Süddeutsche Zeitung

Wahlbeteilung in Erding:Doch nicht so uninteressiert

Übermittlungsfehler ist schuld an falschen Zahlen

Drei Tage lang mussten die Erdinger Bürger damit leben, dass sie die vermeintlich uninteressiertesten Bürger weit und breit sind. Tagelang blieb die Wahlbeteiligung von 59,03 Prozent in der Stadt Erding bei den Bundestagswahlen am Sonntag unwidersprochen - bis Dienstag. In der Stadtratssitzung schob Rechtsamtsleiter Andreas Erhard dem Erdinger OB Max Gotz (CSU) schließlich einen Zettel zu, der den OB in diesem Moment über einen "Übermittlungsfehler" aufklärte. Demzufolge haben in Erding nicht 59,03 Prozent der Bürger ihren Stimmzettel abgegeben, sondern 78,4 Prozent - sogar mehr als bei den Wahlen vor vier Jahren (72,99).

Günther Pech vom Stadtmarketing Erding erläuterte am Mittwoch, das Landratsamt Erding habe mit falschen Zahlen operiert: Statt der 25 533 Wahlberechtigten, die es in Erding gibt, ging man im Landratsamt davon aus, dass 33 930 Bürger berechtigt seien, ihre Stimme abzugeben. Letztendlich zählten die Wahlhelfer 20 028 Stimmen in Erding. Das Landratsamt errechnete auf Basis der falschen Zahlen eine Beteiligung von 59,03 Prozent, tatsächlich aber lag die Beteiligung deutlich höher.

Kurios die Umstände, die in der Stadtratssitzung dazu geführt haben, dass dieser Irrtum publik gemacht wurde. Erst die Nachfrage von Hans Egger (Erding Jetzt), der die Meinung des OB zu dieser miesen Wahlbeteiligung wissen wollte, brachte den Fehler ans Tageslicht. Gotz erinnerte daran, dass viele Erdinger ihre Wahlbenachrichtigung nicht erhalten hätten. Er betonte nochmals, dass die Stadt Erding die Schreiben ordnungsgemäß zur Post gebracht habe. Und er sagte, irgendwo seien Pakete von nicht zugestellten Wahlbenachrichtigungen gefunden worden. Jeder Bürger durfte aber auch mit seinem Personalausweis zum Wählen gehen, darauf war in der Woche vor der Wahl mehrfach hingewiesen worden. Gotz' Mutmaßung, dass viele Bürger diese Information nicht erreicht habe, stellte sich als Irrtum heraus - aber erst als Erhard sich dazu entschloss, den Fehler aufzuklären. Das Landratsamt äußerte sich am Mittwoch auf Nachfrage nicht dazu.

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Quelle:
SZ vom 28.09.2017
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