Vertreterversammlung Erfolgreicher Übergang

Nach der Fusion steigert die VR-Bank Erding ihre Bilanzsumme um vier Prozent auf 1,1 Milliarden Euro

Von Philipp Schmitt, Erding

Vor zwanzig Monaten haben sich die VR Bank Isen-Sempt und die VR Bank Erding zur neuen VR-Bank Erding zusammen geschlossen, um im hart umkämpften Bankensektor bei schrumpfenden Gewinnen Chancen einer prosperierenden Region besser zu nutzen: Obwohl die Europäische Zentralbank mit ihrer Niedrigzinspolitik rückläufige Zinserlöse induziert und Antworten auf die Digitalisierung und zum neuen Kundenverhalten gefunden werden müssen, hat sich die neue Genossenschaftsbank im "Übergangsjahr 2018" gut behauptet: "Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden", das sagten unisono die drei Vorstandsmitgliedern Johann Luber, Josef Kern und Friedrich Ziller bei der von 122 Mitgliedern besuchten Vertreterversammlung am Mittwoch in der Stadthalle. "2018 war sehr herausfordernd", fügte Aufsichtsrats-Vorsitzender Ulrich Holnburger an.

Der Vorstandsvorsitzender Luber teilte mit, dass die VR-Bank mit einer im Vergleich zum Vorjahr um fast vier Prozent gestiegenen Bilanzsumme von 1,1 Milliarden Euro unter den 875 Genossenschaftsbanken eine durchschnittliche Größe erreicht habe. Die 875 Genossenschaftsbanken zusammen verzeichneten im vergangenen Jahr eine Bilanzsumme von 935 Milliarden. Sie haben mehr als 18 Millionen Mitglieder und 30 Millionen Kunden und beschäftigen 140 000 Mitarbeitern. Beim Bilanzsummen-Zuwachs lag die VR-Bank Erding jedoch unter dem bundesweiten Durchschnitt, wie es weiter hieß.

Die VR-Bank Erding hat 16 Geschäftsstellen und 26 Geldautomaten. Sie beschäftigt 206 Mitarbeiter und hat 16 842 Mitglieder. Ihre 40 637 Kunden vertrauten der Bank im vergangenen Geschäftsjahr 870 Millionen Euro Einlagen an, das waren 23 Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor. 809 Millionen Euro gab die VR-Bank Erding an Krediten an Privatkunden, Mittelstand und öffentliche Haushalte aus. Insgesamt wurden 2018 für die Kunden 2,2 Milliarden Euro Einlagen und Kredite betreut, hieß es auf der Vertreterversammlung .

Josef Kern bezeichnete 2018 als "erfolgreiches Übergangsjahr". Die hohen Marktanteile "zeigen, dass das genossenschaftliche Geschäftsmodell weiterhin attraktiv ist", sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Der Rückgang der Zinserlöse und ihre Auswirkungen auf die Ertragslage seien dagegen ein strukturelles Problem, das kaum kompensiert werden könne und "auch in nächsten Jahren die Ergebnisentwicklung noch belasten" werde.

Auch Unternehmer bekommen dies zu spüren, denn um hohe Einlagen nicht zu subventionieren, werden "Verwahrgelder", also ein Minuszins, auf hohe Geldbeträge erhoben, wenn es sich um Firmenkonten handelt, private Konten betrifft dies nicht. Die Nullzinspolitik der EZB bestrafe Sparer, Genossenschaftsbanken und Sparkassen, das billige Geld gehe zu Lasten der Sparer, die in der Ära von EZB-Präsident Mario Draghi zu Verlierern gemacht würden, sagte Kern. Die VR-Bank Erding wolle aber "stabil und stark bleiben, nachhaltig wachsen und die Chancen beherzt nutzen". 2018 sei das unter dem Strich gut gelungen, sagte Kern. Das Eigenkapital wurde erhöht, Provisionserlöse legten zu, das digitale Angebot wird ausgebaut, und das Geschäft mit Immobilien läuft auf Hochtouren: Die Tochterfirma VR-Immobilien Erding vermittelte 2018 Immobilien im Wert von 16 Millionen Euro. Auch die Raiffeisen-Waren-GmbH Erdinger Land, an der die VR-Bank beteiligt ist, hat sich mit 95 Millionen Euro Umsatz gut entwickelt. Die VR-Bank verfüge über ausreichend Reserven und werde weiter Förderkredite gewähren, hieß es.

Und es gab weitere Maßnahmen: So wurde auch der Betriebsaufwand reduziert, so dass am Ende ein Jahresüberschuss von 4,3 Millionen Euro blieb. Der Bilanzgewinn lag daher bei mehr als einer Million Euro. Der Jahresabschluss 2018 wurde einstimmig festgestellt, die Gewinn- und Verlustrechnung wurde genehmigt. Daraufhin entlasteten die Mitglieder Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig. Die Vertreter stimmten außerdem der Dividende von insgesamt 265 715 Euro und 811 096 Euro als Zuführung zu den Rücklagen zu.

Der stellvertretende Landrat Jakob Schwimmer (CSU) warnte vor einer sich eintrübenden Konjunktur mit drastischen Folgen eines Abschwungs bis hin zu möglichen Gelb-Westen-Protesten, wie es sie in Frankreich gebe. "Wir müssen Augen und Ohren offen halten", sagte er.