bedeckt München
vgwortpixel

Verkehr Dorfen:Das Chaos ist unausweichlich

Schulbusse kommen zu spät, Rettungsdienste können Fristen nicht einhalten: Dorfen denkt darüber nach, wie der Verkehr geregelt werden soll, wenn die B15-Brücke über die Isen erneuert wird

"Wir wissen alle nicht, was auf uns zukommt", sagte Karlheinz Lauffer, Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion Dorfen. "So lange die Brücke gesperrt ist, ist kein normales Leben in Dorfen möglich", prophezeite Stadtrat Martin Heilmeier (Landlisten). "Es wird mit Sicherheit nicht spaßig", befand Bürgermeister Heinz Grundner (CSU). So viel ist klar: Alle haben Angst vor dem Neubau der B15-Brücke über die Isen mitten in Dorfen, der im April 2020 beginnen und acht Monate dauern soll. Denn: "Die Erneuerung der Brücke kann nur unter einer Vollsperrung erfolgen", erläuterte Thomas Sieber vom Staatlichen Bauamt Freising dem Bauausschuss des Dorfener Stadtrats. Und das bedeutet: Eine sehr stark befahrene Verkehrsschlagader wird gekappt und in Dorfen sind chaotische Verkehrssituationen zu erwarten.

Laut der letzten Verkehrszählung von 2015 fahren täglich 14 000 Fahrzeuge auf dem Abschnitt, davon 1000 Lastwagen. Letztere sollen weiträumig umgeleitet werden. Der Verkehr aus Norden wird in Taufkirchen über die B388 nach Erding, dann nach Süden und schließlich über die A 94 bis Dorfen geschickt. Der Verkehr aus Süden wird an der Anschlussstelle Dorfen in östlicher Richtung auf die A 94 eingewiesen, bis nach Heldenstein und von dort aus über Landstraßen nach Taufkirchen.

Da jedoch etwa 80 Prozent des B15-Verkehrs Dorfener Ziel- und Quellverkehr ist, sind die innerörtlichen Umleitungen noch wichtiger. Es gibt zwei Routen über die Stadtrandgebiete: Im Osten bei Kloster Moosen über Mehlmühle und die Straße An der Leiten oder über Hampersdorf in die Stadt. Im Westen könnte man in einem großen Bogen über Oberdorfen fahren. Schließlich gibt es noch die Möglichkeit mitten durch die Altstadt. Nach Lauffers Konzept wird die Rosenaustraße zur Einbahnstraße stadteinwärts erklärt, über die Haager Straße geht es nur stadtauswärts. Durch das Kirchtor, auch Wesnertor genannt, darf man nur noch in einer Richtung in die Altstadt hinein fahren. Raus geht es durchs Wailtltor und über den Herzoggraben an der Brauerei Bachmayer vorbei. Das wird eng, nicht nur für die Autofahrer, sondern auch für Fußgänger und Radfahrer, die ebenfalls durch die engen Tore oder den Herzoggraben müssen, wobei der Herzoggraben nicht mal einen Gehweg hat. Dennoch und deswegen bleibt der wichtigste Rat, den Lauffer hat, aufs Autofahren zu verzichten: "Ich bin der Meinung, man sollte aufs Rad umsteigen."

Richtig problematisch ist die Situation für die Schulbusse, für die Feuerwehr und die Rettungsdienste. Die meisten Schulbusse aus Süden müssen die Umleitung am östlichen Stadtrand nehmen. Die Busunternehmer befürchten allerdings laut Lauffer, dass die Fahrten sich massiv verzögern könnten und die Kinder in den Schulen erst um 9 Uhr eintreffen werden.

Feuerwehr und Rettungsdienste sehen sich nicht in der Lage, die Rettungsfristen einzuhalten, wenn sie kilometerweite Umwege fahren müssen. Deshalb soll unbedingt ein Stückchen neben dem Isenwehr eine drei Meter breite Behelfsbrücke über den Flutkanal installiert werden. Diese Brücke schafft eine Verbindung von der B15 über ein kurzes, aktuell nur gekieste Stichsträßchen gegenüber dem Unteren Tor sowie auf der anderen Seite des Flutkanals über die Straße am Bauernmarkt-Stadel und den für Autoverkehr gesperrten Hampersdorfer Weg bis zur Buchbacher Straße. Sie darf nur von Einsatzfahrzeugen, Radfahrern und Fußgängern benutzt werden.

Auf Antrag der CSU-Fraktion wird zudem noch einmal untersucht, ob nicht doch eine zur Baustelle parallele Brücke über die Isen möglich wäre. Sieber erteilte dieser Hoffnung jedoch schon vorab eine Absage: "Ich sehe da keinen Platz, wir haben das schon untersucht." Und wie wird die neue B15-Brücke aussehen? "Im Grunde genommen schaut die genauso aus wie die alte", sagte Sieber. "Nur mit breiteren Gehwegen." Links und rechts wird Fußgängern und Radlern je 2,50 Meter eingeräumt.

© SZ vom 15.11.2019
Zur SZ-Startseite