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Verkehrsplanung in Dorfen:Je unübersichtlicher, desto besser

Ein Münchner Planungsbüro empfiehlt der Stadt Dorfen eine Tempo 30-Zone und Ampeln, um den Verkehr auf der B15 zu bändigen.

Eine Tempo 30-Zone auf der Bundesstraße B 15 mitten in Dorfen - es war ein erstaunlicher Vorschlag den der Verkehrsplaner Ulrich Glöckl vom Münchner Verkehrsplanungsbüro Transver dem Dorfener Stadtrat zur Entschärfung des Verkehrs in der Stadt unterbreitete. Dass eine Geschwindigkeitsreduzierung den Verkehrslärm spürbar vermindern und zu mehr Sicherheit beitragen würde, war zwar einleuchtend. Doch die Skepsis, ob denn das zuständige Straßenbauamt einer Tempo 30-Zone auf einer Bundesstraße zustimmen würde, war ebenso groß. Glöckl räumte ein, dass es sicher nicht einfach sein würde, die Straßenbaubehörde zu überzeugen. Wenn die Stadt aber mit großer Mehrheit dafür wäre, klug und hartnäckig verhandle, sei es seiner Ansicht nach nicht aussichtslos. Grundsätzlich verschlechtere eine Tempo 30-Zone nicht die Leistungsfähigkeit einer Straße.

Glöckl hat sich in den vergangenen Wochen die Stadt und ihren Verkehr genau angeschaut und unter Verwendung einer Verkehrsuntersuchung von 2008 Berechnungen angestellt. Seine Arbeit mündet in mehrere Vorschläge, die alle das gleiche Ziel haben: den Verkehr auf der B15 in Dorfen zu entschärfen. Die von ihm aufgezeigten Möglichkeiten sollen nun von den Architekten und Städteplanern, die sich am Wettbewerb zur Neugestaltung der B15 in Dorfen beteiligen, berücksichtigt werden.

Eine Tempo 30-Zone, die sich Glöckl zum Beispiel im Abschnitt zwischen der Rosenaustraße und der Kreuzung an der Klinik Dorfen vorstellen könnte, war nur eine seiner Ideen. Glöckl schlug weiter vor, reichlich Ampeln an der B15 zu installieren: Die Fußgängerampeln am Schulzentrum, dem Unteren Tor und der Zinniengasse könnten ruhig zu fest getakteten Ampeln umgerüstet werden. Dazu sollen weitere Anlagen an der Rosenaustraße, beim Supermarktgebiet Galgenwiese - die dortige Fußgängerinsel nannte Glöckl völlig unzureichend - und auf Höhe der Polizeiinspektion gebaut werden. Mit einer klugen Taktung könnte der Verkehr auf der B15 per grüner Welle trotz so vieler Ampeln gut fließen. Umweltreferent Gerald Forstmaier beantragte daraufhin, das Büro Transver sollte umgehend eine Untersuchung für weitere Ampeln ausarbeiten, was etwa 3200Euro kosten würde. Der Antrag wurde jedoch mit einer Mehrheit von 14zu elf Stimmen abgelehnt.

Glöckl schlug als weitere Maßnahmen vor, die B15 beidseitig mit breiten Gehwegen und mindestens einen Radfahrerstreifen auf der Fahrbahn, wenn nicht gleich Fahradwegen auszustatten. Den so beliebten Multifunktionsstreifen im südlichen Teil der B 15 fand Glöckl - für viele überraschend - gar nicht gut. Die Straße sei dort zu breit und mache es den Autofahrern zu leicht, Gas zu geben. Seine zusammenfassende Empfehlung an den Stadtrat lautet knapp: "Sie müssen die B15 unübersichtlich machen" - um so den Verkehr zu abzubremsen.

Das weitverzweigte bestehende Rad- und Fußwegenetz in Dorfen lobte Glöckl ausdrücklich. Allerdings gebe es "Mängel im Detail" wie fehlende Nord-Süd-Verbindungen über die Isen im Westen und Osten der Stadt. Glöckl empfahl dem Stadtrat, das Geh- und Radwegenetz "zu vermarkten", um die Bevölkerung dazu zu bewegen, das Fahrrad zu benutzen oder zu Fuß zu gehen.

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