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Gefahr durch Zecken:Die Saison hat begonnen

Dem Landratsamt Erding wurden heuer bereits fünf Borreliose-Fälle gemeldet. Mit dem gefürchteten FSME-Virus sind laut der Behörde etwa 0,1 bis fünf Prozent der Parasiten infiziert. Der Landkreis gehört damit zum Risikogebiet

Wenn im Frühling die Tage länger werden, dann treibt es nicht nur die Menschen raus an die frische Luft. Die Temperaturen lassen auch andere Lebewesen aktiv werden: Zecken. Der Klimawandel begünstigt durch die zunehmend milden Winter und heißen Sommer die Ausbreitung der kleinen Parasiten und erhöht somit das Risiko von Borreliose und FSME-Erkrankungen, die von Zecken übertragen werden. Die Zeckensaison hat schon begonnen, auch in Erding. Bereits fünf Borreliose Fälle wurden dem Landratsam heuer gemeldet.

In den vergangenen Jahren sind die Fälle an Borreliose Erkrankungen gestiegen. Wie das Landratsamt mitteilt, wurden im Jahr 2016 noch 27 Fälle im Landkreis Erding gemeldet, im vergangenen Jahr waren es dann schon 47. Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, tritt im Landkreis Erding hingegen nur vereinzelt auf. 2018 gab es einen Fall, 2017 drei. Heuer wurde noch kein FSME Fall im Landratsamt gemeldet. Bayernweit sieht die Situation jedoch anders aus: Seit mehreren Jahren steigen dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zufolge die FSME Fälle kontinuierlich an. Während es sich 2012 noch um 90 Erkrankungen handelte, waren 2017 und 2018 mit 234 und 224 Fällen Rekordjahre. 2019 könnte diese Zahlen noch übertreffen. Aus den Meldedaten des LGL geht hervor, dass es heuer schon mehr Borreliose und FSME Fälle gab als im Vorjahr um dieselbe Zeit.

Bayern gehört neben Baden-Württemberg zu den Bundesländern mit dem höchsten Zeckenrisiko: Nachdem 2019 drei weitere Landkreise vom Robert Koch Institut als FSME-Risikogebiete eingestuft wurden, sind mittlerweile 91 der 96 bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte als FSME-Risikogebiete gekennzeichnet, auch der Erdinger Landkreis.

FSME ist eine entzündliche Erkrankung des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks, die schwere Folgen haben kann. Zunächst treten ein bis zwei Wochen nach einem Zeckenbiss häufig grippeähnliche Symptome auf. Nicht alle Infizierten haben diese Beschwerden. Wer solche Symptome als Erkältung abtut, kann ernsthafte Probleme bekommen, denn bei einem Teil der Erkrankten treten Entzündungen von Hirnhaut oder Nervensystem auf. Obwohl es in den meisten Fällen zu einer vollständigen Heilung kommt, kann die Krankheit Spätfolgen wie Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen oder Lähmungen mit sich führen. Bei etwa einem Prozent endet die Erkrankung tödlich.

Dem Landratsamt Erding zufolge sind etwa 0,1 bis fünf Prozent der Zecken mit dem FSME Virus infiziert, zehn bis 20 mit den Borreliose Bakterien. Auch wenn dieser Anteil klein ist, sollte man sich davor schützen. Im Gegensatz zur Borreliose, die mit Antibiotika behandelbar ist, kann man sich gegen FSME impfen lassen. Gesundheitsämter empfehlen die Impfung, vor allem denjenigen, die in Risikogebieten leben und sich oft in der Natur aufhalten. Tatsächlich fehlt der Impfschutz aber oft. Der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml zufolge ist nur etwa ein Drittel aller Schulanfänger geimpft. Eine Impfbuchkontrolle an den Schulen im Landkreis Erding 2018 zeigte, dass nur 56 Prozent der teilnehmenden Sechstklässler einen vollständigen Impfschutz hatten, wie das Landratsamt mitteilte. Über 41 Prozent waren gar nicht gegen FSME geimpft.

Zeckenbisse vorbeugen kann man zusätzlich durch angemessene Kleidung, indem man beispielsweise auf kurze Hosen verzichtet. Auch Sprays können helfen. Wichtig ist außerdem, sich nach einem Aufenthalt in der Natur gründlich nach Zecken zu untersuchen. Sollte eine zugebissen haben, muss man sie so schnell wie möglich mit einer Zeckenzange oder einer Pinzette entfernen und die Wunde desinfizieren. Anschließend sollte man die Bissstelle gut beobachten. Entsteht um sie herum ein roter Kreis, der langsam wächst, handelt es sich um Borreliose. Um weiterführende Erkrankungen am Nervensystem oder der Haut zu vermeiden, sollte man dann unverzüglich einen Arzt aufsuchen.