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Wartenberg:Klinik eröffnet Isolierstation

Klinik Wartenberg

Die Arbeiten am Erweiterungsbau der Klinik Wartenberg gehen trotz Covid-19 derzeit planmäßig weiter.

(Foto: Stephan Görlich)

Die Abteilung soll auch das Klinikum Erding entlasten. Nachdem ein eigener Patient auf Covid-19 positiv getestet wurde, sind fünf von 339 Mitarbeitern in Quarantäne, eine hatte sich angesteckt. Ihnen geht es aber allen gut

Von Gerhard Wilhelm, Wartenberg

Irgendwann musste es den ersten positiv auf Covid-19 getesteten Patienten geben, das wusste man in der Klinik Wartenberg - egal welche Gegenmaßnahmen ergriffen werden. In der ersten Aprilwoche war es soweit. Der positiv getestete Patient, der mit seiner Frau in der größten Einrichtung für stationäre geriatrische Rehabilitation in Bayern war, sei mittlerweile ins Klinikum Erding verlegt worden, sagt Pressesprecherin Irene Hilf. Seine Frau kam indes in die neue Covid-19-Station (Isolierstation) im Klinikum Wartenberg, die es seit Ostersonntag gibt. Zehn Patienten können dort betreut werden. Aktuell werden fünf Patienten behandelt: Zwei eigene Patienten, die positiv getestet wurden (eine davon die Ehefrau), sowie drei Patienten aus dem Klinikum Erding, die Covid-19 weitgehend überstanden haben oder nur milde Symptome zeigen laut Irene Hilf.

Das Personal sei in den letzten Tagen vor der Umwandlung der Station 1 der Klinik zur Isolierstation sorgfältig auf die Versorgung von Corona-Patienten vorbereitet worden, sagt Hilf weiter. Schutzausrüstung wie FFP-Masken, Schutzkittel und Handschuhe sei dank der Beschaffung über den Krisenstab des Landkreises ausreichend vorhanden. Intensivmedizinische Behandlungsplätze gebe es laut der Pressesprecherin in der Klinik Wartenberg aber nicht. Patienten, die einer solchen Behandlung bedürfen, würden im Klinikum Erding versorgt.

"Gesellschaft und Gesundheitssystem befinden sich gerade in einer Ausnahmesituation. Noch mehr als sonst müssen alle Gesundheitseinrichtungen mit gemeinsamen Kräften daran arbeiten, die Bevölkerung im Landkreis bestmöglich medizinisch zu versorgen. Insofern entlasten wir das Klinikum Erding gerne, indem wir infizierte Patienten mit milder Symptomatik von dort aufnehmen und auf unserer Isolierstation unterbringen. Umgekehrt können wir beatmungspflichtige Patienten dorthin verlegen. Wir tauschen uns regelmäßig mit den Verantwortlichen des Klinikums und der Führungsgruppe Katastrophenschutz aus. Wenn wir beispielsweise zusätzliche Schutzausrüstung brauchen, bekommen wir von dort Unterstützung - das hilft natürlich sehr", sagt Geschäftsführer Constantin von Stechow.

Insgesamt drei Personen, die mit dem Mann nachweislich in Kontakt gewesen sind, seien nach Bekanntwerden des ersten Coronafalles in Quarantäne geschickt worden - eine Mitarbeiterin sei ebenfalls positiv getestet worden, die beiden anderen negativ, teilt Hilf mit. Ihr gehe es aber gut. Die beiden anderen würden sicherheitshalber zwei Wochen zu Hause bleiben. Man warte weitere Tests ab, ehe die bisher negativ getesteten Mitarbeiter wieder in die Arbeit gehen könnten. Die Mitarbeiter würden regelmäßig getestet und führten ein Symptom-Tagebuch und messen zwei Mal täglich Fieber. Außerdem hatten laut Irene Hilf zwei Mitarbeiter im privaten Bereich Kontakt zu positiv getesteten Personen, so dass sie ebenfalls sicherheitshalber zu Hause bleiben. Damit seien fünf von 339 Mitarbeitern in Quarantäne.

Auf das Covid-19-Virus hatte sich die Klinik vorbereitet, da ihre Patienten alle zu den Risikogruppen zählen. Besuche im Haus sind generell verboten. Davon ausgenommen ist die Palliativstation. Allerdings ist hier eine vorherige Abstimmung mit dem Stationspersonal nötig. Für Kinder besteht ein generelles Zutrittsverbot. Verabredungen und Besuche im Freien sind ebenfalls untersagt. Aktuell sind laut Irene Hilf rund 100 Patienten in der Klinik. Man merke, dass weniger Patienten von anderen Häusern zur Weiterbehandlung oder zur Reha nach Wartenberg überwiesen werden. "Wir nehmen dennoch weiter auf", sagt Hilf. Inwieweit sich die derzeitige Situation finanziell auswirken werde, sei noch nicht absehbar. "Wir sind aber dankbar über die Unterstützungsmaßnahmen der Politik, die wir in Anspruch nehmen werden."

Abstand halten sei aber in der Pflege generell und insbesondere bei der Versorgung älterer Patienten nicht immer möglich, sagt die Pressesprecherin. Um die Patienten zu schützen, trage das Klinikpersonal sogenannte Mund-Nasen-Abdeckungen, über deren Einführung auch im Alltag aktuell diskutiert werde. Die Abdeckungen seien hausintern genäht worden, es habe aber auch viele Privatpersonen gegeben, die die Klinik unterstützt haben, wofür man sehr dankbar sei. So habe zum Beispiel die Nachbarschaftshilfe Fraunberg mehr als 100 Masken genäht. Die Mund-Nasen-Abdeckungen werden täglich in der Wäscherei der Klinik desinfizierend gewaschen und anschließend heiß gemangelt, sagt Hilf. Die Kommunikation mit geriatrischen Patienten sei durch die Masken allerdings erschwert, da sie die Lautstärke dämpften, zudem behelfen sich Patienten mit Hörproblemen häufig mit Lippenlesen. Diese Möglichkeit falle nun weg. Wo medizinisch/hygienisch geboten, tragen die Mitarbeiter aber die vorgeschriebene Schutzkleidung mit FFP-Masken, Schutzkittel und Handschuhe.

© SZ vom 16.04.2020

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