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Wohnungen voll belegt:So unabhängig wie möglich

Das Betreute Wohnen der Fischer Wohltätigkeitsstiftung bietet Senioren ein neues Zuhause mit Parkblick. Es gibt Wohnungen für Alleinstehende und für Paare, alle sind belegt.

Sein Blick schweift oft ab, ein Lächeln huscht über seine Lippen, und die Augen strahlen, wenn Heinrich Butz an die gemeinsame Zeit mit seiner Frau denkt. Sie war viele Jahre krank, ihr Tod vor mehr als drei Jahren war das Ende der 45-jährigen Ehe. Danach sei seine Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung in München zu groß für ihn gewesen, sagt Butz. "Meine Tochter zeigte mir eine Broschüre des Betreuten Wohnens in Erding." Anfangs wollte er nicht in ein Altenheim, dafür fühlte er sich noch zu jung. Das Betreute Wohnen des Fischers Seniorenzentrums in Erding direkt am Stadtpark hat jedoch mit einem Pflege- oder Altenheim wenig zu tun: Zwar betreibt die Fischers Wohltätigkeitsstiftung dort auch ein Seniorenzentrum. In dem Betreuten Wohnen leben die Frauen und Männer jedoch in eigenen Wohnungen. Angebote wie Verpflegung, Reinigung der Wohnung, Wäsche waschen oder ambulante Pflege können sie in Anspruch nehmen.

Heinrich Butz nutzt diesen Service nicht, er sei noch fit genug, selbst einzukaufen, sagte er. Und weil er etwas heikel sei, was das Essen angehe, koche er lieber abends selbst. Bereits als er im Winter den Rohbau besichtigt habe, gefiel ihm das Gebäude und die Philosophie des Projektes.

Die positive Resonanz ist auch für Matthias Vögele, Geschäftsführer der Stiftung, zu spüren: "Seit dem ersten Tag sind die Wohnungen zu 100 Prozent belegt", sagte er der SZ. Wenn eine Wohnung frei wird, werden die Räume umgehend weiter vermietet. Auf der Warteliste stehen derzeit 20 Senioren, die sofort einziehen würden. Weitere 50 haben bereits eine Wohnung reserviert. Die Bewohner rechnen damit, dass sie irgendwann auf Hilfe angewiesen seien, sagt Butz. Und sollte es so weit sein, wohnen sie bereits in der Einrichtung und müssten nur in das Haus nebenan umziehen. Auch für ihn war dies ein Grund, das Betreute Wohnen in Anspruch zu nehmen.

Insgesamt bietet die Fischers Wohltätigkeitsstiftung 48 Wohnungen mit einer kleinen Küchenzeile, einem Schlafzimmer und separatem Abstellraum. Den Balkon in der eigenen Wohnung schätzen die Bewohner besonders. Auch Gabriele Zollner wünschte sich eine Wohnung mit Blick auf den Garten. "Als ich von dem Seniorenzentrum hörte, ist mir ein Stein vom Herzen gefallen", sagt sie. Ihr war klar, dass sie diese Einrichtung nutzen möchte. Den Service des Seniorenzentrum nutze sie nicht, das könne sie alles noch selbst, sagt sie.

Doch die Veranstaltungen und die sonntägliche Kirche seien ihr sehr wichtig. Im Fasching kam die Prinzengarde, es gibt Kaffeekränzchen und kleine Konzerte. "Alle Bewohner kommen mit einer Vergangenheit hier her und suchen Anschluss", sagt Gabriele Zollner. Sie habe sich bei ihrem Einzug bei den Nachbarn vorgestellt und schnell Gesprächspartner gefunden. Mit Nachbarinnen geht sie gerne im Stadtpark Walken oder trinkt mit ihnen Kaffee. Die Bewohner haben ihre eigenen Rituale: Heinrich Butz braucht nachmittags immer einen Kaffee und etwas Süßes dazu. "Eine Tradition, die ich mit meiner Frau eingeführt habe", sagt er. Gabriele Zollner besucht jeden Sonntag den Gottesdienst. Sie sei sehr dankbar, dass das Seniorenzentrum dafür sorge.

Das Zentrum liegt stadtnah, der Stadtpark grenzt an das Gelände. Zudem befinden sich eine Apotheke, eine Arztpraxis, ein Friseur, eine Fußpflege, Bank und Physiotherapie im Haus. Die Senioren finden hier vieles, was sie brauchen. 42 Wohnungen haben eine Größe von 40Quadratmetern, sechs Wohnungen sind mit 60 Quadratmeter für Paare ausgelegt.

Schon im Oktober vergangenen Jahres zogen die ersten in Wohnungen. Für Freitag, 13. Mai, war nun die offizielle Einweihung geplant. Sie wird jedoch auf den 17.Juni verschoben. Laut Geschäftsführer Matthias Vögele hat die Verschiebung nichts mit dem Bau des Wohnheims zu tun: "Wir sind gut im Zeitplan. Das Problem ist, dass die eingeplanten Redner, die Bürgermeister der Landkreise, an diesem Datum keine Zeit haben", so Vögele.

Auch in der Dorfener Straße in Erding entsteht ein Seniorenzentrum mit 32barrierefreien Wohnungen, die laut Markus Maier vom Bauunternehmen Maier bereits im August bezugsfertig sein werden. Das angrenzende Pflegeheim soll zum Jahresende fertig sein. Laut Christian Penzkofer von Christianum Dorfen, das mit dem Bauunternehmen Maier zusammenarbeitet, hat die Stadt Erding noch einen weiteren Bedarf an Plätzen für Betreutes Wohnen. Die Wohnungen in der Dorfener Straße werden an Investoren verkauft, aber auch sie sind für Senioren zu mieten. Für die 32 Wohnungen lägen bereits jetzt 70 Bewerbungen vor, sagt Penzkofer.