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Vortrag in Erding:Indigene in Brasilien bedroht

Ethnologe und Amerikanistin halten Vortrag an der VHS

Einen Einblick in das Leben der indigenen Bevölkerung Brasiliens und in die Politik des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro bekommen Besucher einer Veranstaltung, zu der die VHS Erding anlässlich der Ausstellung von Claudia Andujar am Mittwoch 5. Februar, 19 Uhr, einlädt. Der Wiener Ethnologe Georg Grünberg spricht über die Kultur und die Lebensweisen der Indigenen im Amazonasgebiet, wie es in einer Ankündigung heißt. In ihrem Weltbild gehe es nicht um die Aneignung der Natur durch die Menschen, sondern um die Aufrechterhaltung eines Lebenszusammenhanges durch soziale Beziehungen zwischen allen Lebewesen, schreibt die VHS. Das erfordert gegenseitigen Respekt und den Austausch von Wissen in einem "Netz des Lebens", wie es schon Alexander von Humboldt genannt habe. Der außerordentlichen biologischen Vielfalt des Amazonasgebietes entspreche die kulturelle seiner Bewohnern, deren Bedrohung und die ihrer Lebenswelt einem Höhepunkt entgegeneile.

Die Politik Bolsonaros analysiert und ordnet Ursula Prutsch ein, Professorin am Amerika-Institut der LMU München, ein. Die VHS schreibt in ihrer Ankündigung, dass die gelegten Waldbrände in Brasilien nicht nur Raum für Viehzucht und Sojamonokulturen schaffen sollten; durch sie wolle Bolsonaro die indigenen Gruppen gewaltsam in Städte vertreiben und zur Aufgabe ihrer Kulturen zwingen. Das Paradigma des Fortschritts auf Kosten der Natur und der Ureinwohner habe in Brasilien eine lange Tradition. Prutsch schildert auch, wie Brasiliens Indigene sich gegen die nachhaltige Zerstörung ihres Lebensraumes zur Wehr setzen. Die Veranstaltung findet im VHS-Haus in Erding statt. Der Eintritt kostet sieben Euro, mit Kulturkarte kostenlos.

© SZ vom 01.02.2020 / sz
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