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Verein Prop:Essen "to go" im Kontaktreff

Umstellung des tägliches Mittagsangebot

Die Erdinger Kontakt- und Begegnungsstätte (KoB) des Vereins Prop ermöglicht ihren Besuchern, das frisch zubereitete Essen "to go" mitzunehmen, das teilt der Verein in einem Schreiben mit. Wie so viele andere soziale Einrichtungen musste auch die KoB in Erding ihr Angebot umstellen.

Seit 2015 bietet der Kontakttreff alkoholgefährdeten, alkoholabhängigen und mehrfach abhängigen Menschen aus dem Landkreis Erding an fünf Tagen in der Woche einen Raum, in dem sie Gemeinschaft und wertvolle Tätigkeit finden können, wie es weiter heißt. Das Spektrum an Aktivitäten ist breit. Die Besucher erlebten einen geregelten Tagesablauf und nähmen an Angeboten aus dem kreativen, handwerklichen, sportlichen und hauswirtschaftlichen Bereich teil. "Eine zentrale Rolle spielt das tägliche Mittagessen." Die Besucher bereiten es nicht nur gemeinsam zu, sondern können auch zum Selbstkostenpreis mitessen. "Sich etwas Gesundes zum Essen zu kochen, mag für viele eine selbstverständliche Handlung im Alltag sein, für viele unsere KoB-Besuchern ist es das nicht", teilt dazu der Einrichtungsleiter Thomas Schaller mit. "Das selbstgekochte Mittagessen bei uns ist oftmals die einzige gesunde und warme Mahlzeit am Tag", so der Arbeitserzieher weiter.

Wer den Tag in der KoB verbringe, hat meist schon viel erlebt. Nicht wenige leben am Existenzminimum. Die meisten können sich kein ausgewogenes Essen oder hochwertige Lebensmittel leisten. Zudem schaffen es viele auch aufgrund ihrer Suchtproblematik nicht, für sich zu kochen, oder essen nur sehr einseitig. "Mangelernährung ist bei unseren Besucher ein häufiges Problem", sagt Schaller. Ernährung sei aber nicht nur maßgeblich für die Gesundheit, sondern auch "bedeutsam für die Lebensqualität". Das Mittagsangebot schaffe einen Anreiz, die Wohnung zu verlassen und Kontakte zu halten.

Mit Beginn des Lockdowns waren die Mitarbeiter zwar noch telefonisch erreichbar und konnten in Krisenfällen persönliche Gespräche anbieten, aber durch das Wegfallen der tagesstrukturierenden Angebote und des Mittagessens, wurde es schwieriger, regelmäßig Kontakt zu allen Besuchern zu halten. Jetzt bereiten die KoB-Mitarbeiter das Mittagessen als take away zu und bieten es den Besuchern zum Selbstkostenpreis an. Das Essensangebot komme gut an, mittlerweile habe das Team wieder Kontakt zu allen Besuchern und Besucherinnen der KoB. Er freue sich, dass man die Klienten nun wieder täglich sehe, schreibt Schaller. Und dass sie auch während des Lockdowns mit einer ausgewogenen Mahlzeit unterstützt werden können.

© SZ vom 08.03.2021 / sz
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