenanlagen des Ritz-Carlton-Hotels in Tokyo und des Shittan-Hotels in Peking gehen auf sein Konto. Nomura hat zahlreiche Lehrbücher über Geschichte, Theorie und Praxis des Gartengestaltens in Japan veröffentlicht.

Projektleiterin Masumi Böttcher-Muraki sagte, man habe bewusst auf Pflanzen und Holz verzichtet – Pflanzenpflege sei aufwendig und Holz könne brennen. „Aber Steine sind sehr ausdauernd und sehr geduldig, sie sind etwas Bleibendes.“

Architekt Knaji Nomura hat den Plan erstellt und leitet die Bauarbeiten im Isenauenpark.
Architekt Knaji Nomura hat den Plan erstellt und leitet die Bauarbeiten im Isenauenpark.
Thomas Daller/oh

Die großen Steine müssen sich in perfekter Lage zueinander befinden, Nomura hat offenbar sehr klare Vorstellungen. Baggerfahrer Christian Huber vom Dorfener Bauhof ist mit dabei, hat das nötige Fingerspitzengefühl und eine Engelsgeduld. Am Arm des Baggers hängen die Steine an einem Stahlseil. Er senkt sie immer wieder herab, sie werden hin- und hergedreht – und irgendetwas passt immer noch nicht, also zieht sie Huber wieder hoch. Dann werden zwei Schaufeln voll Erde abgegraben oder aufgeschüttet und nach dem fünften, sechsten oder siebten Versuch ist der Gartenbauarchitekt schließlich zufrieden.

Er hat den Isenauenpark unter mehreren möglichen Standorten in Erding ausgewählt. Nicht wegen der Lage am Fluss, nicht wegen der alten Bäume, die den Zen-Garten umgrenzen: Es waren die beiden künstlich aufgeschütteten Schlittenbuckel, die sich in Sichtweite befinden und die es ihm angetan hatten. Er baut selbst kleine Hügel in diesen Zen-Garten ein und sie sollten mit der Umgebung korrespondieren.

„Die fünf Kontinente stehen für die Menschen, die dort leben“, erklärt er. „Diese Leute versuchen zu kommunizieren und friedlich zusammenzuleben.“ Aber er will nicht zu viel an Interpretation vorwegnehmen: „Ein Steingarten bietet viel Freiheit für die Fantasie.“

Nomura sagt, dass die Steine sprechen können, denn Sprache habe verschiedene Formen. Das sei wie bei einem abstrakten Gemälde, in der Auseinandersetzung kommuniziere man mit dem Werk. Er wünscht sich, dass viele Dorfener kommen, sich dem Zen-Garten nähern, ihre Gedanken schweifen lassen oder meditieren. „Sie sollen dadurch mehr Ruhe bekommen und etwas Freude.“

Ein Zen-Garten, bekannt auch unter den Bezeichnungen japanischer Steingarten oder Kare-san-sui, ist eine besondere Form der Gartenkunst, die im Zen-Buddhismus entstanden ist. Er besteht hauptsächlich aus Kies, Steinen und Felsbrocken. Das Rechen des Kiesbetts und die Betrachtung des Gartens dienen der Meditation sowie der Förderung von Ruhe und Achtsamkeit.

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