Von Tango bis Wiener Schmäh Organisiertes musikalisches Chaos

Bei den Jazz-Tagen 2017 stehen in erster Linie die kreativen Mischformen im Vordergrund. Highlights sind Pee Wee Ellis und Joschi Schneeberger. Aber auch die Lokalmatadoren Tenor Steps sind zu hören

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Rund 40 Jahre alt sind mittlerweile die Jazz-Tage Erding. Viele bekannte Jazz-Musiker haben dort ihre Visitenkarte abgegeben, darunter Lionel Hampton, Dizzy Gillespie, Herbie Hancock oder Ron Carter. In den vergangenen Jahren hat die Stadt ihr Konzept modifiziert und das Spektrum der Künstler ausgeweitet. Heute stehen in erster Linie die kreativen Mischformen im Vordergrund, sei es im Bossa Nova oder im Tango, der durch Jazz-Elemente um neue und moderne Ausdrucksformen bereichert wird, und nicht Jazz in seiner puren Form. "Wenn Jazz wirklich das organisierte Chaos ist,wie manche behaupten,kommt es dem menschlichen Leben sehr nahe", schreibt Oberbürgermeister Max Gotz in seinem Grußwort.

Den Auftakt bilden am Donnerstag, 2. November, um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei (Eintritt 15 Euro) die "Jazz Stories", eine musikalische Lesung mit der Band Tenor Steps und der Autorin Vroni Vogel. Die Erdinger Lokalmatadoren - Dieter Knirsch (Piano), Michael Außerbauer, Sara Gallitz (beide Saxofon), Ralph Außerbauer (Schlagzeug) und Stephan Glaubitz (Bass) - sind für die feine Inszenierung von Text- und Musikstücken bekannt.

Der österreichische Bassist Joschi Schneeberger und sein Quintett stehen für die gelungene Synthese von Wiener Lied und Gypsy Swing. Bei den Jazz-Tagen spielt er am 3. November in der Kreismusikschule.

(Foto: Hinrich Wulff/oh)

Die Soul-Legende Pee Wee Ellis kommt am Freitag, 3. November (19.30 Uhr, Kreismusikschule, 25 Euro) auf die Bühne. Ende der 1960er Jahre wurde der Saxofonist als Arrangeur in der Band von James Brown bekannt. Bei den Jazz-Tagen lässt sich der besondere Stil des US-Amerikaners ungefiltert verfolgen. Mit Peter Fessler (Gesang, Gitarre), Joel Locher (Bass) und Guido May (Schlagzeug) stellt er sein aktuelles Projekt "Funka Nova" vor. Eine Mischung aus Bossa Nova und Funk, "groovig,schön und brasilianisch", wie Guido May sagt.

Die traditionellen Dixieland-Frühschoppen am Samstag, 3. November (11 Uhr), bestreiten zum einen The Dixie Bones aus Nürnberg im Airbräu am Flughafen (Eintritt frei) und zum anderen die Dark Down Stompers im Gasthaus Mayr-Wirt (zehn Euro). Gegründet 1964 gehört die Band zweifellos zu den ältesten Jazz-Formationen Münchens und nennt sich selber "Rentnerband", aber Peter Bierl (Trompete), Gerhard Rehmann (Banjo, Gitarre), Martin Fassnacht (Bass), Reinhold Tafferner (Klarinette), Klaus Werner (Schlagzeug), Berni Rastinger (Saxofon), Christof Ranke (Posaune) und Andreas Schütt (Gitarre,Gesang) sind alles andere als "Senioren". Mit den Frühschoppen soll an die Ursprünge des Jazz erinnert werden.

Bei der traditionell der Weltmusik gewidmeten Matinee am Sonntagvormittag ist Adjiri Odametey zu Gast.

(Foto: Privat)

Nach der "Jazz für Kinder"-Veranstaltung um 15 Uhr in der Kreismusikschule mit dem Liedermacher Geraldino und den Dixie Bones (fünf Euro, Kinder frei) folgt um 19.30 Uhr in der Kreismusikschule (20 Euro) ein weiteres Highlight der Jazz-Tage: Der österreichische Bassist Joschi Schneeberger und sein Quintett stehen für die gelungene Synthese von Wiener Lied und Gypsy Swing. Der Bandleader, Sohn Diknu Schneeberger, Martin Spitzer (beide Gitarre), Aaron Wonesch (Piano) und Toni Mühlhofer (Percussion) pflegen eine inzwischen an den Rand gedrängte künstlerische Tradition. Denn wohl nirgendwo sonst wie im einst von Hans Moser, Paul Hörbiger, Anton Karas oder Herrmann Leopoldi geprägten Wiener Lied kommen Wiener Schmäh, Sarkasmus und der Hang zum schönen Leben so prägnant zum Ausdruck, wie es in der Ankündigung heißt.

Zu Ende gehen die Jazz-Tage mit der traditionell der Weltmusik gewidmeten Matinee am Sonntagvormittag (5. November, 11 Uhr, Kreismusikschule, 15 Euro). Gast ist diesmal der ghanaische Musiker Adjiri Odametey. Der heute in München lebende Musiker wurde in der ghanaischen Hauptstadt Accra geboren, war lange Mitglied des Ghana Dance Ballet,spielte unter anderem im Pan African Orchestra und arbeitete mit Stars wie Miriam Makeba und Osibisa zusammen. Charakteristisch für den Singer und Songwriter sind seine warme, erdige Stimme und die Vielzahl seltener, oft afrikanischer Instrumente, die seine Band zum Einsatz bringt.

Soul-Legende und Saxofonist Pee Wee Ellis ist ein Highlight beim Jazz-Festival in Erding.

(Foto: Georgine Treybal)

Karten für alle Konzerte sind im Vorverkauf in der Stadthalle Erding am Alois-Schießl-Platz oder im Internet unter www.stadthalle-erding.de erhältlich. Der Vorverkauf startet Donnerstag, 5. Oktober.