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Weil die Sachlage alles andere als klar ist:Alles auf Anfang

Der Norden von Eching darf nicht länger abgehängt bleiben, deshalb soll eine Unterführung her. Jetzt braucht man aber erst eine neue Machbarkeitsstudie.

(Foto: Marco Einfeldt)

Seit Jahren beschäftigt sich der Echinger Gemeinderat mit einer Unterführung am Bahnhof. Statt in die konkrete Planung einzusteigen, soll jetzt eine Studie aber erst mal klären, ob das Vorhaben technisch überhaupt machbar ist

Zurück auf Anfang, aber nicht über Los. So ist die Gemeinderats-Debatte um eine Unterführung am Echinger Bahnhof zusammen zu fassen. Denn kurz, bevor die Gemeinderäte jetzt Nägel mit Köpfen machen wollten, ist dem Gremium klar geworden, dass die Sachlage alles andere als klar ist. Statt des Einstiegs in die Planungen für eine Unterführung, hat der Bauausschuss das Einholen von Angeboten für eine Machbarkeitsstudie beschlossen. Eine solche gibt es zwar schon, doch die stammt aus dem Jahr 1999 und ist offenbar nicht besonders aufschlussreich gewesen.

Wie sonst wäre es zu erklären, dass weder der Verwaltung noch dem Gremium, auch nicht der CSU-Fraktion, die den jüngsten Antrag auf die schon jahrelang gewünschte Bahnunterführung im Ortszentrum gestellt hat, klar ist, ob es überhaupt möglich ist, am Bahnhof in die Erde zu gehen. Denn dort verläuft auf der Nordseite nicht nur ein Abwasser-Sammelkanal, sondern sind auch viele andere Leitungen vergraben, unter anderem für Erdgas. Über die allgemeine Desinformation wunderte sich nicht nur Gemeinderätin Sylvia Jung (Bürger für Eching): "Das wäre doch der Sinn einer Machbarkeitsstudie gewesen."

Den ersten Dämpfer in Sachen Unterführung erhielt Eching von der Bahn, die nicht nur klar machte, dass innerhalb von einem Jahr keine Planung an Bahnkörpern zu machen ist, auch nicht, wenn es sich so gut trifft und nächsten Sommer die Bahnstrecke sechs Wochen lang wegen Gleisbauarbeiten gesperrt ist. Die zweite Enttäuschung war, dass die Gemeinde die Sache komplett alleine zahlen muss, weil sich die Bahn nur dort beteiligt, wo noch Schranken bestehen. Bei geschätzten Kosten für die Unterführung von sieben bis zehn Millionen Euro kam schnell Katerstimmung auf. Jetzt war es der Bürgermeister, der seine Räte zur Brust nahm. Wollten sie wirklich, so fragte er am Dienstag eindringlich, rund 100 000 Euro für die ersten und EU-weit auszuschreibenden Planungsschritte ausgeben, wohl wissend, dass sich die Gemeinde dieses Riesenprojekt in den nächsten Jahren ohnehin nicht leisten könne?

Ein Teil wollte durchaus. Nach wie vor sei das eine dringend notwendige Investition, mahnt etwa CSU-Rat Georg Bartl, "der Norden Echings darf nicht abgehängt bleiben." Auch Christoph Gürtner von den Freien Wählern betonte, "die Unterführung ist essenziell wichtig für die ganze Ortsentwicklung". Weil die Gemeinde auf der Bahnnordseite dafür noch Grund brauche, müsse man wissen, wie viel, das werde die Planung ergeben. Die Grundstücke könne man sich dann sichern, bis mit dem Bau begonnen werde.

Leon Eckert von den Grünen gab zu bedenken, dass sich der Gemeinderat erst einmal klar werden solle, welche Entwicklung denn überhaupt gefördert werden solle. Außerdem vermisste er Vorgaben etwa dazu, welche Verkehrsmittel die Unterführung nutzen sollten, nur Fahrräder oder auch Autos und Busse. "Und auch, wie sich das auf den Verkehr in der Bahnhofstraße auswirkt", hätte er gerne erst einmal untersucht. Anette Martin (SPD) gab zu bedenken, dass bei den Finanzplanungen sogar der Bau eines neuen Kindergartens geschoben worden sei, und jetzt wolle man solch ein unabsehbares Projekt anstoßen. Bürgermeister Sebastian Thaler stieß in dasselbe Horn, er verwies auf die teure Sanierung des Rathauses und die gewünschte Umfahrung von Dietersheim, die ebenfalls Millionen verschlinge. Thaler versprach allerdings, bei einem behindertengerechten Ausbau des Echinger Bahnhofes nicht locker zu lassen. In dem Programm bis 20121 ist Eching zwar als einzige Kommune an der S1-Trasse nicht enthalten, aber danach wolle man zum Zuge kommen.

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