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Wirtshäuser in Erding:Wo gehen wir hin?

„Wir haben das im Kreuz“, sagen Sepp (links) und Jakob Ehrenthaler. Vor drei Jahren haben sie den Münchner Hof gemeinsam mit ihrem Bruder Vitus übernommen und führen den Familienbetrieb in fünfter Generation fort. Jetzt dürfen sie sich auf weitere Gäste gefasst machen.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Gastronomieszene steht vor Veränderungen. An diesem Wochenende schließt der Adlberger in Altenerding, zum Jahresende der Mayr-Wirt. Doch eine neue Generation steht bereit

Wer sich im Gasthaus Mayr-Wirt an den Tisch setzt, der tut das unter den Augen des Viehhändlers Peter Scharlach aus Reisen. Er ist gemeinsam mit dem Gastwirt und Metzger Franz Xaver Mayr und dem Viehfahrer Josef Biller aus Erding auf einem der wunderbaren großformatigen Bilder des Chiemsee-Malers Hiasl Maier verewigt. Hiasl Maier wurde in Erding in der Haager Straße geboren. Sein Geburtshaus steht nicht mehr, an seiner Stelle dominiert das Gasthaus Mayr-Wirt die Haager Vorstadt. Es ist eine Institution.

Das letzte Helle im Adlberger

Hier treffen sich Parteien, hier feiern Familien alles, was es zu feiern gibt - "von der Taufe bis zum Begräbnis", wie Wirt Andreas Mayr sagt. Stammtische, Vereine und Kartenspieler haben einen Anlaufpunkt - aber nicht mehr lange. Es zeichnen sich starke Veränderungen in der Gastroszene ab. Die Stammgäste sind bedrückt, sie wissen es schon lange: Der Mayr-Wirt schließt Ende 2017. Ein anderer Treffpunkt verschwindet schon an diesem Wochenende von der Karte: Im Gasthaus zum Adlberger in Altenerding zapft Alwin Lorenz am Samstag das letzte Helle. Die Zukunft des Hauses ist ungewiss.

"Kartenspielen in der Wirtsstube, eine Brotzeit um Mitternacht, das macht ein anständiges Wirtshaus in Bayern aus", sagt Andreas Mayr. So führt er sein Haus, so schätzen es seine Gäste. Wer nach 23 Uhr noch Hunger hat, kann jederzeit nach einer Brotzeit fragen. "So lange wir abends da sind, gibt es auch was." Das ist kein ganz unerhebliches Detail, denn zu den Stammgästen zählen viele Sportler, die nach dem Training Hunger auf ein Paar Dicke mit Senf und Semmel haben.

Alwin Lorenz schließt den Adlberger. An diesem Samstag.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Mayr-Wirt und der Adlberger gehören vor allem aber auch zu den Wirtschaften in Erding, in denen Schafkopfer gerne gesehen sind. Stundenlang können diese Menschen sitzen bleiben, sie trinken Johannisbeerschorle, helles Bier oder leichtes Weißbier. Meist gelassen, mitunter auch ein wenig lebhafter gehen sie ihrem Hobby nach - und versprühen ganz nebenbei eine Atmosphäre, die so typisch ist für das bayerische Wirtshaus. "Kartenspieler sind auch für die Auswärtigen interessant", sagt Mayr, und Alwin Lorenz bestätigt das. Erst die richtige Mischung mache aus einem Wirtshaus ein schönes Wirtshaus. Auch beim Adlberger sind Kartenspieler willkommen, sie teilen sich die Wirtsstube mit Altenerdinger Bürgern, Stammgästen, Stammtischen und Familien, die sich nach dem Thermenbesuch eine ordentliche Portion Schnitzel mit Kartoffelsalat gönnen. Und einmal im Jahr rockt die Altenerdinger Rocknacht den Saal, auch sie muss sich eine neue Bleibe suchen. Sie ist in erster Linie das Baby von Tom Mayr, ein Bruder von Andreas Mayr.

Altenerding hat sich verändert.

Doch so richtig ist das Geschäft beim Adlberger zuletzt nicht gelaufen. Der gastronieerfahrene Alwin Lorenz hatte die Wirtschaft im Mai 2012 übernommen. Er sei vielleicht ein wenig blauäugig gewesen, sagt er heute. Nach Auslandsaufenthalten war er gerade erst ein paar Monate in Erding, als er sich dazu entschloss, beim Adlberger einzusteigen. Wenn es besser gelaufen wäre, dann hätte er "ganz sicher nichts anderes mehr gemacht".

Altenerding hat sich aber stark verändert. Wichtige Institutionen verschwanden aus der Ortsmitte: ein Bäcker, eine Bankfiliale und eine Metzgerei. Stattdessen wuchs der Ortsteil Richtung Süden, doch die Neubürger fanden nicht den Weg in das traditionsreiche Wirtshaus an der Ortsdurchfahrt - zumindest nicht genügend viele Bürger. Was aus dem Wirtshaus nun wird, ist ungewiss. Besitzer Martin Adlberger sagt, es sei alles noch unklar. Es gebe Interessenten, doch dass bayerische Wirtschaften heutzutage noch gut gehen, daran habe er seine Zweifel.

Die Mitglieder des Männerballetts Lieselotten - eine tragende Säule des Erdinger Faschings: Noch sitzen sie im Mayr-Wirt unter einem Bild von Hiasl Maier.

(Foto: Renate Schmidt)