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Wärmestube für Erding?:Zitterpartie

Tafel Erding

Petra Bauernfeind, Zweite Bürgermeisterin und Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Erding.

(Foto: Renate Schmidt)

Das Projekt kommt seit einem Jahr nicht voran. Im Februar steht eine Entscheidung im Finanzausschuss an

Von regina bluhme, Erding

Ziemlich genau vor einem Jahr haben die Nachbarschaftshilfe und der Verein Flüchtlingshilfe im Rathaus ihre gemeinsamen Pläne für eine Wärmestube für Bedürftige vorgestellt. Als im Dezember bei den Haushaltsberatungen kein Etatposten dafür vorgesehen war, meldete sich Petra Bauernfeind, Zweite Bürgermeisterin und Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe, zu Wort und warb um einen Zuschuss für das Projekt. Es kam zu einer kontroversen Diskussion. Der Vorwurf stand im Raum, hier solle vor allem für eine Mitarbeiterin der Flüchtlingshilfe eine neue Stelle geschaffen werden. Letztendlich entschied die Mehrheit, 40 000 Euro im Haushalt einzustellen. Über die exakte Verwendung des Geldes entscheidet der Finanzausschuss am 4. Februar.

Für Stirnrunzeln hatte im Stadtrat vor allem die Aussage von Bauernfeind (Freie Wähler) gesorgt, der städtische Zuschuss werde unter anderem für das Gehalt der künftigen Leitung benötigt. Wunschkandidatin der beiden Erdinger Helfervereine ist Sabrina Tarantik, die Geschäftsstellenleiterin der Flüchtlingshilfe Erding. Bauernfeind hatte es dringlich gemacht: Wenn kein Haushaltsposten eingestellt werde, werde Tarantik sich womöglich anderweitig bewerben, "dann ist sie weg". Gegenüber der SZ sagt Burkhard Köppen, Vorsitzender der CSU-Fraktion, dass seiner Ansicht nach Bauernfeind hiermit erklärt habe, das es vor allem die Schaffung eines Arbeitsplatzes gehe. Seine Fraktion hatte in der Dezember-Sitzung, mit Ausnahme von Thomas Bauer, den Zuschuss abgelehnt. Doch auch andere Parteien hatten den Antrag kritisch gesehen. SPD-Stadtrat Gerhard Ippisch, Vorsitzender des Jugendhilfevereins Brücke Erding, hatte die fehlende Qualifikation der künftigen Vollzeitkraft bemängelt. Es gebe in Erding bereits Vereine, "die das Thema Obdachlosenbetreuung abdecken", sagt nun Köppen.

Es sei wohl "ein bisschen unglücklich" gewesen, dass sie als Zweite Bürgermeisterin den Antrag im Namen der Nachbarschaftshilfe gestellt habe, sagt Bauernfeind heute selbstkritisch. Es sei ihr niemals darum gegangen, jemanden eine Stelle zu verschaffen oder parteipolitisch etwas durchzusetzen: "Es ging mir darum, rein aus dem Blickwinkel der Nachbarschaftshilfe heraus, mit der Wärmestube Menschen in Not zu unterstützen." Sie habe die Gelegenheit in der Dezembersitzung ergriffen und Druck machen wollen, "damit nicht noch mehr Zeit verloren geht." Geplant war, mit der Wärmestube spätestens im Januar zu starten. Der Bedarf sei groß.

Das Konzept stehe seit einem Jahr, sagt Bauernfeind. Die künftige Wärmestube im Bahnhofsgebäude, wo auch die Tafel Erding ihre Räume hat, solle Menschen offen stehen, die obdachlos sind oder in Unterkünften leben oder vom Verlust ihrer Wohnung bedroht sind. Es gehe um Menschen, die mit Hartz IV über die Runden kommen müssen, und Geflüchteten. Sie könnten dort unter Wahrung ihrer Privatsphäre einen Ansprechpartner finden. Und eine Tasse Kaffee gebe es auch. Mitarbeiter von Behörden und sozialen Einrichtungen sollen Sprechstunden in der Wärmestube abhalten. Und das ganzjährig.

Es gehe um Vermittlung von Hilfen und Unterstützung, so Bauernfeind, und zwar so niederschwellig wie möglich. Die Kritik, dass Tarantik keine sozialpädagogische Ausbildung habe, lässt Bauernfeind nicht gelten. Die Leitung der Wärmestube müsse vor allem organisieren, Projekte stemmen und netzwerken können. Dass sie das könne, stelle Tarantik seit Jahren unter Beweis. Inzwischen ist sich Bauernfeind aber nicht mehr sicher, ob die Initiatoren des Projekts auch als Träger tätig werden können. Das hänge jetzt von der Sitzung am 4. Februar ab. "Ich weiß nicht, in welche Richtung es gehen wird." Bei der Flüchtlingshilfe Erding ist Tarantik dieser Tage weiterhin zu erreichen. "Noch", sagt sie am Telefon.

© SZ vom 25.01.2021
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