Straßenverkehr Neues Warnsystem soll Wildunfälle verhindern

In Bayern steigt die Zahl der Wildunfälle.

(Foto: dpa)
  • Kleine Geräte an den Leitpfosten suchen mit Infrarotlicht nach Wärmequellen.
  • Wenn sie fündig werden, blinkt ein gelbes Licht, das die Autofahrer warnen soll.
  • Das System soll nun drei Jahre lang an verschiedenen Stellen in Bayern getestet werden.
Von Julia Kainz, Erding

Ende nächster Woche werden die Leitpfosten an der B15 zwischen Hohenpolding und Kaltenbrunn im Landkreis Landshut mit kleinen Geräten ausgestattet. Bei ihnen handelt es sich um ein neues Wildwarnsystem, das Verkehrsunfälle mit Rehen oder Wildschweinen verhindern soll. Die etwa fünf Kilometer lange Strecke auf der B15 ist eine von vier Pilotstrecken, an denen das System in den nächsten drei Jahren getestet wird. Die anderen Teststraßen befinden sich im Raum Schweinfurt und Wunsiedel im Fichtelgebirge.

Die Geräte, mit denen die Pfosten an der B15 ausgestattet werden, haben die Aufgabe, das Gebiet um die Straße nach Wild abzusuchen. 25 Meter können sie nach links und rechts erfassen. Sie laufen rund um die Uhr und bei jedem Wetter. "Die Geräte suchen nach einer Wärmequelle, sie funktionieren durch Infrarotlicht", sagt Thomas Schreder, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Erding. "Das kann dann natürlich auch mal ein Pilzsammler sein, normalerweise ist es aber Wild." Das System kann verschiedene Tiere erfassen, erklärt Entwicklerin Sabine Dahl. Auch Feldhasen bemerke es. "Schwierig wird es bei noch kleineren Tieren wie einem Wiesel", so Dahl.

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Spürt eins der Geräte eine Wärmequelle am Straßenrand auf, so blinkt ein gelbes Warnlicht am Pfosten. Das Licht soll den Autofahrer warnen und ihm signalisieren, dass gleich Wild seinen Weg kreuzen könnte. Denn im Gegensatz zu bereits existierenden Warnsystemen schreckt dieses nicht das Tier ab, sondern warnt den Autofahrer. Dahl hatte die Idee dazu, als ein Freund von ihr selbst einen Wildunfall hatte. "Da habe ich mich gefragt, warum eigentlich immer das Wild verscheucht wird. Der Verkehrsteilnehmer ist ja derjenige, der reagieren kann." Mit ihrem Startup Animot entwickelte sie das neue System.

"Die Pfosten können auch miteinander reden", erklärt Schreder bildlich. Das heißt: Hat ein Pfosten einen Treffer erzielt, kann er die Information an andere Pfosten weitergeben, die dann ebenfalls blinken. So wird der Autofahrer früh genug gewarnt und kann dementsprechend reagieren. Wie weit im Voraus man gewarnt wird, könne man pauschal nicht sagen, sagt Dahl. "Je nach Aktivität des Tiers kann es sich um eine Entfernung von 300 Metern oder auch nur von 50 Metern handeln."

Die Einführung des neuen Wildwarnsystems ist eine Reaktion auf die steigende Anzahl von Wildunfällen. Bayernweit waren es davon im Jahr 2018 rund 76 000. Schreder zufolge werden allein im Landkreis Erding jährlich rund 900 Unfälle nur durch Zusammenstöße mit Rehen verursacht, Tendenz steigend. Dem Diplombiologen nach hat das verschiedene Ursachen. Zum einen verdichtet sich der Verkehr stetig. Im Raum Erding handle es sich durch die Nähe zu Landshut, Flughafen, A94 und A92 zudem um eine viel befahrene Transitzone, die den Lebensraum der Tiere durchquert.

Dreimal im Jahr - zur Paarungszeit sowie bei den Jahreszeitenübergängen zwischen Sommer und Winter - wandern die Tiere außerdem besonders viel, sagt Schreder. Das seien die Zeiten, in denen mehr Wildunfälle passieren. Auch wenn die Tiere von Menschen oder Hunden erschreckt werden, folgen oft Wildunfälle. "Das sind Fluchttiere", erklärt Schreder. "Die laufen dann weg und bleiben nicht nach zehn Metern wieder stehen." Auf Straßen achten sie während ihrer Flucht nicht.