Volksfest DorfenDas einst größte Bierfest der Region wird 150

Lesezeit: 3 Min.

Die Schützenscheibe aus dem Jahr 1876 stammt vom ersten Dorfener Volksfest, das damals noch ein Landwirtschaftsfest war.
Die Schützenscheibe aus dem Jahr 1876 stammt vom ersten Dorfener Volksfest, das damals noch ein Landwirtschaftsfest war.
privat
  • Das Dorfener Volksfest feiert heuer sein 150-jähriges Jubiläum und findet vom 7. bis 16. August am ESC-Gelände statt.
  • Das erste Volksfest war 1876 ein Landwirtschaftsfest mit Pferderennen, für das die Bahn sogar Sonderzüge einsetzte.
  • Zum Jubiläum gibt es ein imposanteres Musikfeuerwerk am 12. August und die "Brettl-Spitzen" des Bayerischen Rundfunks am 10. August.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Ein Landwirtschaftsfest begründete 1876 die Tradition. Es gab Pferderennen und die Bahn setzte sogar Sonderzüge nach Dorfen ein. Die Jubiläumswiesn findet von 7. bis 16. August am ESC-Gelände statt.

Von Thomas Daller, Dorfen

SZ bei Google bevorzugen

Vor 150 Jahren war Bayern noch eine völlig andere Welt: In München wurde die erste Kanalisation gebaut, um die Zahl der Typhus-Toten zu verringern, König Ludwig II. vollendete sein Märchenschloss Linderhof und der Wildschütz Jennerwein wurde hinterrücks erschossen. 1876 wurde in Dorfen auch ein Landwirtschaftsfest gefeiert, das als erstes Dorfener Volksfest gilt, daher feiert die Gemeinde im Landkreis Erding heuer eine Jubiläumswiesn.

Früher fand in Dorfen das größte Fest dieser Art in der Region statt, mit landwirtschaftlichen Ausstellungen und Pferderennen. Die Bahn setzte zeitweise sogar Sonderzüge ein. An Volksfestsonntagen wurden damals bereits bis zu 10 000 Menschen erwartet. Das Dorfener Volksfest findet heuer vom 7. bis 16. August auf dem Festplatz am Gelände des ESC Dorfen statt.

Es gibt kaum Aufzeichnungen über das erste Dorfener Volksfest. Das älteste, noch existierende Zeitzeugnis ist eine Schützenscheibe aus dem Jahr 1876. Damals gab es ein Volksfestschießen. Allerdings mahnten Lokalhistoriker wie der Dorfener Günther Janocha, der über eine respektable Sammlung zur Ortsgeschichte verfügt, noch vor wenigen Monaten zu einer gebotenen Skepsis: 1876 wurde auch in Erding ein Landwirtschaftsfest gefeiert. Zwei so große Feste im gleichen Jahr, nur 20 Kilometer voneinander entfernt – da sei die Möglichkeit nicht auszuschließen, dass es sich um eine Verwechslung handelt und die Scheibe aus Erding stammt.

Also begannen erst einmal Recherchen, ob das Datum des Jubiläums auch tatsächlich stimmt. Fündig wurde man bei den Dorfener Altschützen, die diese Scheibe aufbewahren. Deren Schützenmeister Bernd Weber stellte ein Foto von der Scheibe zur Verfügung, das die Zweifel ausräumte: Denn die Scheibe, die einen Jäger mit erlegter Gams zeigt, war auf ein landwirtschaftliches Volksfestschießen am 28., 29. und 30. August 1876 datiert. „Damit war Erding raus“, sagt Janocha, „dort fand das Fest von 10. bis 12. September statt.“ Anhand dieser genaueren Datierung konnte Janocha auch die damaligen landwirtschaftlichen Wochenblätter gezielt durchforsten und fand eine zweite Quelle: einen kurzen Bericht über die damalige Zuchtviehprämierung am 28., 29. und 30. August „im Markte Dorfen“.

Pferderennen waren früher beim Dorfener Volksfest beliebt. Das erste Volksfest, ein Landwirtschaftsfest, fand vor 150 Jahren statt
Pferderennen waren früher beim Dorfener Volksfest beliebt. Das erste Volksfest, ein Landwirtschaftsfest, fand vor 150 Jahren statt
privat

Weitere Volksfeste fanden anfangs nur alle paar Jahre statt. Darüber gibt es Belege aus den Jahren 1883 und 1896. Eine Ansichtskarte und einige Fotos von 1903 bilden eine Dorfener Wiesenzeit mit historischem Festzelt ab. Damals feierte man das Volksfest erst im September. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde erst 1926 wieder ein Volksfest veranstaltet. Historische Fotos zeigen einen Festzug mit prunkvollen Pferdegespannen auf dem Rathausplatz.

Eine lange Unterbrechung der Volksfesttradition von 29 Jahren fand zwischen 1926 und 1955 statt. Das 1938 geplante Volksfest musste wegen einer Viehseuchengefahr kurzfristig abgesagt werden, dann kam der Krieg dazwischen. 1949 hatte die Marktgemeinde in kleinerem Rahmen immerhin ein Herbstfest mit Gewerbeschau, Landmaschinenausstellung sowie einer Tierschau veranstaltet. Das Hochwasser vom Juli 1954 vereitelte das für August angesetzte Volksfest. Erst 1955, ein Jahr nach der Stadterhebung, wurde wieder ein Volksfest gefeiert.

Zum Jubiläum fällt das Musikfeuerwerk imposanter aus

Die 1950er-Jahre wurden dann eine Blütezeit des Dorfener Volksfestes. Damals fand es alle zwei Jahre im August auf einer Wiese an der Jahnstraße statt. Heute befindet sich dort die Siedlung am Pfarrer-Eigner-Weg. Ein Tobogan, also eine Holzrutsche, sowie eine Schaukel, ein Karussell und eine Bärenschau waren neben Schieß- und Losbuden die Attraktionen auf dem Fest. Einen Autoscooter gab es auf dem alten Festplatz noch nicht. Parallel zur Wiesn wurden Gewerbe- und Heimatschauen, Kreistier- und Landwirtschaftsschauen sowie Jagd-, Fischerei- und Bienenausstellungen gezeigt. Zu den Höhepunkten zählten auch internationale Pferderennen, organisiert vom damaligen Renn-Verein Dorfen.

Auch diesmal sind wieder Fahrgeschäfte und weitere Schausteller auf dem Festplatz geboten, außergewöhnliche Attraktionen sind zum Jubiläum jedoch nicht geplant. Das Musikfeuerwerk der Stadt am Mittwoch, 12. August, soll allerdings imposanter ausfallen und als Höhepunkt des abendlichen Unterhaltungsprogramms werden für Montag, 10. August, die „Brettl-Spitzen“ des Bayerischen Rundfunks angekündigt. Wirtesprecher Tobi Maier vertritt die Auffassung, dass erfahrungsgemäß viele Besucher kaum Interesse an einem besonderen Rahmenprogramm haben: „Ein bayerisches Bier und ein gutes Essen – mehr wollen die meisten doch gar nicht.“

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Gastronomie
:Warum es in der Schnitzelgaudi bald keine Schnitzel mehr gibt

Nach neun Jahren wird in dem Lokal in Markt Schwaben fast alles anders: Wirt Andreas Keipp über Nächte mit dem Putzlappen, 80-Stunden-Wochen und Entwicklungen, die zum Handeln zwingen.

SZ PlusInterview von Barbara Mooser

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: