Vereinsleben liegt darniederFlugzeuge sind ausquartiert

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Erdinger Hobbypiloten fürchten um ihre Zukunft: Für den Warteraum Asyl musste der Fliegerclub seinen Shelter räumen. Dafür gibt es Verständnis, doch es bleiben Sorgen

Von Antonia Steiger, Erding

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Der Fliegerclub Erding steht vor einer ungewissen Zukunft: Die Hobbypiloten, die seit fünfzig Jahren am Fliegerhorst ihre Heimat haben und dort auch weiterfliegen durften, nachdem der letzte Tornado den Bundeswehrstandort im September 2014 verlassen hatte, mussten nun ihren Flugbetrieb einstellen, weil der Platz für den Warteraum Asyl benötigt wird. Nur vorübergehend, das hofft zumindest der Hobbypilot und frühere Kieferorthopäde Hans Seeholzer. Er betont, dass sowohl im Fliegerclub als auch in der ebenfalls betroffenen Segelflugsportgruppe Albatros die Mehrheit der Mitglieder akzeptierten, dass dort nun Flüchtlinge untergebracht werden. Er selbst koordiniert deren zahnmedizinische Versorgung. Er sieht aber auch die Zukunft des Vereins gefährdet.

Auf Wiedersehen! Die Maschinen des Fliegerclubs Erding mussten den Fliegerhorst verlassen, weil der Platz für den Warteraum Asyl benötigt wurde.
Auf Wiedersehen! Die Maschinen des Fliegerclubs Erding mussten den Fliegerhorst verlassen, weil der Platz für den Warteraum Asyl benötigt wurde. Hans Seeholzer

Die Erdinger Hobbypiloten fliegen nicht nur zu ihrem persönlichen Vergnügen durch die Luft. Sie gehören auch zum Team der Luftrettungsstaffel Bayern, die in regenarmen Zeiten bei erhöhter Brandgefahr über die Wälder wacht und damit Teil der bayerischen Katastrophenschutzplanung ist. Seeholzer betonte, dass der Verein darüber hinaus eine intensive Jugendarbeit mache und karitative Aufgaben übernehme. Dies alles sieht er in Gefahr, wenn der Verein dauerhaft in seiner fliegerischen Tätigkeit eingeschränkt sei. Quasi über Nacht mussten die Flieger ihre Flugzeuge wegfliegen. Sie mussten den Shelter räumen, den sie auf eigene Kosten umgebaut und mit Toren ausgestattet haben. "Er ist beschlagnahmt worden." Unterschlupf und kameradschaftliche Unterstützung habe man in Gammelsdorf, Manching und Landshut gefunden, sagt Seeholzer. Doch das kann für ihn nur eine vorübergehende Lösung sein. Immerhin, in Landshut hat der Verein eine Halle für einen Oldtimer gefunden. Die anderen Maschinen müssen aber im Freien stehen.

Die Unterbringung der Flüchtlinge in den Sheltern hat Vorrang, das sehen auch die Piloten so. Aber sie fürchten um ihre Zukunft.
Die Unterbringung der Flüchtlinge in den Sheltern hat Vorrang, das sehen auch die Piloten so. Aber sie fürchten um ihre Zukunft. Hans Seeholzer

Die Zukunft des Vereins hänge "am seidenen Faden", sagt Seeholzer. Derzeit sei keine Jugendarbeit möglich. Und auch die soziale Komponente des Vereinslebens liege darnieder. An der Bar im Vereinsheim auf dem Fliegerhorstgelände habe sich ein reges Vereinsleben abgespielt, sagt Seeholzer. Bis zu dreimal in der Woche war er auch selbst dort. Man traf sich, erzählte sich Erlebnisse und tauschte Erfahrungen aus. Regelmäßig gab es auch feste Treffen. Nicht nur einmal betonte Seeholzer im Gespräch mit der SZ, ihm sei bewusst, dass in der derzeit schwierigen Situation schnelle Maßnahmen erforderlich seien. Viele Sportvereine und auch Schulen müssten mit Einschränkungen leben. Doch müsse man auch die Situation seines Vereins sehen. Dass die vereinseigenen Maschinen in Landshut und in Manching untergebracht seien, belaste den Verein finanziell. Noch schlimmer sei aber der zu erwartende Mitgliederschwund: "Einen Verein kann man nicht so ohne weiteres verpflanzen." Die Luftsportvereinigung Albatros, die ebenfalls vom Erdinger Fliegerhorst aus geflogen war, hat ihre Motorflieger auf dem Segelflugplatz in Gammelsdorf im Landkreis Freising untergebracht. Doch das Gelände sei für einen Motorsegelbetrieb problematisch. Die luftrechtliche Genehmigung schränke den Betrieb ein.

Die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr ist Seeholzer zufolge immer sehr gut gewesen. Weil der Club einen eigenen Tower hat, durfte er auch noch fliegen - unter Aufsicht der Flughafen München Gesellschaft, wie Seeholzer sagt - , nachdem die Luftwaffe ihren Flugbetrieb in Erding eingestellt hatte. Auf das gute Verhältnis zu den Soldaten mitsamt ihrem Kommandeur Oberst Markus Alder bauen die Hobbypiloten auch jetzt. Man hofft auf eine Koexistenz am Fliegerhorst, denn grundsätzlich sei es möglich, dass weiter geflogen werden könne, sagt Seeholzer. Guter Wille sei erforderlich, doch sei die Landebahn auch jetzt zur Hälfte zu nutzen. Auch der Erdinger OB Max Gotz (CSU) habe seine Unterstützung bereits zugesagt, sagt Seeholzer. Mit ihren Bemühungen seien die Flieger jedoch noch am Anfang. "Es gibt aber bereits Hoffnungssignale."

© SZ vom 06.11.2015 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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