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Vortrag über Lebenswege in der Nazizeit:Widerstand und Verfolgung

Der Dorfener Andreas Dörr war Kommunist. Trotz Repressalien hielt er an seiner Grundhaltung fest und kam ins Konzentrationslager Dachau.

(Foto: Toni Heigl)

Die Geschichtswerkstatt befasst sich in der Veranstaltungsreihe "Gegen den Strom" mit Dorfener Bürgern, die nach der Machtergreifung Hitlers ihrer Haltung treu geblieben sind

Nach der Machtergreifung Hitlers wehrten sich Bürger aus Dorfen gegen die Ideologie und politischen Anschauungen der Nationalsozialisten. Der Vortrag "Gegen den Strom - Verweigerung, Widerstand und Verfolgung während des Nationalsozialismus" der Geschichtswerkstatt Dorfen an diesem Dienstag, 7. November, widmet sich vier von ihnen. "Bei der ersten Veranstaltung haben wir uns mit den Tätern beschäftigt wie dem Dorfener Autor Josef Martin Bauer. Diesmal geht es um die einfachen Leute, die sich gewehrt haben", sagt Georg Wiesmaier. Der Mittelschullehrer im Ruhestand ist einer der Referenten. Bei seinen Recherchen habe er herausgefunden, dass elf Männer aus Dorfen in Konzentrationslagern gewesen seien, so wie Andreas Dörr. Über ihn referiert Wiesmaier. Dörr wurde 1935 in München wegen Verteilens von Flugblättern der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) verhaftet. Ein Jahr später, nach einem Gefängnisaufenthalt, folgte die Überführung ins Konzentrationslager Dachau. Für den Referenten ist Dörr jemand, der an seiner politschen Grundhaltung trotz massiver Repressalien festhielt. Gleiches gilt für Andreas Ostermeier. Über ihn spricht Hans Elas, ebenfalls ehemaliger Mittelschullehrer wie Wiesmaier. Ostermeiers führende Tätigkeit in der KPD Dorfen führte 1933 zu seiner Inhaftierung.

Ein Beispiel für Widerstand im Dritten Reich ist Franz Winkler. Der Bauer wurde aktiv, indem er 1937 anonyme Briefe an den damaligen Dorfener Bürgermeister und Ortsgruppenleiter der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands (NSDAP) schickte. Darin brachte er seine ablehnende Haltung gegenüber dem Regime zum Ausdruck. Er flog auf und kam im selben Jahr dafür ins Gefängnis. Mit dem Landwirt hat sich Elas näher beschäftigt. Den vierten Vortrag hält Heidi Oberhofer-Franz. Zum ersten Mal ist die Mittelschullehrerin bei der Geschichtswerkstatt dabei. Sie widmet sich Maria Stöbeck, Inhaberin eines Ladens in Dorfen. Sie wurde von Kunden denunziert, da sie ihre abschätzige Meinung über Hitler nicht geheim hielt.

"Die Auswahl fiel auf Maria Stöbeck und Franz Winkler, weil sie gute Beispiele für Menschen sind, die ihrem eigenen Denken und ihrer Haltung treu geblieben sind", sagt Wiesmaier. Für die Geschichtswerkstatt sei wichtig gewesen, möglichst viele verschiedene "Geschichten aus Dorfen" zu präsentieren.

Wiesmaier freut sich bereits auf den Austausch mit den Zuhörern. Nach der ersten Geschichtswerkstatt im Juli seien einige noch auf ihn zugekommen und hätten ihr Wissen an ihn weitergegeben. Für 2018 planen er und die anderen Referenten vier große Vorträge. Als Thema biete sich das 100. Jubiläum der Räterepublik 1918/19 an. Darüber hinaus möchte Wiesmaier auch kleinere Veranstaltungen abhalten. "In Isen wohnt eine Holocaustüberlebende, mit der ein solcher Termin möglich wäre." Der Vortrag zu Widerstand und Verweigerung während der NS-Zeit findet am Dienstag, 7. November, 20 Uhr, im Gasthaus am Markt in Dorfen statt.