Die Gemeinde Wörth im Landkreis Erding liegt an der Strecke der S2 und hat aktuell kein Problem mit Verspätungen. Sie hat vielmehr das Problem, dass seit knapp zwei Monaten keine einzige S-Bahn mehr an der Haltestelle Sankt Koloman im Gemeindegebiet hält. Wegen Inspektionen am Gleis fahren die S2-Züge mit reduzierter Geschwindigkeit, und um den gewohnten Takt auf der eingleisigen Strecke bis Erding anbieten zu können, donnern die S-Bahnen in Sankt Koloman ohne Halt durch. Bis voraussichtlich Mai 2026.
Der fehlende S-Bahn-Anschluss hat zur Folge, dass Wörther Schüler und Schülerinnen auf dem Weg zu den weiterführenden Schulen in Erding morgens direkt an einer viel befahrenen Kreuzung ohne Haltebucht auf den Schienenersatzverkehr (SEV) warten müssen. Der Haltepunkt liegt bei der Ampel an der Kreuzung zwischen der Staatsstraße 2080 und der Kreisstraße ED4, also gelinde gesagt „relativ ungünstig“, sagt Bürgermeister Thomas Gneißl verärgert.
Die Gemeinde habe als Alternative für die SEV-Anfahrt den derzeit verwaisten Park-und-Ride-Parkplatz bei der Bahn ins Spiel gebracht. Bislang ohne Erfolg. Auch der Vorstoß des Erdinger Landratsamts, Sankt Koloman wenigstens einmal morgens und einmal mittags mit der S-Bahn anzufahren, fruchtete laut Gneißl nicht.
Viele Eltern schicken ihre Kinder jetzt an die Bushaltestelle der ohnehin stark frequentierten Linie 445. In einem Brandbrief unter anderem an den Erdinger Landrat Martin Bayerstorfer, an Ministerpräsident Markus Söder und an Staatsministerin Ulrike Scharf schilderte eine Mutter kurz nach der S2-Sperre die Situation so: Die Linie 445 sei morgens regelmäßig überfüllt. „So überfüllt, dass die Kinder keinen sicheren Halt im Bus finden oder teils an der Haltestelle stehen gelassen werden.“ Auch der Haltepunkt wurde als gefährlich geschildert.
Es werden jetzt wohl mehr „Elterntaxis“ unterwegs sein
Das Landratsamt organisiert mittlerweile seit 15. Dezember jeweils morgens und mittags einen Verstärkerbus auf der Linie 445. Nach Auskunft des Landratsamts wurde die Haltestelle inzwischen auch provisorisch verlegt.
Die Gemeinde habe sich ebenfalls an verschiedene Stellen gewandt, „bis hin zum Verkehrsministerium“, sagt der Wörther Bürgermeister. An dem Zeitplan könne man wohl nichts ändern, habe er erfahren. Gneißl rechnet damit, dass einige Familien auf „Elterntaxis“ umsteigen. Dass Sankt Koloman nicht mehr angefahren werde, habe er im Übrigen erst eine Woche vor Beginn der Einschränkung erfahren.

