Widerstand in Taufkirchen:Der Druck, mehr Bauland auszuweisen, wächst

In Taufkirchen steht derzeit kein einziges Grundstück zur Verfügung. Den Hubensteinern ist das geplante Wachstum zu stark

Von Thomas Daller, Taufkirchen

Hubenstein, ein kleiner Ortsteil von Taufkirchen, ist symptomatisch für die Situation junger Familien, die in der Gemeinde, in der sie aufgewachsen sind, bauen wollen. Weil es in den Hauptorten Taufkirchen und Moosen für die 132 Interessenten nicht ein einziges Baugrundstück mehr gibt, wächst auch der Druck auf die kleineren Ortsteile. In Hubenstein soll daher ein kleines Baugebiet mit 13 Parzellen entstehen. Dagegen wächst der Widerstand: 106 Hubensteiner haben in einer Unterschriftenliste gefordert, dass der bereits gefasste Aufstellungsbeschluss wieder gekippt wird, weil das kein moderates Wachstum mehr für den Ort sei. Im sonst so harmonischen Taufkirchener Gemeinderat kam es zu einer hitzigen Diskussion, welche Interessen stärker zu gewichten sind.

Für den Bebauungsplan Hubenstein Nord wurde bereits 2019 der Aufstellungsbeschluss gefasst. Das Verfahren mit Anwohner- und Behördenbeteiligung hat jedoch noch nicht begonnen. Die Alteingesessenen dieses Straßendorfs wollten es nun stoppen. Sie sammelten 106 Unterschriften aus fast allen Haushalten Hubensteins. Auch sieben Gemeinderatskollegen unterzeichneten die Forderung, den Aufstellungsbeschluss zu kippen. Begründet wurde es damit, dass man langsamer wachsen und den ländlichen Charakter des Dorfes erhalten wolle. Das Wachstum sollte in den beiden Hauptorten Taufkirchen und Moosen geschehen, wie von der Gemeinde bislang auch vorgesehen. Verträglich sei in Hubenstein maximal ein Baugebiet, das man auf etwa die Hälfte reduzieren sollte.

Das Baugebiet deutlich zu verkleinern, erläuterte Taufkirchens Städtebauplaner Eberhard von Angerer in der Sitzung, wäre unwirtschaftlich, weil man für die Entwässerung ohnehin eine teure Sickerungsanlage bauen muss. Diese Kosten auf deutlich weniger Parzellen umzulegen, sei unverhältnismäßig. Auch die Verkehrserschließung wäre weitaus problematischer.

Gemeinderat Martin Huber (AfD) betonte, man müsse die Belange der Bürger berücksichtigen: "Die Hubensteiner wollen das nicht." Man müsse in den Außenbereichen behutsam vorgehen und Baugebiete auf die beiden Hauptorte Taufkirchen und Moosen beschränken.

Bürgermeister Stefan Haberl (CSU) entgegnete: "Mich beschäftigt seit eineinviertel Jahren die zentrale Frage, wo sollen unsere jungen Leute bauen?" Das sei eine Grundsatzdiskussion. Die Verwaltung führe eine Liste mit 132 Interessenten, die verzweifelt nach einem Baugrundstück suchen würden. Aber weder in Moosen noch in Taufkirchen stehe auch nur ein einziges zur Verfügung.

Auch der zweite stellvertretende Bürgermeister Manfred Slawny (SPD) sagte, man habe mit dem Baugebiet versucht, den Hubensteinern zu helfen. "Die Einheimischen suchen verzweifelt nach Baugrundstücken, aber wir haben keine. Gleichzeitig steigen die Grundstückspreise fast täglich. Bei uns in der ganzen Gegend sind wir bautechnisch überall in der gleichen Situation."Er erinnerte auch daran, dass der vorherige Bürgermeister Franz Hofstetter das Baugebiet auch 2019 in der Bürgerversammlung angesprochen habe. Nur eine einzige Wortmeldung habe es dazu gegeben.

Valentin Bitzer (FW) sagte, er sei Hofkirchner, nicht Hubensteiner, aber es ihm nicht egal, was dort geschehe. Man müsse auf die Bürger hören und nicht gegen deren Willen etwas durchdrücken.

Der erste stellvertretende Bürgermeister Christoph Puschmann (CSU) erläuterte, die Verwaltung habe in Hubenstein "ergebnisorientiert" gearbeitet, um für den Nachwuchs Möglichkeiten zu schaffen. "Das war nicht leicht." Er sei dagegen, den Aufstellungsbeschluss zu kippen, sondern nun in das Verfahren einzusteigen. Denn dabei würden die Bürger und Fachstellen beteiligt und im Rahmen dieser Beteiligung könne man dann die Einwendungen abwägen. Es kam schließlich zur Abstimmung: Acht Gemeinderäte waren dafür, den Aufstellungsbeschluss aufzuheben, 16 allerdings dagegen.

© SZ vom 26.07.2021
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