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Wartenberg:Erstklassige Energieprognose

Wartenberg, Berglern, Langenpreising und Fraunberg können jährlichen CO2-Ausstoß unter drei Tonnen pro Kopf drücken: Sie wären der erste Gemeindeverbund in Bayern

Biosprit, E10, Kohlendioxid, Biomasse, Günther Oettinger

Die mit Abstand höchsten Energieeinsparpotenziale liegen in privaten Haushalten und im Autoverkehr, das erläuterte Professor Markus Bratusch den Gemeinderäten

(Foto: ag.dpa)

- Gewappnet sein für die Energiewende und zwar über ein gemeinsames Klimaschutzkonzept - dieser Aufgabe haben sich der Markt Wartenberg und die Gemeinden Berglern, Langenpreising und Fraunberg verschrieben. Alle vier haben sich dazu vom Institut für Energietechnik der Universität Amberg-Weiden eine Expertise erstellen lassen, die sich streng an den Klimaschutzinitiativen des Bundesumweltministeriums orientiert. Am Ende der Untersuchung stand eine überraschende Erkenntnis: Als erste Gemeinden in Bayern könnten es die vier Kommunen schaffen, den CO2-Ausstoß auf eine Marke von unter drei Tonnen pro Einwohner und Jahr zu drücken. Derzeit liegt der Ausstoß bei den genannten Gemeinden bei 6,9 Tonnen. Zum Vergleich: Bayernweit beträgt er gut zehn Tonnen.

Professor Markus Brautsch betonte bei der Vorstellung seiner Untersuchungen, dass es sich dabei "um keinen Bauchladen für alle Projekte, sondern um ein strategisches Papier" handele. Grundsätzlich gelte, die Kommunen hätten zwar eine Vorbildfunktion. Doch die mit Abstand höchsten Energieeinsparpotenziale lägen bei den privaten Haushalten und im Autoverkehr. Enorme Möglichkeiten sah Brautsch auf dem Stromsektor: "Sie könnten den Strom, salopp gesagt, nach München verkaufen." Und dieses "sehr positive Bild" ergebe sich ganz ohne die Kapazitäten aus der Windkraft, was die Prognosen noch einmal verbessern dürfte. Ganz wichtig für die Zukunft sei auch die Erstellung von sogenannten Wärmekatastern, die den Energiebedarf jedes einzelnen Gebäudes widerspiegeln und Veränderungen gleich sichtbar machen.

So weit die Theorie. Für die Anwesenden stellte sich natürlich die Frage, wie das Ganze in die Praxis umgesetzt werden könnte. Denn von der "Sensibilisierung der Privathaushalte" hänge es ab, ob unterm Strich etwas verändert wird oder nicht, sagte Fraunbergs Bürgermeister Hans Wiesmeier. Nun, zur Umsetzung der Vorschläge stehen die Gemeinderäte in der Pflicht. "Sie haben die Entscheidungsgewalt." Aber laut Brautsch werden die Kommunen nicht allein gelassen. Das Bundesumweltministerium fördert drei Jahre lang eine Vollzeitstelle - einen sogenannten Klimaschutzmanager, wie die Position in der Fachsprache heißt - und zwar mit einem Anteil von 65 Prozent.

Der Klimaschutzmanager sei in erster Linie dafür da, die Bürger in das Projekt einzubinden, sowohl beratend als auch fordernd und immer nach dem Motto: Welche Idee haben sie denn noch persönlich? Außerdem könnten einmalig 250 000 Euro für die Umsetzung des Integrierten Klimaschutzkonzepts bereitgestellt werden. Überlegungen aus dem Publikum, eventuell sogar energieautark zu werden, erteilte der Experte eine Absage. Das könne ernsthaft niemand wollen, "denn der Strom hört ja nicht an der Gemeindegrenze auf zu fließen".

Leicht separatistische Töne klangen bei Berglerns Bürgermeister Herbert Knur durch. Der wollte aus verwaltungsrechtlichen Gründen nicht den Begriff VG Wartenberg verwendet haben. Wie die Gemeinde Fraunberg müssten auch Berglern und Langenpreising explizit beim Namen genannt werden. Außerdem sei es notwendig, die unterschiedlichen Anforderungen der Gemeinden "herauszufiltern". Ranft rief hingegen dazu auf, den gemeinsam eingeschlagenen Weg auch zusammen weiterzugehen. Die staatlichen Zuschüsse - es handelt sich um 43 264 Euro - hätte es ohne diesen Verbund nicht gegeben. Und schließlich habe man ja auch gemeinsame Projekte zu schultern, allen voran den Mittelschulverband