Warteraum Asyl Familiennachzug über Erding

Vor dem Eingang zum Warteraum Asyl auf dem Gelände des Fliegerhorsts ist ein neues Zelt aufgestellt worden. Bei schlechtem Wetter können hier Familienangehörige auf ihre Verwandten warten, bis diese ihre Registrierung durch Bamf-Mitarbeiter hinter sich haben.

(Foto: Renate Schmidt)

Am Montag sind mit einem Flug aus Athen 177 Angehörige von bereits in Deutschland lebenden Flüchtlingen über den Fliegerhorst eingereist. In den kommenden Wochen sollen viele weitere folgen

Von Gerhard Wilhelm und Florian Tempel, Erding

Seit März war im Warteraum Asyl nichts mehr los. Einen Tag nach der Bayernwahl sind am Montag wieder Flüchtlinge über das Durchgangszentrum am Erdinger Fliegerhorst aufgenommen worden. 177 Familienangehörige von bereits in Deutschland lebenden Flüchtlingen waren am Montagmorgen mit einem gecharterten Flug aus Athen am Münchner Flughafen gelandet. Mit Bussen wurden sie noch am Rollfeld abgeholt und zur Einreiseregistrierung nach Erding gebracht. Nach dem bürokratischen Prozedere wurden viele von ihren Angehörigen vor dem Eingang des Warteraums empfangen. Es war ein großes Wiedersehen, denn Ehepartner, Eltern, Kinder oder Geschwister hatten sich seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen.

Die Presse war am Montag nicht so willkommen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) wollte zum Beispiel keine Fotografen auf dem Gelände des Warteraums zulassen. Vor dem Eingang standen am Nachmittag etwa ein Dutzend Autos aus verschiedenen Teilen Deutschland. Ein junger Syrer, der seit drei Jahren hier ist und in Ravensburg lebt, war gekommen, um Angehörige seines Bruders abzuholen. Er sagte, sein Bruder habe seine sechsköpfige Familie seit eineinhalb Jahren nicht mehr gesehen. Eine andere Familie, ebenfalls aus Syrien, war mit ihren drei kleinen Söhnen aus der Nähe von Worms angereist. Nach langer Trennung war für sie der Tag gekommen, drei ältere Kinder wieder in die Arme zu schließen. Die Mutter sagte, dass ihre 18-jährige Tochter und ihre elf und 15 Jahre alten Söhne zwei Jahre alleine in Griechenland lebten.

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums bestätigte auf Nachfrage der SZ, dass alle am Montag angekommenen Kinder, Frauen und Männer im Rahmen des Familiennachzug nach Deutschland geflogen wurden. Es handle sich bei allen 177 neu Angekommenen um Menschen, für die Deutschland nach den Bestimmungen der Dublin-Verordnung zuständig ist, da sie nahe Familienangehörige haben, die in Deutschland als Flüchtlinge anerkannt sind. Sofern sie nach der Registrierung im Warteraum Erding nicht von ihren Verwandten selbst abgeholt wurden, würden sie in die für sie zuständigen Kommunen weitergeleitet. Die Sprecherin des Bundesinnenministeriums bestätigte auch, dass in den kommenden Wochen und Monaten weitere Charterflüge geplant sind, mit denen weitere Angehörige von bereits in Deutschland lebenden Flüchtlingen aus Griechenland eingeflogen werden.

Im Warteraum Asyl ist das Prozedere den Mitarbeitern von Bamf, Rotem Kreuz und dem Verein Flüchtlingshilfe Erding gut bekannt. Von Januar 2017 bis März 2018 kamen im Rahmen des EU-Relocationprogramms zur Entlastung von Griechenland und Italien fast 11 000 Personen mit Charterflügen nach München und anschließend zur Einreise in den Warteraum Erding. Nach ihrer Registrierung wurden sie meist schon nach einem Tag weiterverteilt. Familiäre Bezüge spielten auch im Relocationprogramm eine Rolle, wenngleich es sich formal nicht direkt um Familiennachzug handelte. Dass nun über Erding ein neues Einreiseprogramm gestartet wurde, wurde vor der bayerischen Landtagswahl offenbar bewusst nicht bekannt gegeben. Das Bamf und das Bundesinnenministerium hatten jedenfalls eine bereits am Freitag gestellte Presseanfrage über geplante Aktivitäten im Warteraum Erding nicht konkret beantwortet. Zunächst hieß es nur: "Für die Zukunft sind in Erding weitere Aufnahmen von Asylsuchenden sowie Familienzusammenführungen im Rahmen des Dublin-Verfahrens geplant. Ob auch Familienangehörige von subsidiär Schutzberechtigten in Erding aufgenommen werden, ist bislang offen. Ebenso ist bislang keine Entscheidung über einen Weiterbetrieb über den 31. Dezember 2018 hinaus getroffen worden."

Dass der Charterflug am Montag dem von Horst Seehofer (CSU) geführten Bundesinnenministerium am Freitag nicht bekannt gewesen war, dürfte sehr unwahrscheinlich sein. Die Familienzusammenführung setzt ein umfangreiches Prüfungsverfahren voraus, das viele Monate dauert und bei dem die deutschen Behörden lange vorher einbezogen sind.