Seit September vergangenen Jahres grasen drei Wasserbüffel auf einer Feuchtwiese am Stadtrand von Dorfen. Ihre Aufgabe besteht darin, den Hutanger, eine zehn Hektar große Fläche mit mehreren Tümpeln zwischen der Isen und dem Mühlbach mit Suhlen und Trittlöchern, so umzugestalten, dass der Lebensraum von Insekten, Amphibien und Vögeln renaturiert wird. Die vierbeinigen Landschaftspfleger sind in Dorfen zu einer Attraktion geworden, auch weil das Projekt unmittelbar neben einem beliebten Spazier- und Radweg im Naherholungsgebiet im Isental liegt.
Weil Schilf oder Weiden aber oftmals den Blick auf die Tiere verstellen, hat die Stadt Dorfen dort nun eine Aussichtsplattform errichten lassen. Zimmerer Martin Bauer hat sie mit einer Seitenlänge von 2,50 Metern und einer Höhe von 3,60 Metern aus Lärchenholz gebaut. Von dort aus hat man einen Blick bis zur Isen, die die Weide im Süden begrenzt.
Wasserbüffel können auf Feuchtwiesen innerhalb weniger Jahre die Biodiversität deutlich erhöhen. Sie verwandeln nasse Senken in Suhlen und schaffen mit ihren Trittlöchern kleine Wasserlachen, die Insekten als Tränke nutzen. In den Suhlen breiten sich Schnecken und Würmer aus, die Vögeln als Nahrung dienen. Rohrsänger und Blaukehlchen benötigen solche Habitate, Tagfalter und Libellen ebenso. Früher, als es noch wild lebende Huftiere wie Auerochsen und Wisente gab, haben sie diese Artenvielfalt erhalten. Heutzutage setzt man in der Landschaftspflege Karpatenbüffel ein, die ursprünglich aus Rumänien stammen. Das Dorfener Weideprojekt ist aus einer Kooperation der Stadt Dorfen mit dem Landschaftspflegeverband Mühldorf entstanden.
Angeregt hat das Konzept der Naturfilmer Jan Haft, der auf einem Bauernhof bei Dorfen lebt und auf einer Wiese hinter dem Haus selbst zwei Wasserbüffel hält. Zusammen mit Armin Blaha, einem Anwohner des Hutangers, hat er den damaligen Bürgermeister Heinz Grundner davon überzeugt, dass dies für Dorfen eine Bereicherung werde.

Neben den positiven Effekten für die Artenvielfalt haben sich die Wasserbüffel zu einem Anziehungspunkt für Besucher entwickelt. Insbesondere Eltern mit Kindern unternehmen dorthin kleine Ausflüge, um ihnen die Tiere zu zeigen. Manchmal ist aber die Enttäuschung groß, wenn die Tiere hinter dem Schilfgürtel weiden und nicht zu sehen sind. Das hat man zum Auftakt des Projekts vorhergesehen und bereits damals angekündigt, eine Aussichtsplattform zu bauen. Der Umweltausschuss der Stadt befürwortete das Projekt und holte die Genehmigungsbescheide für das Wasserrecht und für den Naturschutz ein.
Auf einem bereits bestehenden, aufgeschütteten Damm, der in das Schilf hineinragt, hat der Bauhof das Fundament angelegt und dort eine neue Bank aufgestellt. Zimmerer Markus Bauer hat die Plattform mit 15 Treppenstufen am vergangenen Montag fertig gestellt, am Dienstag wurde sie eröffnet. Bürgermeister Claudius Siebert dankte allen Beteiligten für das gelungene Projekt. Naturfilmer Jan Haft konnte nicht zur Eröffnung kommen. Er dreht derzeit eine neue Dokumentation, die im März in die Kinos kommt: „Grandioses Grasland“ lautet der Titel. Dabei geht es um die Großviehbeweidung solcher Flächen und ihre positiven Effekte auf die Artenvielfalt.

