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Wartenberg:Ein Orthopäde zeigt Interesse

Die Marktgemeinde Wartenberg möchte die gesundheitliche Versorgung ihrer Bürger optimieren

Von Gerhard Wilhelm, Wartenberg

Braucht der Markt Wartenberg ein Ärztehaus, um die medizinische Versorgung der Bürger aufrecht zu erhalten oder sogar zu verbessern? In einem ist man sich im Gemeinderat Wartenberg einig: Die Bürger hätten gerne ein besseres Angebot an Ärzten am Ort, doch Wartenberg steht in Konkurrenz zu vielen Kommunen, die ebenfalls mehr Mediziner, vor allem Allgemeinärzte, haben wollen. Uneins ist man sich in der Frage, ob und wie der Markt in Vorleistung treten soll und ob er zum Beispiel eine passende Immobilie, ein Ärztehaus anbieten soll. Einen Teilerfolg kann Bürgermeister Christian Pröbst (CSU) aber vermelden: Demnächst will sich ein Orthopäde in der Gemeinde ansiedeln. Weil es derzeit keine geeigneten Praxisräume gibt, will Wartenberg einen gebrauchten Container kaufen und ihn an den Arzt vermieten. Vom Tisch ist offenbar ein von Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) vor der Kommunalwahl angeregtes Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in Wartenberg, wie es sie in Dorfen und Taufkirchen gibt. Sowohl Kreisrat Michael Gruber (SPD) als auch Pröbst verneinten, dazu neue Erkenntnisse zu haben. In Wartenberg sieht man vor allem in der hausärztlichen Versorgung Handlungsbedarf. Neben der Praxis Schober am Marktplatz gibt es noch den Sonnenhof mit eine Gemeinschaftspraxis mit Allgemeinärzten. Eine große Lücke hat der Tod von Hausarzt Theodor Pösl gerissen. Schon vor zwei Jahren war man an zwei neuen Ärzten dran gewesen, doch alle Hoffnungen zerschlugen sich. Jetzt nimmt man einen neuen Anlauf.

Bürgermeister Pröbst und Carla Marx (Neue Mitte) waren dazu jüngst in Frankfurt und haben sich bei einer Planungs- und Beratungsgesellschaft Informationen geholt, wie Pröbst berichtete. Die Firma habe Kommunen mit ähnlicher Größe beraten, wie sie die ärztliche Versorgung vor Ort sicherstellen könnten. Zur Sprache seien mehrere Lösung gekommen, und man sei offen für alle, betonte Pröbst - vom Eigenbau über Fremdbau, Genossenschaftsmodell bis zu Beteiligungen aller Art. Ziel sei es, das Projekt bis zum Ende der Wahlperiode zu realisieren.

Vor einer zu starken finanziellen Beteiligung der Gemeinde warnte Michael Gruber. Das könnte ein ebenso teures Spiel werden wie beim Recyclinghof. Die Ärzteversorgung sei keine primäre Aufgabe der Kommune. Zudem solle man angesichts sinkender Steuereinnahmen keine finanziellen Risiken eingehen. Trotz kontroverser Diskussion waren die Gemeinderäte am Ende alle dafür, sich in einer nichtöffentlichen Sitzung am 1. Juli das Konzept der Gesellschaft anzuhören. Dem soll eine Ortsbesichtigung eines fertigen Projekts folgen. Neben den Gemeinderäten können daran auch ortsansässige Ärzte teilnehmen. Im dritten Schritt soll eine Bestandsuntersuchung und Handlungsempfehlung durch die Planungsgesellschaft beauftragt werden, das ist aber noch nicht beschlossen. Zum einen wegen der Kosten von zwei Euro netto je Einwohner und weil man gerne die Untersuchungsergebnisse von vor zwei Jahren mit einbezogen hätte. Pröbst versprach, er werde weitere Angebote von Beratungsgesellschaften einholen, erst dann trete man in die konkretere Planung ein.

Zunächst soll die Ansiedlung des Orthopäden sichergestellt werden. Der komme aus Wartenberg und betreibe derzeit zwei Praxen in Holzkirchen und eine am Tegernsee. Anfangs soll seine Praxis probehalber nur eineinhalb Tage geöffnet sein, bis Ende des Jahres dann die ganze Woche. Deshalb soll mit ihm ein Staffelmietvertrag abgeschlossen werde, danach kann der Container mit den Praxisräumen gekauft werden. Dem stimmte der Gemeinderat zu.

© SZ vom 06.06.2020

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