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Viele Anfragen:Tierisch beliebte Begleiter

Der Tierschutzverein Erding verzeichnet während Corona ein gestiegenes Interesse an seinen Vierbeinern. Auffällig ist allerdings, dass viele der Interessenten die Voraussetzung für eine Haltung nicht erfüllen

Von Theresa Lackner, Erding

Viele Menschen sind seit Beginn der Corona-Pandemie mehr zu Hause und denken darüber nach, sich einen tierischen Begleiter anzuschaffen. Bundesweit berichten Tierheime von einer erhöhten Anzahl von Anfragen seit dem vergangenen Jahr. Auch der Tierschutzverein Erding verzeichnet für seine Schützlinge im Tierheim in Kirchasch eine steigende Nachfrage. Vor allem Hundewelpen sind gefragt. Doch vor einer Abgabe schauen die Tierschützer bei den Interessenten ganz genau hin.

Waren Besuche im Tierheim vor Corona am Wochenende noch ein beliebter Nachmittagsausflug für Paare und Familien, ist diese Spontaneität mittlerweile gestrichen. Nun werden telefonisch Termine für den Besuch des Tierheims vereinbart, sagt Solveig Wanninger. Sie ist die zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Landkreis Erding, der in Kirchasch Platz für abgegebene und gefundene Tiere bietet. Laut ihrer Einschätzung steigt die Zahl derer, die sich tierischen Beistand wünschen, erst seit Beginn dieses Jahres merklich: "Im Großen und Ganzen ist das Aufkommen ähnlich, aber je länger Corona jetzt andauert, desto mehr Leute melden sich".

Die 2. Vorsitzende Solveig Wanninger mit den Katern Francis und Rambo.

(Foto: Renate Schmidt)

Katzen sind die Hauptbewohner des Tierheims. Etwa 30 von ihnen leben dort im Moment. Die meisten davon sind aktuell wintergeschädigt, haben Schnupfen oder kaum noch Sehvermögen. Insgesamt ist das Geschehen im Tierheim sehr dynamisch, als "ein Kommen und Gehen" bezeichnet es Wanninger. Man habe auf dem Gelände gerade etwas Luft. Aber es kann schnell mal wieder voll werden, denn die ersten Tiere sind schon wieder trächtig. Da trifft es sich gut, dass es besonders Katzen den Menschen in Erding angetan haben.

"Bei der telefonischen Kontaktaufnahme fragen wir schon vorher ganz genau ab, was gesucht wird", sagt Wanninger. So könne man bereits im Vorfeld gut eruieren, ob ein Termin für Interessierte überhaupt sinnvoll ist und unnötige Besuche vermeiden. Denn wichtig sei, dass zu den verfügbaren Terminen dann eben diejenigen einen Blick auf die Tiere werfen können, die es ernst meinen und denen auch ein passendes Tier angeboten werden kann. Wenn nach der telefonischen Abfrage nichts gegen die Aufnahme eines Tieres spricht, werde ein Termin vereinbart und die Tiere können vor Ort begutachtet werden.

Auch Wim wartet auf ein neues Zuhause.

(Foto: Renate Schmidt)

Auffällig sei in der Pandemie, dass viele, die anrufen, die Haltungsvoraussetzungen für ein Haustier nicht erfüllten. Man könne keine zwei Katzen in eine 50 Quadratmeter große Wohnung vermitteln, wo schon vier Personen wohnen. "So krass wie jetzt war das vorher nicht", sagt Wanniner. Sie betont, dass die Tiere nur dann abgegeben werden, wenn die Umstände in Ordnung seien. Was allerdings passiert, wenn die Menschen wieder einem geregelten Leben nachgehen können, sei schwer zu sagen. Die Sorge, dass dann Tiere zurückgegeben würden, sei schon da, sagt Wanninger.

Diese Sorge kennt auch Angelika Schöner, die dritte Vorsitzende des Tierschutzvereins, und vor allem verantwortlich für die Hunde im Tierheim. Aktuell sind das drei. Die momentane Nachfrage nach Welpen und Junghunden sei durchaus bemerkenswert und: "Die Welpen reißen sie dir halb aus der Hand". Bisher sei noch kein Hund aufgrund von Corona zurückgebracht worden. Schöner betont aber, dass es aufgrund der Lage noch zu früh sei, sich darüber zu freuen.

In Kirchasch kümmert sich der Tierschutzbund Erding um herrenlose Tiere.

(Foto: Renate Schmidt)

Nicht nur sich einen eigenen Hund anzuschaffen, auch der Wunsch, mit einem Hund Gassi zu gehen, ist während der Pandemie größer geworden. Schöner erhalte wesentlich mehr Anfragen dazu. Bisher musste sie die Interessierten aufgrund der Auflagen vertrösten. Generell stellen sich laut Schöner die meisten den Spaziergang mit einem Hund zu einfach vor. Beim Tierschutzverein Erding muss deswegen ein "Praktikum" durchlaufen werden, bevor Hundeliebhaber alleine mit einem Hund Gassi gehen dürfen. "Dass die Hunde nicht immer einfach sind, können sich viele nicht vorstellen", sagt sie.

Wie andere Vereine hat auch der Tierschutzverein Erding wegen der Pandemie zu kämpfen. Feste können nicht stattfinden, mit denen Gelder eingesammelt werden. Jeder Monat sei eine neue Herausforderung, sagt Wanninger. Die Unterstützung von vielen Menschen auch in dieser Zeit unter anderem durch Sachspenden und Futter rührt sie aber: "Schön, dass wir nicht im Stich gelassen werden."

Bei Interesse an einem Tier besteht die Möglichkeit, sich zur Terminvereinbarung an den Tierschutzverein Erding zu wenden: Per Telefon 08122/9597500 oder über die Webseite www.tierschutzverein-erding.de.

© SZ vom 13.03.2021
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