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VHS Erding:Präsent bleiben

Die Volkshochschule Landkreis Erding kann aufgrund der Corona-Beschränkungen seit Mitte März nur einen Bruchteil des Programms anbieten. Das hat finanzielle Auswirkungen. Der Geschäftsführer hat auch Sorgen, durch die lange Pause den Kontakt zu den Teilnehmern zu verlieren

Von Regina Bluhme, Erding

VHS-Geschäftsführer Claus Lüdenbach in seinem Büro. Die Online-Angebote laufen auch mit Corona, darunter ein paar Sprachkurse.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Corona-Pandemie hat auch der Volkshochschule (VHS) im Landkreis Erding einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Seit Mitte März ging mit Ausnahme von Online-Veranstaltungen nichts mehr - wobei erstmals auch ein paar Sprachkurse mithilfe von Internetkonferenzen abgehalten wurden. VHS-Geschäftsführer Claus Lüdenbach rechnet bei den Einnahmen mit einem Minus im sechsstelligen Bereich. Von Montag, 15. Juni, an darf die Einrichtung wieder die Türen für Präsenzunterricht öffnen. Im Juli und August sollen verstärkt Angebote laufen. "Wir wollen den Kontakt zu den Teilnehmern nicht verlieren", sagt Lüdenbach.

Der VHS-Geschäftsführer hat gerade doppelt Arbeit: Parallel zu den Vorbereitungen für das Herbst-/Winterprogramm wird ein neues Sommerprogramm zusammengestellt. Im Juli und August, traditionell eine ruhige Zeit für die VHS, soll es neue Angebote geben. Nach dem langen, durch Corona-Lockdown erzwungenen Stillstand, will die VHS "im Gespräch bleiben", so Lüdenbach. Die Pause soll nicht zu lange werden. Jeder Teilnehmer zählt.

"Wir müssen präsent bleiben", das sagt auch Johann Peis, der Vorsitzende des Erdinger VHS-Zweckverbands. Niemand könne vorhersagen, wie die neuen Kurse in Anspruch genommen werden. Das sechsstellige Minus schmerze, aber bis zum Jahresende komme die VHS jedenfalls "schon über die Runden", fügt Peis hinzu. "Es ist eine bedrückende Lage", sagt Lüdenbach, aber er wolle nicht jammern. "Wir haben unser eigenes Haus und damit sind wir ein bisschen privilegiert." Zudem sei das Online-Angebot von "Vhs. Wissen live" im Verbund mit 200 Volkshochschulen sehr gut angelaufen. 20 000 Euro an Einnahmen seien schon verbucht, "da bleibt was hängen". Und dann hätten nicht wenige Teilnehmer auf die Rückzahlung ihrer Kursgebühren verzichtet, insgesamt in einer Höhe von 10 000 Euro. "Für mich ist das schon ein Zeichen, dass wir den Bürgern wichtig sind."

10.000 Euro

sind insgesamt zusammengekommen, weil mehrere VHS-Teilnehmer auf die Rückzahlung der Gebühren für ausgefallene Kurse verzichtet haben. Nach Angaben von VHS-Geschäftsführer Claus Lüdenbach haben einzelne Teilnehmer sogar auf bis zu 100 Euro Rückzahlung verzichtet. Für Lüdenbach ist Gesamtbetrag von 10 000 Euro "ein Zeichen, dass sich die Bürger mit uns identifizieren."

Besonders hart getroffen wurde durch den Lock-Down der Bereich der Deutschkurse, der einen großen Anteil im Bereich Sprachen ausmacht. Die Sprachkurse, finanziert vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), mussten unterbrochen werden. "Wir wissen noch nicht, wann es weitergehen kann", sagt Irina Kronner, Fachbereichsleiterin Deutsch und Integration. Ein Konzept von Seiten des Bamf erwarte sie zum 1. Juli. Die unterbrochenen Module sollen auf jeden Fall beendet werden, die Deutschschüler wollen gerne weiter machen, erklärt Kronner. Während in den Fremdsprachenkursen künftig aufgrund der Abstandsregelungen maximal neun Teilnehmer erlaubt sind, wird es in Deutschkursen mit ihren über 20 Teilnehmern schwierig. Lüdenbach hat das mal durchgerechnet. Bei 24 Leuten plus Lehrkraft käme nur der Große Saal in Frage, der dann wiederum aber nicht für andere Veranstaltungen genutzt werden könnte. Der zweite größere Raum habe 98 Quadratmeter, "da dürfen keine 24 rein". Er sei aber optimistisch, dass dem Bamf "schon was einfallen wird".

Eleni Lehner, Fachbereichsleiterin Sprachen, freut sich jetzt erst einmal, dass an der VHS wieder Präsenzunterricht möglich ist. Nur 14 der ursprünglich 130 Sprachkurse konnte die VHS weiterführen. Spanisch, Griechisch, Norwegisch und Englisch wurden erstmals online unterrichtet. Über eine Cloud des deutschen VHS-Verbands nahmen die Teilnehmer per Bildschirm-Chat am Unterricht teil. Für viele Dozenten war auch dies eine ganz neue Erfahrung. Die meisten sind Honorarkräfte, aber nur die wenigsten davon leben hauptberuflich von dem Unterricht. "Fast alle unterrichten nebenberuflich", so Lehner . Langweilig sei es keinem der Dozenten geworden. Es gab Online-Schulungen. "Unsere Dozenten sind jetzt vorbereitet für den worst case", sagt Eleni Lehner. Für den Fall, dass es aufgrund einer zweiten Corona-Welle wieder zum Lock-Down kommt, ist die VHS gerüstet. Dabei könnte Plan B auch aus "blended learning" bestehe, also einer Mischung aus Präsenzunterricht und online.

Für den Fachbereich Kunst und Handwerk sei die plötzliche Schließung besonders hart gewesen, "da dieser Unterricht online nur schwer umzusetzen war", schreibt Fachbereichsleiterin Hilde Werner. Nun können die Teilnehmer wieder zusammen mit ihren Dozenten vor Ort praktizieren. Hilde Werners Sommerprogramm sieht unter anderem Goldschmieden, Weidenflechten, Glasfusing, Handlettering und Videoschneiden vor. Die Aquarell- und Acrylkurse von Hannes Döllel werden an drei Tagen wieder starten. "Unsere langjährigen Teilnehmer können es kaum abwarten, wieder in der Gemeinschaft unterrichtet zu werden, sagt auch Eleni Lehner. "Sie haben online jetzt satt".

Alle Kursangebote der VHS Erding unter www.vhs-erding.de. Weitere Infos und Anmeldung über 08122/9787-0 oder info@vhs-erding.de

© SZ vom 06.06.2020

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