Wartenberg:Zu viele Vorschriften, zu teure Grundstücke

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Beim Richtfest für neun günstige Mietwohnungen durch die landkreiseigene Wohnungsbau in Wartenberg wird die Notwendigkeit betont "pragmatische Lösungen" auch umzusetzen. Zum Beispiel das Mietkaufmodell

Von Gerhard Wilhelm, Wartenberg

Mit neun Wohnungen ist die Wohnungsbau- und Grundstücksgesellschaft im Landkreis Erding demnächst im Markt Wartenberg vertreten. Beim Richtfest des Gebäudes auf dem Gelände des früheren Bründlhofes betonten alle Redner die Wichtigkeit, bezahlbare Mietwohnungen, aber auch Wohneigentum zu schaffen. Das Ziel, für 3000 Euro je Quadratmeter bauen zu können, wird wegen massiv gestiegener Kosten für Baumaterialien - um mehr als 20 Prozent - nicht erreicht, wie Verwaltungsratsvorsitzender Jakob Schwimmer sagte. Mit 3600 bis 3700 Euro liege man immer aber immer noch sehr gut. Die Marktgemeinde hatte der Wohnungsbaugesellschaft das Grundstück im Erbbaurecht übergeben. Sie darf dafür drei Viertel der Wohnungen vergeben.

Wartenberg: Im Oktober 2022 soll das neue Gebäude der Wohnungsbau- und Grundstückbaugesellschaft im Landkreis Erding in Wartenberg eingeweiht werden.

Im Oktober 2022 soll das neue Gebäude der Wohnungsbau- und Grundstückbaugesellschaft im Landkreis Erding in Wartenberg eingeweiht werden.

(Foto: Gerhard Wilhelm/oh)

Jakob Schwimmer hofft darauf, dass der Wohnungsbau, wie im Koalitionsvertrag der neuen Regierung vereinbart, tatsächlich forciert werde. Zukünftig müsse mehr Bauen mit Vernunft und Angemessenheit möglich sein. "Wir müssen das neu justieren." Es gebe im Wohnungsbau und im Eigenheimbau zu viele Vorschriften, das müsse "auf ein erträgliches Maß zurück geschraubt werden", damit man wieder bezahlbaren Wohnraum erstellen könne, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende. Die Aussage, dass jährlich 400 000 Wohnungen geschaffen werden sollen und die Eigenheimquote gesteigert, stimmt Schwimmer positiv. "Die Absicht ist nicht nur rühmlich, sondern es wird Zeit, dass wir hier neue Wege beschreiten. Die Vorschriften müssen geringer werden auf der einen Seite und auf der anderen muss man eine gute Förderpolitik betreiben."

Wartenberg: Jetzt müssen sie auch umgesetzt werden. Zimmerer Johannes Stuckenberger sprach den Richtspruch.

Jetzt müssen sie auch umgesetzt werden. Zimmerer Johannes Stuckenberger sprach den Richtspruch.

(Foto: Gerhard Wilhelm/oh)

Auch Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) verdeutlichte in seiner Rede, wie wichtig es ist, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. "Wir müssen die Wohnungsthematik ernst nehmen." Viele würden zwar darüber reden, aber es würden oft die Taten ausbleiben. Im Landkreis Erding würde jedoch sehr viel passieren. Mit einer Herstellungsrate von sieben Wohnungen je tausend Einwohner liege Erding mit an der Spitze. Das sei auch ein Verdienst der Kommunen, die Bauland ausweisen.

Wartenberg: Verwaltungsratsvorsitzender Jakob Schwimmer sieht die Pläne der Ampel positiv.

Verwaltungsratsvorsitzender Jakob Schwimmer sieht die Pläne der Ampel positiv.

(Foto: Gerhard Wilhelm/oh)

"Doch was hilft es, wenn Wohnungen in einem Preissegment gebaut werden, die sich Normalverdiener nicht leisten können", sagte Bayerstorfer. Deshalb müssten viele zusammen wirken, wie bei der Wohnungsbaugesellschaft, deren Ziel es sei, Mietwohnungen deutlich unter dem üblichen Mietniveau anzubieten. Das habe schon in der Großen Kreisstadt sowie in einigen Kommunen im Landkreis geklappt. Nach Wartenberg gebe es Pläne für Projekte in Moosinnig, Isen und St. Wolfgang. 21 der 26 Gemeinden sind derzeit Mitglied in der Wohnungsbaugesellschaft.

Neben dem Mietwohnungsbau müsse man aber die Eigentumsquote erhöhen, fordert Bayerstorfer. Sie sei ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge. Deshalb habe der Landkreis im Haushalt 2022 zwanzig Millionen Euro für Kredite im Rahmen des Mietkaufmodells eingeplant. "Wir brauchen pragmatische Lösungen vor Ort, kein allgemeines Reden", sagte Bayerstorfer. Es gebe mehrere Gemeinden im Landkreis, die daran Interesse zeigten. "Sie würden auch das Grundstück dafür zur Verfügung stellen, denn sonst geht es nicht."

Die Politik müsse zudem dafür sorgen, dass Bauland günstiger werde. Bayerstorfer schlägt vor - neben dem Abbau von Vorschriften und Kontrollen -, dass Gemeinden im Wohnungsbau nicht mehr kostendeckend arbeiten müssen. Der Hinweis, dass es für die künftigen Mieter Zuschüsse gebe, sei die "falsche Ansatzweise". Das zahlten dann wieder alle Kommunen über die Kreisumlage, da dies höhere Sozialausgaben bedeute. Wenn Grundstücke für sozialen Wohnungsbau verkauft werden, müsse dies steuerfrei sein. Auch bei Kommunen.

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